Von Augsburg aus schmieden die Fugger um 1500 einen Konzern, der mit Fernhandel, Bergbau und Geldgeschäften ein gewaltiges Vermögen anhäuft. Ihr Geschäftssinn trägt den deutschen Kaufleuten Einfluss ein. Und Hass.
von Markus Wolff
Genug! Seine Geduld ist erschöpft. Seit zwei Tagen schon versucht Kardinal Thomas Cajetan mäßigend auf diesen störrischen Mönch einzuwirken, mit dem sich aber nicht reden, nur streiten lässt. Vehement und lautstark. Sieht der Augustinerbruder denn nicht, dass die Herausforderungen der Zeit nach Einheit verlangen?
Im Osten stehen die osmanischen Heere an der ungarischen Grenze, anscheinend jederzeit bereit, einen weiteren Schlag gegen die Reiche der Christenheit zu führen. Und ausgerechnet jetzt, so mag es dem päpstlichen Gesandten durch den Kopf gehen, kommt dieser Martin Luther, kritisiert den käuflichen Sündenerlass, wiegelt die Gläubigen gegen den Heiligen Vater auf und droht mit seinen Ansichten die Kirche zu spalten, ja gar die Gesellschaft auseinanderzureißen. “Geh und komme mir nicht mehr unter die Augen”, befiehlt Cajetan schließlich.
Am 14. Oktober 1518 verlässt Martin Luther zum letzten Mal den palastartigen Komplex am Augsburger Weinmarkt, in den ihn die Kurie zur Anhörung zitiert hat. Es ist ein prächtiger, kupferbedeckter Bau, mit Gewölbesäulen aus Marmor, hölzernen Kassettendecken und Tapisserien.Hinter einer fast 70 Meter langen, mit historischen Motiven bemalten Schaufassade liegen drei Innenhöfe, den schönsten zieren Arkaden mit Fresken. Demonstrativ unterstreichen viele der Darstellungen die Treue des Hausherrn zum römisch-deutschen Kaiser Maximilian und rühmen die Taten des Herrschers, der bei seinen Besuchen der Stadt häufig hier zu Gast gewesen ist: im Hauptsitz der Fugger.
Innerhalb von nur drei Generationen ist der Familie ein beispielloser Aufstieg gelungen, von einfachen Webern zum dominierenden Handelskonzern ihrer Zeit. Der Name Fugger, das heißt Warenhandel, Bergbau, Geldgeschäfte überall in Europa. Der Einfluss der Fugger beflügelt oder beendet Karrieren, ihre Kredite entscheiden über Krieg und Frieden. Sie gehören zu den wichtigsten Finanziers und Geschäftspartnern des Papstes. Und ihr Geld bringt Herrscher auf den Thron: Mehr als 500 000 Gulden zahlen sie unter anderem jenen Fürsten, die nach dem Tod Kaiser Maximilians seinem Enkel Karl V. zur Krone verhelfen – eine Summe, die mehr als einer Tonne Gold entspricht.
Wohl nie zuvor und nie wieder danach hat ein einzelnes Unternehmen in Europa eine vergleichbare Machtfülle und Bedeutung erreicht. An seiner Spitze steht ein früh über seiner Arbeit gealterter Mann, bekannt für seinen eisernen Führungsstil. Mit ebenso schlauer wie aggressiver Firmenpolitik hat Jakob Fugger den Familienbetrieb zu einem der ersten multinationalen Konzerne der Gesch









