Hintergründe

Die Geheimdienst-Nazis

Die Geheimdienst-Nazis
Neonazi-Führer Michael Kühnen (M.). In seinem Umfeld tummelten sich V-Männer der Inlandsgeheimdienstes.

Wird irgendwo der Hitlergruß in Deutschland gezeigt, besonders übel gehetzt, zu Gewalt angestachelt oder Sprengstoff gehortet, sind meistens Mitarbeiter und V-Männer des Verfassungsschutzes nicht weit. 

von Daniell Pföhringer

In den Jahren nach der Wende hatten Fernsehreportagen über Neonazis Hochkonjunktur. Für eine Kiste Bier oder 50 Mark hob so mancher Skinhead vor der Kamera den rechten Arm, Jugendliche marschierten im Braunhemd durch die Straßen, die Brandanschläge von Mölln und Solingen erschütterten die Öffentlichkeit. Hinzu kamen Wahlerfolge der Republikaner und der DVU. Die großen Politmagazine hatten also genügend Material, um das Heraufdämmern eines Vierten Reiches an die Wand zu malen.

Thüringer Panoptikum

Den Grusel vor Hitlers Enkeln kitzelte vor allem ein Beitrag, der am 20. September 1992 von Spiegel  TV  ausgestrahlt wurde: Auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz der NVA nahe Erfurt hatte sich eine Gruppe zumeist vermummter Gestalten versammelt, um, wie es heiß, «den Sturm auf ein Asylbewerberheim» zu üben. Vermeintliche Waffen und Sprengstoff wurden präsentiert, als Anführer des Trupps wurde ein gewisser Thomas Dienel vorgestellt.

Der damals 31-Jährige war für die Zuschauer von Spiegel  TV kein Unbekannter: In einer anderen Reportage hatte der vormalige NPD-Mann, der nun Vorsitzender einer ominösen Deutsch-Nationalen Partei (DNP) war, vor Anhängern gegrölt: