Das Deutsche Reich erlangte seine Kolonien im Gegensatz zu anderen europäischen Mächten nicht durch militärische Gewalt, sondern durch Verträge. Dies fand selbst bei dem SPD-Vorsitzenden August Bebel Unterstützung.
von Philippe Jordan
Es sollte für einen redlichen Menschen selbstverständlich sein, historische Geschehnisse aus der Sicht der jeweiligen Epoche zu betrachten und nicht mit Wertvorstellungen, Begriffen oder auch Vorurteilen der Gegenwart zu messen. Dass eine solche Herangehensweise heute nicht mehr angesagt ist, da die Geschichtswissenschaft in den letzten Jahrzehnten politisiert und ideologisiert worden ist, trifft das Thema der deutschen Kolonialpolitik ganz besonders und verunmöglicht damit zunehmend eine objektive Darstellung.
Demografische Ausgangslage
Um sich eine Vorstellung über die damaligen demografischen Verhältnisse in den einzelnen deutschen Schutzgebieten machen zu können, sind die entsprechenden Bevölkerungszahlen kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges von Bedeutung. Einige der nachfolgenden Zahlen beruhen allerdings auf Schätzungen.
Deutsch-Ostafrika: 7,64 bis 7,75 Millionen Einwohner, davon 5.300 Weiße; manche Quellen sprechen von knapp 15.000, davon 4.100 Deutsche. Deutsch-Südwestafrika: 180.000 bis 260.000 Einwohner, davon 14.800 Weiße, darunter 12.300 Deutsche. Kamerun: 2,65 bis 3,85 Millionen Einwohner, davon 1.870 Weiße, darunter 1.650 Deutsche. Togo: eine Million Einwohner, davon 370 Weiße, darunter 320 Deutsche. Neuguinea (Kaiser-Wilhelm-Land) mit Bismarck-Archipel sowie Karolinen, Palau-, Salomon-, Marianen- und Marshall-Inseln: 370.000 bis 600.000 Einwohner, davon 970 Weiße, darunter 750 Deutsche. Samoa: 30.000 bis 40.000 Einwohner, davon 550 Weiße, darunter 330 Deutsche und schließlich Kiautschou: 190.000 Einwohner, davon 4.500 Weiße, darunter 4.300 Deutsche.










