Seit 20 Jahren arbeitet er für die Caritas, dann bekommt ein Altenpfleger plötzlich die fristlose Kündigung. „Wegen meiner politischen Meinung“, sagt er. Unsere Redaktion kennt die Hintergründe des Falls.
von Daniel Holfelder
Wenn man den Islam kritisiert, muß man dann Angst um seinen Job haben? „Ja“, sagt Thomas Grebe. „Zumindest wenn man für die Caritas arbeitet.“ Der Altenpfleger aus dem oberfränkischen Forchheim bekam im Dezember die fristlose Kündigung – „wegen meiner politischen Meinung“, wie er im Gespräc schildert.
Die Caritas wirft dem 55jährigen vor, auf seinem TikTok-Kanal „regelmäßig fremdenfeindliche Inhalte zu verbreiten“ und damit gegen das Leitbild des Wohlfahrtsverbands zu verstoßen. Diesen Vorwurf stützt die katholische Organisation allerdings nur auf ein einziges Video. „Darin äußere ich mich kritisch zum Islam“, betont Grebe. „Aber auf keinen Fall fremdenfeindlich.“
„Ging mir um den politischen Islam“
Der knapp zwei Minuten lange Clip zeigt ihn in einer Diskussion mit einem jungen Mann, aufgenommen am Rande einer Kundgebung der islamkritischen „Bürgerbewegung Pax Europa“. Die Kundgebung, die sich Grebe aus Interesse ansah, fand im Juni 2025 in Nürnberg statt. Rund ein Jahr zuvor war einer der bekanntesten Redner von „Pax Europa“, der ehemalige CSU-Pressesprecher Michael Stürzenberger, in Mannheim von einem afghanischen Islamisten schwer verletzt und der Polizist Rouven Laur getötet worden.
In diesem Kontext müsse man auch seine Aussagen in der Diskussion mit dem jungen Mann betrachten, macht Grebe deutlich: „Es ging mir nicht darum, den Islam als Religion oder gar einzelne Moslems schlecht zu reden. Sondern um den politischen Islam, der im schlimmsten Fall zu terroristischer Gewalt führt.“
In dem Video sagt Grebe unter anderem: „Der Islam hat ein ganz anderes Wertesystem und eine ganz andere Gesellschaftsform als unsere. Der Islam lehnt die Demokratie ab, der Islam lehnt die Freiheit ab, der Islam lehnt die Frauenrechte ab.“ Weiter kritisiert er, der Islam wolle sich nicht anpassen oder integrieren, sondern „herrschen“.
Was ist mit den anderen Videos?
Welche der Aussagen ihm sein Arbeitgeber konkret zur Last legt, bleibt in der Kündigung offen. Stattdessen wirft ihm die Caritas darin vor, er habe in dem Video gesagt, daß „der Islam nicht zu Deutschland gehört, da dieser mit der Demokratie nicht vereinbar ist“. Allerdings fällt dieser Satz in dem Video nachweislich nicht.
Auch in den anderen Clips auf Grebes TikTok-Kanal läßt sich keine Fremdenfeindlichkeit erkennen. Gleichwohl geht aus den eher scherzhaft gehaltenen Beiträgen hervor, daß der Altenpfleger Sympathien für die AfD hegt und politisch rechts steht. „Das ist der wahre Grund für die Kündigung“, vermutet er. „Die angebliche Fremdenfeindlichkeit ist vorgeschoben.“
In einem der Videos sitzt Grebe mit einer Schwimmweste in Deutschlandfarben in einem Whirlpool und trinkt aus einem Glas einen blauen Energydrink, der für die AfD stehen soll. Dabei grinst er und streckt den rechten Daumen nach oben. Eine andere Aufnahme zeigt ihn, ebenfalls grinsend und mit Daumen nach oben, neben einem sogenannten Abschiebekalender der AfD. „Abschiebungen von illegalen Einwanderern sind eine normale Maßnahme in einem Rechtsstaat“, erklärt er dazu. „Deshalb kann ich auch heute nicht erkennen, was an dem Video schlimm sein soll.“
„Love Nature, Hate Antifa“
In einem weiteren Clip raucht er eine blaue Vape-Zigarette mit dem Aufdruck „AfD“, atmet blauen Dampf aus und reckt abermals grinsend den Daumen nach oben. In zwei Videos trägt er ein blaues Nikolauskostüm und rezitiert in einem davon ein satirisches Weihnachtsgedicht, in dem es heißt: „Ich bin der blaue Nikolaus und hau‘ die bösen Linken aus.“
Im Anschluß holt er aus einem Weihnachtssack eine Bierflasche mit dem Aufdruck „Kein Bier für Linke“. Zuletzt zeigt ihn ein Beitrag beim Wandern im Wald. Eingeblendet sind dabei die Worte „Love Nature, Hate Antifa“ sowie eine Deutschlandfahne.
