Privater Moskau-Besuch oder stille Diplomatie? Gerhard Schröder wurde in der russischen Hauptstadt gesichtet – kurz vor dem Wirtschaftsforum in St. Petersburg (SPIEF).
Altkanzler Gerhard Schröder hält sich derzeit in Moskau auf. Journalisten haben den 82-jährigen früheren SPD-Bundeskanzler im Hotel Baltschug Kempinski gesehen zu haben. Auf Fragen habe Schröder nicht geantwortet.
Mögliche Gründe für die Reise
Offiziell bestätigt ist der Besuch nicht, und ein Reisegrund wurde bisher nicht genannt. Zwei Szenarien liegen nahe: Zum einen beginnt am 3. Juni in St. Petersburg das renommierte St. Petersburger Internationale Wirtschaftsforum (SPIEF), das bis zum 6. Juni dauert. Das Forum ist eines der bedeutendsten Wirtschaftstreffen Russlands und zieht regelmäßig internationale Gäste an – Schröder wäre dort kein unbekanntes Gesicht.
Zum anderen spekulieren Beobachter, ob der Besuch mit dem Vorstoß des russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammenhängen könnte, der Schröder zuletzt als möglichen Vermittler im Ukraine-Krieg ins Gespräch gebracht hatte.
Putin brachte Schröder als Gesprächspartner ins Spiel
Am Rande der Militärparade zum Tag des Sieges am 9. Mai hatte Putin auf Nachfragen von Journalisten erklärt, Schröder sei für ihn der bevorzugte Ansprechpartner auf europäischer Seite für mögliche Verhandlungen zwischen Russland und der Europäischen Union. Der russische Präsident betonte zugleich, Moskau sei grundsätzlich gesprächsbereit und habe Verhandlungen nie von sich aus abgelehnt.
Die Bundesregierung lehnte eine Vermittlerrolle des Altkanzlers jedoch ab. Auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas äußerte sich ablehnend: Schröders Vergangenheit als Lobbyist für russische Staatskonzerne mache deutlich, warum Putin ausgerechnet ihn vorschlage – der frühere Kanzler würde damit gewissermaßen auf beiden Seiten des Verhandlungstisches sitzen, so Kallas.
Schröder selbst hatte sich zuletzt in einem Gastbeitrag für die Berliner Zeitung zu Wort gemeldet, für eine Wiederaufnahme von Energielieferungen aus Russland plädiert und vor einer dauerhaften Dämonisierung des Landes gewarnt. Der frühere Regierungschef hatte bereits 2022 versucht, in Moskau vermittelnd tätig zu werden.

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