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FBI-Videoanalyse: Wer besuchte Epstein in seiner Todesnacht?

FBI-Videoanalyse: Wer besuchte Epstein in seiner Todesnacht?
Ein Schatten vor Jeffrey Epsteins Zelle in der Nacht seines Todes: Mehrheit der US-Amerikaner misstraut der offiziellen Version der Geschichte.

Neu veröffentlichte Dokumente und Videos im Fall Jeffrey Epstein befeuern den Verdacht, dass Epstein durch Fremdeinwirkung gestorben sein könnte. Ghislaine Maxwell ist überzeugt, dass er gegen Geld getötet wurde.

von Collin McMahon

Neu veröffentlichte Dokumente im Fall Jeffrey Epstein befeuern den Verdacht, daß Epstein durch Fremdeinwirkung gestorben sein könnte. Ghislaine Maxwell ist überzeugt, daß er gegen Geld getötet wurde.

Der Tod des verurteilten Kinderschänders Jeffrey Epstein am 10. August 2019 in seiner Zelle des New Yorker Metropolitan Correctional Center (MCC) wirft immer noch Fragen auf. Schon 2019 hatte der Forensiker Dr. Michael Baden im Auftrag des Bruders Mark Epstein festgestellt, daß die Mehrfachbrüche an Epsteins Genick untypisch für einen Suizid waren. Weitere Ungereimtheiten wie die Tatsache, daß die Videokameras in der Zelle ausgefallen waren, die Wachen angeblich schliefen, die üblichen Kontrollen um drei und fünf Uhr morgens ausließen und die Zelle erst um 6:30 Uhr kontrollierten, warfen Rätsel auf.

„Epstein didn’t kill himself“ („Epstein hat sich nicht umgebracht“) wurde zum geflügelten Wort. Nach einer Umfrage des Economist vom 4. August 2025 glauben nur 16 Prozent der Amerikaner an einen Selbstmord, 50 Prozent an einen Mord.

Ein Video wirft Fragen auf

Nun heizen die drei Millionen Seiten der unlängst veröffentlichten Epstein-Akten die Spekulationen an. Sie beziehen sich auf ein Überwachungsvideo aus dem MCC-Gefängnis, das am 6. Juli 2025 vom US-Justizministerium veröffentlicht wurde und den Eingang zum Zellentrakt zwischen 19:40 Uhr und 6:40 Uhr in der Nacht vom 9. auf den 10. August 2019 zeigt. Das Video sorgte bei der Veröffentlichung schon für Fragen, da die letzte Minute vor Mitternacht fehlt. Justizministerin Pam Bondi erklärte bei einer Pressekonferenz mit Donald Trump im Weißen Haus am 8. Juli 2025, dies läge daran, daß die Videos jeden Tag um Mitternacht zurückgesetzt würden. Sonst bot das Video relativ wenig Aufschluß.

Ein nun im Rahmen der Epstein-Files veröffentlichtes Protokoll des Justizministeriums könnte dies ändern, wie der Daily Telegraph berichtet: Laut Analyse des FBI sei um 22:39 Uhr am 9. Juni 2019 auf dem Video „ein oranger Blitz“ zu sehen, der scheinbar die Treppe zu Epsteins Ebene „L“ hinaufgeht: „Könnte ein Häftling sein, der zu dieser Ebene hinaufbegleitet wurde.“

Der Generalinspekteur des Justizministeriums kam zu einer ähnlichen Bewertung: „Gegen 22.39 Uhr scheint ein nicht identifizierter Vollzugsbeamter die Treppe zur Ebene L hinaufzugehen und tauchte dann um 22.41 Uhr wieder in Sichtweite der Kamera auf.“ Die Häftlinge waren jedoch zu diesem Zeitpunkt im Lockdown, so der Generalinspekteur: Es sei möglich, „daß jemand Häftlingskleidung oder Bettwäsche trägt“. Die Häftlingskleidung im MCC ist orange.

Ein Mord kostet 25 US-Dollar

Als Epsteins Komplizin Ghislaine Maxwell, die wegen Kinderhandels zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde, vom 24 bis zum 25. Juli dieses Jahres zum ersten Mal ausführlich verhört wurde, sagte sie dem Stellvertretenden Justizminister Todd Blanche: „Ich glaube nicht, daß er (Epstein) Selbstmord begangen hat.“

Laut Maxwell sei es in US-Gefängnissen sehr einfach, einen Häftling zu finden, der einen Mord begeht. „Im Gefängnis, wo ich bin, töten sie dich oder bezahlen einen Häftling, dich für 25 Dollar zu töten. Das ist ungefähr der gängige Preis für einen Mordanschlag.“ Maxwell ist jedoch nicht der Ansicht, daß Epstein getötet wurde, um Reiche und Mächtige zu beschützten, sondern wegen einer internen Auseinandersetzung unter Häftlingen. Generell ist sie in ihren Aussagen sichtlich bemüht, niemanden anzuschwärzen oder zu belasten – womöglich, weil sie nicht das selbe Schicksal erleiden will wie Epstein.

Falsche Epstein-Bilder zirkulieren

Die aufsehenerregende Veröffentlichung der Epstein-Files heizt Spekulationen, Fakes und Verschwörungstheorien im Internet an. Der ehemalige MI6-Agent Christopher Steele, der 2016 im Auftrag der Clinton-Kampagne für das sogenannte „Steele-Dossier“ verantwortlich war und damit die „Russiagate“-Verschwörung gegen Donald Trump auslöste, warf in der Daily Mail die Theorie auf, Epstein habe in Wahrheit für den KGB und nicht etwa westliche Dienste gearbeitet.

Die Akte Epstein

Am 2. Februar dieses Jahres wurde ein Foto auf Reddit veröffentlich, das angeblich aktuell ein bärtigen Jeffrey Epstein flankiert von Bodyguards in Tel Aviv zeigt. Das Foto wurde jedoch schnell als sehr schlampig gemachtes KI-Fake entlarvt, da es ein Wasserzeichen von Google Gemini trägt und das Hebräische auf den angeblichen Straßenschildern keinen Sinn ergibt.

Es braucht ordentliche Gerichtsprozesse

Ein X-Nutzer namens „Pirate Nation“ sorgte mit einem Post für Aufsehen, nach dem Jeffrey Epsteins Videospiel-Konto „littlestjeff1“ immer noch aktiv sei und für das Spiel „Fortnite“ genutzt werde. Die Firma Epic Games dementiert jedoch: Nachdem Epsteins Gamer-Name durch die Veröffentlichung bekannt geworden sei, habe ein anderer Spieler dessen Namen angenommen, so die Computerspielfirma.

Endgültigen Aufschluß über die Causa Epstein werden vermutlich erst ordentliche Gerichtsprozesse gegen seine Komplizen geben. Inzwischen liegen wohl mehr als genug Indizien vor, um einen Anfangsverdacht für Strafermittlungen gegen die schlimmsten Epstein-Mittäter wie Andrew Mountbatten Windsor, Bill Gates oder Ehud Barak zu begründen.

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