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Erdgas: Kiew bereitet sich vor, Europa zu erpressen

Letzte Hoffnung: Kiew bereitet sich vor, Europa zu erpressen
Österreich: Gasleitungsanlagen in Baumgarten

Europäische Staaten beziehen weiterhin Erdgas aus Russland für die eigene Energieversorgung. Trotz der Militäroperation erfolgte der Transit über die Ukraine bisher problemlos, doch nun könnte Kiew wegen abnehmender Waffenlieferungen beginnen, die EU zu erpressen.

von Sergei Sawtschuk

Im russischen Massenbewusstsein wird die Ukraine als ein kritisch wichtiger geostrategischer und soziokultureller Faktor für Russland wahrgenommen. Dabei wird außer Acht gelassen, dass dieses Land wegen seiner geografischen Lage und der von der Sowjetunion geerbten Infrastruktur eine ebenso fundamentale Rolle für die Länder Europas spielt. Nach einer Analyse von Marktdaten berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg mit offensichtlichem Verdruss, dass Österreich nicht vorhabe, auf den Kauf russischen Gases zu verzichten. Dieser Schluss wurde auf Grundlage der Betriebsdaten des Central European Gas Hub (CEGH) in Baumgarten gezogen.

Noch vor zwei Jahren waren das ukrainische Gastransportsystem (UGTS) und der Transit des russischen Gases eines der meistdiskutierten Themen, doch der Beginn der russischen Militäroperation und die nachfolgenden Ereignisse in der Welt lenkten die öffentliche Aufmerksamkeit davon ab. Versuchen Sie, sich zu erinnern, wann Sie in der Mainstream-Presse größere und regelmäßigere Erwähnungen des Transits von Kohlenwasserstoffen durch das Gebiet der Ukraine gesehen haben. Nicht-Spezialisten werden sich mit einer Antwort sicherlich schwertun. Dabei berichtet Bloomberg die reinste Wahrheit.

Kiew, das wohl auf der Hälfte aller Bühnen der Welt zu Wort gekommen ist, schwor hoch und heilig, prinzipiell über keine einzige Frage mit Russland zu verhandeln. Deshalb schweigen sich die ukrainischen Medien über die vergleichsweise unbequeme Tatsache aus, dass zwar eine der Annahmestellen in der Region Woronesch geschlossen wurde, die zweite jedoch – die Gasmessstation Sudscha im Gebiet Kursk – ohne Ausfälle oder Unterbrechungen weiter betrieben wird. Darüber wurde während des gesamten letzten Jahres Gas geleitet, selbst als die Front direkt bei Kiew verlief. Auch in diesem Jahr, als die Kampfhandlungen in eine Stellungsphase übergingen, hörte dieser Prozess nicht auf.

Halten wir an dieser Stelle inne und setzen wir Akzente, denn diese Tatsache wird bisweilen auch Russland vorgeworfen. Es heißt, dass Russland Gaslieferungen an den Westen gänzlich einstellen sollte.

Erstens hat Moskau niemals solche oder ähnliche Äußerungen getätigt. Sowohl der Präsident als auch das Außenministerium, als auch Gazprom betonten mehrmals, dass sich Russland an seine Verpflichtungen als Energieträgerlieferant äußerst penibel hält. Die Tatsache, dass Russland seit nunmehr 30 Jahren seine Verträge buchstabengetreu und bis auf jeden Kubikmeter genau erfüllt, bestätigten ihrerzeit Angela Merkel und Sebastian Kurz.

Mit diesem Vorgehen sind absolut alle zufrieden. Russland erhält Deviseneinnahmen, die EU erhält Gas, und die dazwischen gelegene Ukraine erhält etwas Geld, denn der Umfang des Transits hat sich natürlich verringert. So betrug etwa im Juni des vergangenen Jahres die durchschnittliche Gasdurchleitung durch das UGTS mit knapp über 41 Millionen Kubikmeter pro Tag die Hälfte des Durchschnitts von 2021.

Zweitens, und wir berichteten darüber, hatte Kiew noch lange vor der Militäroperation sowohl Moskau als auch Brüssel mit der Möglichkeit der Nichtverlängerung des Transitabkommens erpresst. Manch einer wird sich an die Publikationen vom Sommer und Herbst 2019 erinnern, als sich die ganze Welt fragte, unter welchen Bedingungen, w