Zudem habe er noch einige Clips des AfD-Bundestagsabgeordneten und ehemaligen Spitzenkandidaten für die EU-Wahl, Maximilian Krah, auf seinem Kanal weiterverbreitet. „Das ist alles“, schildert Grebe. „Zumindest, was die angeblich fremdenfeindlichen Inhalte auf TikTok angeht.“
Caritas erhebt weitere Vorwürfe
Denn zusätzlich begründet die Caritas die fristlose Kündigung mit zwei weiteren schweren Vorwürfen. So soll der Altenpfleger zum einen zu einer Bewohnerin seines Pflegeheims gesagt haben, daß „das Ausländerpack in Waggons gepackt werden müßte“. Zum anderen würden sich seine ukrainischen Kollegen davor fürchten, mit Grebe zusammenzuarbeiten, behauptet der Arbeitgeber.
„Das sind beides infame Lügen“, weist Grebe die Anschuldigungen empört zurück. Einen „widerlichen und rassistischen“ Satz wie den, den ihm die Caritas vorwirft, habe er nie ausgesprochen und würde er nie aussprechen. „Schon allein deshalb nicht, weil mein Vater Türke ist. Ich bin also selbst halber Ausländer.“
Kollegen sind schockiert wegen Kündigung
Ebenso „absurd“ sei die Behauptung, seine ukrainischen Kollegen hätten Angst vor ihm. Seine Stationsleiterin sei Ukrainerin und aus allen Wolken gefallen, als er ihr von dem Vorwurf berichtete. „Sie hat mir ausdrücklich bestätigt, daß nicht nur sie gerne mit mir zusammenarbeitet, sondern auch alle anderen ukrainischen Kollegen.“ Mit keinem einzigen ukrainischen Kollegen habe es jemals ein Problem gegeben.
„Man will mich wegen meiner politischen Meinung loswerden, und weil man das nicht zugeben will, erfindet man solche unsäglichen Dinge“, glaubt Grebe. Nach Informationen der Redaktion sind tatsächlich zahlreiche Mitarbeiter sowie Bewohner des Pflegeheims schockiert über die Kündigung ihres langjährigen Kollegen und Betreuers.
Grebe klagt
Insgesamt 20 Jahre sind es, in denen Grebe für die Caritas arbeitet. „Nur ein paar Tage, bevor per Post die Kündigung kam, wurde ich auf der Weihnachtsfeier noch geehrt“, schüttelt er den Kopf. „Ich erhielt zum Dienstjubiläum eine Urkunde und das Ehrenzeichen in Silber, das ist eine silberne Anstecknadel für besonderes Engagement.“
Gegen seine Kündigung hat der Altenpfleger inzwischen Klage eingereicht. „Die Caritas muß erklären, was an meinen Videos auf TikTok fremdenfeindlich sein soll“, fordert er. „Außerdem will ich wissen, wann ich diesen Satz mit dem ‘Ausländerpack’ gesagt haben soll und welche ukrainischen Kollegen angeblich Angst vor mir haben.“
Was sagt die Caritas?
Sein Arbeitgeber habe „nicht ein einziges Mal“ mit ihm über die Vorwürfe gesprochen oder ihm Gelegenheit gegeben, sich dazu zu äußern. Für Anfang März ist ein erster Termin vor dem Arbeitsgericht Bamberg anberaumt, für den unter anderem Grebes ukrainische Stationsleiterin als Zeugin vorgesehen ist.
Vor der Veröffentlichung dieses Artikels bat die Redaktion die zuständige Geschäftsstelle der Caritas darum, ihre Sicht auf den Sachverhalt darzulegen. Diese ließ die Anfrage jedoch unbeantwortet.
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