Bei einer Großübung mit mehr als 250 Einsatzkräften in Thüringen wurde ein ICE-Brand in einem Tunnel simuliert. Die ersten Einsatzkräfte trafen erst zwei Stunden nach dem Notruf ein. Bei einem tatsächlichen Feuerunfall hätte es so kaum Überlebende gegeben.
Mehr als 250 Einsatzkräfte der Feuerwehr, der Rettungsdienste und weiterer Organisationen trainierten im 1320 Meter langen Sandbergtunnel bei Traßdorf den Ernstfall eines brennenden ICE mit 100 Komparsen an Bord. Etwa 30 von ihnen sollten als Verletzte gerettet werden. Doch die ersten Blaulichter erschienen bei den Tunnelportalen auf der Strecke Nürnberg-Erfurt erst zwei Stunden und sieben Minuten nach dem simulierten Notruf – erwartet war eine Anfahrtszeit von zehn bis maximal 25 Minuten.
Der Lokführer setzte den Notruf planmäßig gegen 10.15 Uhr an die Bahnleitstelle ab. Nach Berichten des Portals Insüdthüringen dauerte es aber 30 Minuten, bis die Rettungsleitstelle Mittelthüringen informiert wurde. Weitere Verzögerungen folgten, ehe die umliegenden Feuerwehren und speziell ausgebildeten Tunnelbasiseinheiten alarmiert wurden.
Erst um 12.22 Uhr trafen die ersten Kräfte des Rettungsdienstes am Nordportal ein, berichtet die BILD. Ein Feuerwehr-Experte zog vor Ort eine vernichtende Bilanz: „Wäre das hier echt, wären längst alle tot.“ Und Branddirektor Marc Stielow vom Thüringer Innenministerium hatte vor der Übung betont: „Der Endgegner im Tunnel ist die Zeit.“
Die Übung, die länger als zwei Jahre vorbereitet worden war und während einer planmäßigen Streckensperrung für Instandhaltungsarbeiten stattfand, sollte genau diese Zeitfaktoren und die Zusammenarbeit der Organisationen realitätsnah testen. Der Sandbergtunnel gehört zur 107 Kilometer langen Neubaustrecke, von der 41 Kilometer durch Tunnel führen. Eine vergleichbar große Übung hatte zuletzt 2019 stattgefunden.










