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Kälte-Terror: Tausende Wärmepumpen könnten explodieren

Kälte Terror: Tausende Wärmepumpen könnten explodieren
Für Hausbesitzer könnten Wärmepumpen noch zum Risikofaktor werden.

Wärmepumpen drohen im Berliner Stromausfall zum Risikofaktor zu werden: Leitungen können platzen, Geräte zerstört und dadurch auch Kühlmittel freigesetzt werden. Hier handelt es sich oft um Gas – und das könnte zu Explosionen führen, warnen Experten.

von Günther Strauß

Der Stromausfall in Berlin könnte verheerende Folgen für Wärmepumpen-Nutzer haben. Dass Wasserleitungen zufrieren könnten, war schon in den vergangenen Tagen problematisiert worden. Doch vor allem bei sogenannten Monoblock-Wärmepumpen, die sich samt Verdichter und Wärmetauscher im Freien befinden, gibt es aufgrund der anhaltenden Kältewelle sogar Explosionsgefahr.

Aktuellen Wettervorhersagen zufolge erwartet Berlin in den kommenden Tagen Minusgrade im zweistelligen Bereich. Darauf sind Monoblock-Wärmepumpen im Fall eines Stromausfalls nicht vorbereitet. Denn: Durch Leitungen zirkuliert Wasser zwischen Wärmetauscher und Heizkörpern im Haus und kann dabei auch durch überirdische Leitungen verlaufen. Im Normalbetrieb ist das aufgrund der Umwälzung des Wassers und eines vorhandenen Heizstabs kein Problem – doch beides fällt im Falle eines Stromausfalls eben aus.

Und so könnten die Leitungen zufrieren, sich ausdehnen und die Rohre platzen. So könnte ein irreparabler Schaden entstehen – bei zweiteiligen Wärmepumpen übrigens nicht, weil der Wärmetausch hier im Gebäude stattfindet. Bei Monoblock-Geräten können aber nicht nur geplatzte Leitungen zum Problem werden: Viele Wärmepumpen nutzen das Kältemittel R290. Durch Lecks könnte dieses Propangas über den Heizkreislauf ins Haus austreten. „Da wäre dann natürlich Explosionsgefahr“, sagte Diplom-Ingenieur Hans-Peter Höcker auf dem YouTube-Kanal der Höcker Wärmepumpen GmbH bereits im Sommer 2024.

Dafür bedarf es zwar auch einer Zündquelle, die Gefahr ist aber da. Auch der Sachverständige für Bau- und Immobilienangelegenheiten André Habedank warnte gegenüber Nius: „Wenn der Wärmetauscher kaputtgeht, hat das Kältemittel direkten Zugang zum Brauchwasser oder zum Heizwasser und kann so über defekte Leitungen oder undichte Ventile in das Haus eindringen.“ Auch Fußbodenheizungen würden dann eine Gefahr darstellen.

Ob es bereits zu Schadensfällen kam und wie weit die Wärmepumpe im Bezirk Steglitz-Zehlendorf verbreitet ist, ist nicht bekannt. Die vom Stromausfall infolge eines mutmaßlich linksextremistischen Anschlags auf eine Kabelbrücke betroffenen Stadtteile Nikolassee, Wannsee, Zehlendorf und Lichterfelde gelten überwiegend als wohlhabendere Viertel. Hier stehen viele Einfamilienhäuser, die Wärmepumpe könnte also durchaus breite Anwendung finden.

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Eine Schätzung der Berliner Heizungsinnung hat gezeigt, dass es sich bei etwa 80 Prozent der in Berlin verkauften Wärmepumpen um Monoblock-Geräte handelt. Der Wärmepumpenanteil unterscheidet sich je nach Erhebung, deutschlandweit liegt er etwa bei fünf Prozent. Wendet man diesen Durchschnitt bei den noch verbleibenden 30.000 Haushalten, die in Steglitz-Zehlendorf noch bis Donnerstag ohne Strom sind, an, so besteht immerhin bei etwa 1.200 Haushalten die Gefahr, dass Rohre platzen und Gas austritt, wenn dieses als Kühlmittel zum Einsatz kam.

Das Fachportal IKZ Select hatte bereits im vergangenen Jahr auf die Gefahren für Wärmepumpen bei tiefen Temperaturen aufmerksam gemacht und unter anderem eine 200-Prozent-Dämmung empfohlen. Doch davon würde oftmals abgesehen, denn: „Die Leitungen würden nicht nur sehr große Mauerdurchbrüche von 40 bzw. 50 Zentimetern in der Hauswand erfordern, sondern wären bei den oftmals sehr engen räumlichen Bedingungen auch unmöglich zu installieren.“

Außerdem gingen die Experten nicht davon aus, dass die zusätzliche Dämmung den in Berlin erwarteten Minusgraden eine Woche lang standhalten könnte – somit bestünde die Gefahr ohnehin. Was wirklich hilft, sind Auslassventile, um die notwendige Menge des Heizwassers abzulassen und so den Druck von den Leitungen zu nehmen. Werden diese im Innenbereich angebracht – um einen zu hohen Energieverlust zu vermeiden, denn die Ventile sind nicht gedämmt –, könnte im Falle eines Stromausfalls Wasser abgelassen und die Funktionstüchtigkeit des Geräts gewahrt werden.

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