Welch eine schallende Ohrfeige für die SPD auch in München! Oberbürgermeister Dieter Reiter wird aus dem Amt gefegt, ein 35-jähriger Grüner aus der Schwulenszene übernimmt. Nun also Sodom und Gomorra an der Isar!
von Michael Münch
Da steht sie nun, die bayerische Landeshauptstadt, gestriegelt und geschniegelt. “Geschniegelt gewesen”, müsste man treffender sagen, denn München blickt in den Spiegel und erblickt plötzlich nicht mehr sich selbst, sondern eine leicht verspätete Kopie von Berlin. Arm vielleicht noch nicht, über sexy lässt sich streiten – aber bunt, das bekommt man hin. Und zwar mit einer Entschlossenheit, wie man sie sonst nur aus ideologisch gut durchtemperierten Großstädten kennt. Nach über vier Jahrzehnten SPD-Verwaltung verabschiedet sich der alte Rathausstil nicht etwa mit Grandezza, sondern mit Krankenschein. Dieter Reiter meldet sich ab, löscht alle seine Kanäle und hinterlässt den Schreibtisch so leer wie die politische Batterie nach einer krachenden Wahlniederlage. Man könnte fast meinen, Rücktritt sei gestern – heute heißt es: Unsichtbar werden und das Kapitel einfach auslaufen lassen, eine Art politisches Verdampfen im Verwaltungsnebel.
Währenddessen tritt mit dem grünen Dominik Krause eine neue Generation an: Jung, urban, linksgrün durchsozialisiert – aber entgegen eigenem Bekunden nicht modern und zukunftsorientiert, sondern ideologietriefend und ganz in den moralisch aufgeladenen, identitätspolitischen Diskursen der Gegenwart verhaftet. Und offenbar mit einem eher distanzierten Verhältnis zu Traditionen und Brauchtum – und damit jenem Ereignis, das München weltweit als Hochburg der volkstümlichen deutschen Gemütlichkeit definiert: dem Oktoberfest. Wenn dieses nun plötzlich als “größte Drogenveranstaltung der Welt” beschrieben wird, weiß man nicht, ob der durchschnittliche gemeine Ur-Bayer sein Weißbier abstellt, es sicherheitshalber noch einmal nachfüllt oder daran verschluckt.
München “erfindet” sich neu
Man stelle sich die Szenerie vor: Der Stammtisch, jahrzehntelang Bollwerk aus Hopfen, Bodenständigkeit und grantiger Gelassenheit, blickt irritiert auf eine Stadt, die sich neu erfindet. Aber nicht aus sich selbst heraus, sondern entlang eines bereits bekannten Drehbuchs – nämlich dem der superwoken grünen Transformation. Vom Maßkrug zur Mateflasche ist es eben kein beliebiger zeitgeistiger Sprung, sondern ein politisches Programm. Und das gilt auch für die “sichtbaren Lebensentwürfe” im queer-bunten Narrenschiff dieser Republik, das München als weiteren grünen Heimathafen willkommen heißt. Natürlich hat niemand ein Problem damit, dass der neue Oberbürgermeister offen schwul oder sonstwie lebt, wie immer er nunmal lebt; das ist in einer freien Gesellschaft so selbstverständlich wie das Bier auf der Wiesn und es interessiert eigentlich auch niemanden. Doch dann sollte man seine politische Botschaft auch nicht darauf reduzieren. Doch von Krauses Wahl bleibt genau dieses wohlinszenierte Bild haften: Der schwule Mundkuss auf offener Bühne.
Wenn Identität zunehmend Politik ersetzt, einheimische Gepflogenheit geradezu krampfhaft konterkariert werden und bayrische Kultur plötzlich zur Verhandlungsmasse gemacht wird, dann beginnt es interessant zu werden – nicht notwendigerweise im Sinne eines Anlasses zur Empörung, sondern es mutet eher schon fast kabarettistisch an. Denn was folgt als Nächstes? Das Oktoberfest als pädagogisch betreuter Begegnungsraum mit Awareness-Team statt Bedienung? Der Trachtenjanker als optionales Relikt mit
Diversity-Hinweis?
Von “mia san mia” zum grünen Shithole?
Und irgendwo zwischen Isar und Gärtnerplatz entsteht dann vielleicht die Vision einer Stadt, die künftig alles sein will – außer dem, was sie einst groß gemacht hat. Parallel lohnt ein kurzer Seitenblick auf Markus Söder, dessen Gesichtsausdruck nach solchen Wahlergebnissen vermutlich eine Mischung aus Verwunderung und stiller Inventur ist. Denn während München politisch kippt, verliert die CSU nicht nur symbolisch an Boden, sondern ganz real – in Ämtern, Landräten und Einflusszonen, was den strukturellen Wandel erst so richtig sichtbar macht.
Und so bleibt am Ende ein Bild, das sich kaum trefflicher animieren oder zeichnen ließe: München, einst Inbegriff von bayerischer Eigenart und “mia san mia-”Selbstbewusstsein, öffnet sich mit erstaunlichem Tempo eine urbanen Selbstversuch der linksgrünen Neuerfindung mit gleichwohl keineswegs ungewissem Ausgang – denn man weiß, was einem blüht, weil bekannteste Vorbilder bereits existieren. Berlin, Hannover, Hamburg und andere Städte der Vielfaltsbereicherung grüßen von der Top-Ten der No-Go-Areas und Shitholes der Republik. Aber München meint, man sei anders. Ob unter dem neuen grünen OB Krause wirklich ein neues Erfolgsmodell entsteht oder lediglich eine Kopie der Spree, aber mit Alpenblick, wird sich zeigen. Auch wenn die Maß noch zünftig auf dem Tisch steht; Künftig wird sie verhalten, leiser eingeschenkt werden.

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