Deutschland

Migranten helfen: CDUler will soziales Jahr für Deutsche

Migranten helfen: CDUler will soziales Jahr für Deutsche
Deutsche sollen ins Ausland, um dort Migranten besser kennenlernen.

Es klingt wie ein schlechter Scherz: Die CDU möchte, dass junge Deutsche ein soziales Jahr im Ausland absolvieren, um Migranten besser kennenzulernen. Wie bitte? Warum integrieren sich nicht diejenigen, die zu uns kommen?

von Michael Brück

Nein, das ist kein Scherz: Martin Patzelt, ehemaliger Bundestagsabgeordneter der CDU und früherer Bürgermeister von Frankfurt an der Oder, schlägt vor, dass junge Deutsche ein Jahr in die Herkunftsregionen von Asylbewerbern, etwa in den Nahen Osten oder nach Nordafrika, reisen sollen, um ein Verständnis für die dortige Kultur zu entwickeln. Und nachvollziehen zu können, weshalb diese Menschen in die Bundesrepublik strömen.

Patzelt kritisiert die (symbolischen) Grenzkontrollen seines CDU-Innenministers Alexander Dobrindt scharf und plädiert für offene Grenze. Positionen, die kaum von den Grünen zu unterscheiden sind. Ganz abgesehen von der Forderung, unsere Jugend quer über den Globus zu schicken, um „Verständnis für das Problem zu erzeugen“. Nein, das Problem sehen junge Menschen durchaus, nämlich tagtäglich in ihren Schulen, Freibädern oder Innenstädten.

Eine absurde Verdrehung

Es ist einmal mehr eine absurde Verdrehung: Warum fordert der CDU-Politiker nicht, dass sich Migranten, die in Deutschland leben, integrieren und ein Verständnis für die schon länger hier lebende Bevölkerung entwickeln? Nein, stattdessen sollen junge Menschen, die gezwungenermaßen im merkelschen Einwanderungsstaat leben und die Folgen der 2015ner-Masseneinwanderung ausbaden, auch noch quer durch die Welt reisen, um ein Verständnis für die anhaltende Asylflut aufzubringen. Ganz abgesehen davon, dass sich dieser Vorschlag zu einem Eigentor entwickeln dürfte.

Tatsächlich dürfte derjenige, der sich die Lebensumstände im Nahen Osten oder Nordafrika anschaut, jedoch schnell erkennen, dass eine massenhafte Einwanderung von Menschen aus einem solch unterschiedlichen Kulturkreis zu neuen Konflikten führt. Und auch das Verständnis der Einheimischen für Landsmänner, die sich von ihren Familien entfernen, diese oft regelrecht im Stich lassen, um das vermeintlich gelobte Land in Mitteleuropa zu erreichen, hält sich regelmäßig in engen Grenzen. So gesehen schadet eine kulturelle Bildungsreise sicherlich nicht – ganz im Gegensatz zu den dreisten Forderungen eines Herrn Patzelt, dem der Migrationsanteil in der Bundesrepublik offenbar noch nicht hoch genug ist.

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