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Die NATO beginnt zu bröckeln

Die NATO beginnt zu bröckeln
Auflösungserscheinungen: Militärbündnis NATO

Das französische Parlament wird über einen Austritt aus der NATO abstimmen Zeitgleich arbeitet die Türkei an einer „islamischen NATO“, Verhandlungen dazu sollen bereits weit fortgeschritten sein.

von Thomas Oysmüller

Der interne Dissens innerhalb der NATO ist nur noch schwer von der Hand zu weisen: Die USA stehen mit der EU-NATO aufgrund Grönlands im Konflikt. Zugleich sieht man die EU nicht als stabilen Partner, weder ideologisch noch militärisch oder wirtschaftlich. Die aktuelle geopolitische Umwälzung bringt deutliche Risse in der NATO. Das sieht man aktuell in Frankreich, Dänemark und dem nach den USA zweitgrößten NATO-Militär, der Türkei.

Die dänische Ministerpräsidentin erklärte zuletzt, dass ein US-Angriff auf Grönland und damit auf ein NATO-Land das Ende der westlichen Militärallianz bedeuten würde. Den US-Angriff auf Deutschland, durch den Angriff auf Nord Stream, konnte man überwinden. Damals waren auch die Demokraten im Weißen Haus, die Brüssel als Verbündeten betrachteten, anders als die aktuell regierenden Republikaner. Die Risse werden aber deutlicher.

Clémence Guetté, Vize-Präsidentin der französischen Nationalversammlung und Abgeordnete der linken Partei La France Insoumise (LFI), hat am 9. Januar 2026 eine Resolution eingereicht, die den geplanten Ausstieg Frankreichs aus der NATO fordert. Der Vorschlag beginnt mit dem Rückzug aus dem integrierten Kommando der Allianz. Guetté begründet dies mit den „aggressiven“ Politiken der USA unter Präsident Donald Trump, die sie als Bedrohung für die französische Souveränität sieht. „Die USA entführen einen Staatschef – das zeigt, dass die NATO nicht mehr unseren Interessen dient“, heißt es in der Erklärung.

Obwohl die Resolution symbolisch ist – Außenpolitik liegt in Frankreich primär beim Präsidenten –, signalisiert sie dennoch eine Bewegung. LFI kritisiert die NATO seit langem als Instrument US-amerikanischer Hegemonie. Le Pens Partei ist zurückhaltend, von rechts will die Patrioten-Partei von Florian Philippot einen umgehenden NATO- und EU-Austritt. Druck von Links und Rechts könnte die Debatte eskalieren lassen, vor allem weil Washington keine Anstalten macht, von der neuen Linie abzurücken.

Parallel dazu bröckelt die NATO auch im Osten. Die Türkei, größte Streitmacht der NATO nach den USA, strebt den Beitritt zu einer neuen Verteidigungsallianz zwischen Saudi-Arabien und Pakistan an. Das Abkommen, im September 2025 zwischen Riad und Islamabad unterzeichnet, sieht vor, dass ein Angriff auf ein Mitglied als Angriff auf alle gilt – ähnlich dem NATO-Artikel 5. Pakistan bringt nukleare Kapazitäten ein, Saudi-Arabien finanzielle Ressourcen. Nun soll die Türkei als dritter Partner die militärische Technologie und Stärke beitragen.

Bloomberg berichtet, dass Verhandlungen fortgeschritten sind und die Allianz als „Islamische NATO“ diskutiert wird. Ein solcher Schritt würde den Nahen Osten zweifellos verändern, ebenso wie die islamische Welt selbst, in der verschiedene Mächte um Vorherrschaft konkurrieren. Doch ein solcher Schritt könnte die Türkei massiv in Konflikt mit der NATO bringen. Beobachter sehen Potenzial für eine Spaltung der Allianz durch die Orientierung der Türkei Richtung Osten.

Die geopolitischen Umbrüche und die Entwicklung der sogenannten „multipolaren Weltordnung“ könnten auch das Ende der NATO bringen. Offiziell gibt die Allianz Einigkeit vor, doch diese gibt es schon längst nicht mehr. Die EU bereitet sich durch die Entmachtung der Nationalstaaten auf der Ebene des Militärs allerdings darauf vor – um eine EU-NATO zu formen – mit EU-Armee, kontrolliert in Brüssel und ohne jeglichen Einfluss der Nationalstaaten.

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