Wenn man die Befragungen zur Jugendsexualität betrachtet, fand sie 2025 in einem anderen Land statt als 2009. Die Unterschiede erklären sich vor allem durch eine Information, die die Studie von 2026 unterschlägt – gesonderte Daten zu Jugendlichen mit Migrationshintergrund.
con Manfred Ulex
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, früher einmal als Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bekannt, hat die 10. Befragung seiner Studie zur Jugendsexualität veröffentlicht. Dabei scheinen einige der Werte ein Rätsel – außer, man greift auf ältere Wellen dieser Befragung zurück, die bereits seit 1980 stattfindet.
Zwischen Februar und Juli vergangenen Jahres wurden bundesweit 3.514 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren sowie 2.341 junge Erwachsene von 18 bis 25 Jahren zu ihrer Sexualität befragt. Davon bezeichneten sich 3.556 Teilnehmer als weiblich, 2.256 als männlich und 43 als divers. 5.314 Befragte erklärten, sie seien heterosexuell, 418 Befragte homosexuell oder bisexuell, und 124 sagten etwas anderes oder nichts. Die Befragung dauerte jeweils etwa 35 Minuten; die Stichprobe ist bezüglich Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund nicht proportional, was einige der Ergebnisse vermutlich verzerrt.
Das beginnt mit der Meldung, die die Schlagzeilen beherrscht: “Jugendliche haben immer später Sex”, titelt beispielsweise die Bild. Nur noch 23 Prozent der 16-jährigen hätten bereits Geschlechtsverkehr gehabt; in der Umfrage des Jahres 2019 waren es noch 34 Prozent. In der Befragung 2010 waren es noch 50 Prozent der Mädchen und 34 Prozent der Jungen gewesen, die in diesem Alter bereits sexuelle Erfahrungen hatten. Die aktuellen Werte entsprechen eher jenen, die vor fünfzig Jahren üblich waren.
Der Grund dafür lässt sich noch in der Studie des Jahres 2010 entschlüsseln – dort wurde zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund unterschieden. Bei den Mädchen mit Migrationshintergrund lag damals das Alter beim “ersten Mal” deutlich höher; während 66 Prozent der unter 17-jährigen Deutschen schon sexuell aktiv waren, waren es bei den Mädchen mit Migrationshintergrund nur 53 Prozent. Im Jahr 2005 war die Differenz noch höher: 73 Prozent bei den Deutschen, aber nur 55 bei den Mädchen mit Migrationshintergrund. Die Angleichung dürfte mit rechtlichen Veränderungen bei der Staatsangehörigkeit und weniger mit Veränderungen im Verhalten zu tun haben. Eine echte Angleichung findet sich eher beim Verhütungsverhalten; 2010 verhüteten Jugendliche mit Migrationshintergrund deutlich weniger.
Interessant ist, dass damals bei den Deutschen die Mädchen früher sexuelle Erfahrungen machten als die Jungen, während bei den Jungen mit Migrationshintergrund 72 Prozent der unter 17-Jährigen bereits aktiv waren.
Dass inzwischen nur noch 40 Prozent der 17-jährigen das “erste Mal” bereits erlebt haben











