Im Sexualkunde-Unterricht sollen Gymnasiasten im Städtchen Kevelaer in Nordrhein-Westfalen ein fiktives Bordell entwerfen – inklusive Liste aller sexuellen Vorlieben. Die Kinder sind höchstens 14 Jahre alt. Die Rektorin verteidigt die Aktion. Sie halte sich nur an den offiziellen Lehrplan.
von Alexander Heiden
Ein „Freudenhaus der sexuellen Lebenslust“ zu gestalten, das ist eine Aufgabe für Architekten und für Inneneinrichter und vielleicht noch für Zuhälter. Könnte man denken. Falsch gedacht!
Denn vor genau dieser Aufgabe stehen jetzt die Schüler der 8. Klasse im Kardinal-von-Galen-Gymnasium im nordrhein-westfälischen Kevelaer. Die 13- bis 14-jährigen Kinder sollen im Sexualkunde-Unterricht einen „Puff für alle“ planen.
Detailliertes Aufgabenheft
Konkret soll ein existierendes Bordell modernisiert werden. Dabei dürfen die Kinder den bestehenden Grundriss aus Keller, Erdgeschoss und Obergeschoss nicht verändern. Auf drei Seiten werden die Schüler mit vielen unglaublichen Fragen zu dem Projekt getriezt:
• „Welches inhaltliche Angebot muss der neue Puff für alle bereithalten?“ Tja… Sex womöglich?
• „Für welche Personengruppen braucht es welche Voraussetzungen, damit sie in den Puff gelangen können?“ Hier geht es wohl darum, das Bordell barrierefrei zu planen.
• „Wie muss der Puff von außen gestaltet sein, damit er von allen möglichen Menschen aufgesucht werden kann und aufgesucht werden möchte?“ Ein Konzept für die Außenwerbung gehört also auch zur Aufgabe.
• Wer muss in diesem neuen Puff arbeiten? Hm, mal überlegen… Prostituierte vielleicht?
• „Welche Fähig- und Fertigkeiten brauchen die dort Arbeitenden, damit alle möglichen Menschen bedient und zufriedengestellt werden können?“ Wie kommt ein erwachsener Mensch darauf, dass Achtklässler das wissen könnten? Und warum sollten sie das schon wissen?
Irritierend bis empörend ist vor allem diese Frage:
„Welche sexuellen Vorlieben müssen in den Räumen wie bedient und wie angesprochen werden?“
Wir reden hier von höchstens 14-jährigen Kindern. Manche von ihnen sind, statistisch gesehen, noch nicht einmal in der Pubertät. Von diesen heranwachsenden Menschen verlangt das Gymnasium nun eine Liste aller möglichen Sexualpraktiken.
Ja, geht’s noch?!
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