Wenn Gewinn zu machen ist, dann hat der Kapitalismus kein politisches Gewissen und kann mit jeder Ideologie – von Demokratien bis hin zu totalitären Tyranneien – zusammenarbeiten. Diese Ansicht wurde zuletzt von der französischen Anthropologin Florence Bergeaud-Blackler in ihrem Buch “Le marché halal ou l’invention d’une tradition” (“Der Halal-Markt oder die Erfindung einer Tradition”) dargelegt.
Bergeaud-Blackler behauptet in ihrem Buch, dass “Halal”-Essen (Lebensmittel, die im Islam aus religiösen Gründen erlaubt sind) erst “kürzlich erfunden” worden sind als Markenbegriff und als potenzieller kommerzieller Markt, in einer Absprache zwischen iranischen Fundamentalisten und multinationalen Nahrungsmittelkonzernen. In einem Interview mit der französischen Tageszeitung Liberation sagte sie:
“Ich spreche von der Erfindung des “Halal-Marktes” in dem Sinne, dass es sich nicht um eine alte Tradition handelt, die aus muslimischen Ländern importiert wurde. Der Halal-Markt existierte niemals in der muslimischen Welt, bis das “Big Business” der Nahrungsmittelindustrie ihn erschuf und exportierte. Die Halal-Konvention wurde in den 70er und 80er Jahren geboren. Zu dieser Zeit triumphierten zwei Ideologien auf der internationalen Bühne: einerseits der muslimische Fundamentalismus, darunter die Proklamation der Islamischen Republik im Iran 1979 und andererseits der Neo-Liberalismus mit Thatcher und Reagan. Diese Konvergenz, ungeplant und unerwartet, ermöglichte es diesen beiden Ideologien, zusammenzuarbeiten, um ein Halal-Nahrungsmittel-Industrieprotokoll zu etablieren.”
Nach Bergeaud-Blackler war das Halal-Essen seit Jahrhunderten in den muslimischen Ländern auf das Verbot von Schweinefleisch reduziert gewesen. Alle Lebensmittel, mit Ausnahme von Schweinefleisch, die sowohl lokal – als auch nicht lokal von “Menschen des Buches” (Christen und Juden) – produziert wurden, galten als Halal. Aber nach der iranischen Revolution im Jahre 1979 wurde Halal ein fundamentalistisches Nahrungsnotwendigkeitsgebot, das durch wirtschaftliche Interessen geheiligt wurde. In den 1970er Jahren fanden der Iran und Saudi-Arabien, die in einem Konkurrenzkampf befanden, ihre Vorstellung des Islam auf der ganzen Welt zu verbreiten, nützliche Hilfe von multinationalen Konzernen wie Nestlé










