Von vielen Missständen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat man schon gehört. Aber man neigt doch dazu, dies über den guten Sendungen und qualitätvollen Berichten, die es dort auch gibt, immer wieder zu vergessen. Die zusammenhängende Lektüre aller Beiträge im neuen Band zum „Schwarzbuch Staatsfunk“ wirkt in ihrer kompakten Wucht verstörend auf das Gemüt des Lesers.
von Thilo Sarrazin
„Schwarzbuch Staatsfunk“ enthält 40 Beiträge von 20 Autoren, darunter 16 Beiträge der beiden Herausgeber zu ganz unterschiedlichen Aspekten der Informationspolitik, der Organisation und der mentalen Verfasstheit des Öffentlich rechtlichen Rundfunks. Nachfolgend einige Beispiele:
- Harald Martenstein schildert seine Erfahrungen mit Zensur im ÖRR. Beiträge von ihm werden selektiv willkürlich abgelehnt, wenn sie gerade nicht in die politische Linie des jeweiligen Senders passen, und das Schema ist regelmäßig eine autoritäre linksgrüne Weltsicht.
- Josef Bayer beschreibt den sich über Jahrzehnte hinziehenden geistigen Niveauverlust des Bayerischen Rundfunks, der seinen Bildungsauftrag mehr und mehr verflacht, während gleichzeitig ideologische Komponenten, wie die strikte bis ins Absurde reichende Exekution einer „gendergerechten“ Sprache, fortlaufend zunehmen.
- Walter Krämer analysiert statistische Absurditäten der ÖRR-Berichterstattung. Es fehlt den Redakteuren häufig schlicht am ökonomisch-statistischen Fachwissen. Man weiß gar nicht genau, ob sie selber in die Fallen statistischer Scheinerkenntnisse stolpern oder diese gezielt für die Zuhörer oder Zuschauer aufstellen.
- Ulrich Vosgerau beschreibt anhand der Manipulationen rund um die Correctiv-Berichterstattung, wie die gezielte Unwahrheit politischen Zwecken untertan gemacht wird.
- Josef Kraus nimmt die Dreistigkeiten, Unwahrheiten und gezielten Desinformationen in Jan Böhmermanns Comedy-Show auseinander.
- Albrecht Schlicht schildert die gezielten Beschönigungen und einseitigen Schiefheiten des ÖRR bei Berichten über die islamischen Länder und die dortige Rolle der Religion.
- Dorota Wilke beschreibt, wie die junge Journalistin Julia Ruhs beim NDR trotz ihres Erfolgs beim Publikum durch einen Aufstand der Kollegen weggemobbt wurde, weil sie nicht links genug war.
- Josef Kraus analysiert am Beispiel des RBB Auswüchse von Misswirtschaft und Geldverschwendung, die bis in den Bereich der Untreue gehen.
Im Detail richtig, aber im Gesamtbild eben doch falsch unterrichtet
Die zusammenhängende Lektüre aller 40 Beiträge wirkt in ihrer kompakten Wucht verstörend auf das Gemüt des Lesers. Von vielem hat man schon gehört, hat darüber gelesen oder hat es beim gelegentlichen Fernsehkonsum selbst erfahren. Aber man neigt doch dazu, dies über den guten Sendungen und qualitätvollen Berichten, die es im ÖRR auch gibt, immer wieder zu vergessen.
Entscheidend ist der systemische Charakter der Propaganda, der man beim ÖRR über nahezu alle Sparten hinweg ausgesetzt ist. Diese erfolgt weniger durch das Verbreiten von falschen Fakten und gezielten Unwahrheiten – das sind Grenzfälle, die es auch gibt. Es erfolgt vor allem durch gezieltes Auswählen und Weglassen. So wird der wehrlose Zuschauer im Detail richtig, aber im Gesamtbild eben doch falsch unterrichtet. Man vergleiche nur in den Nachrichten von ARD und ZDF die Summe der Sendeminuten, die seit dem 7. Oktober 2023 dem Leid der bombardierten Palästinenser im Gazastreifen gewidmet ist, mit der Berichtsdauer und Berichtstiefe über den terroristischen Charakter der Hamas und die Ursachen des Konflikts.
In einer jahrzehntelangen historischen Entwicklung hat es sich ergeben, dass der politisch-moralische Filter, den der ÖRR über seine Betrachtung des Weltgeschehens und der Politik legt, immer enger und immer links-grüner geworden ist. Das Problem ist weniger die Gesinnung des einzelnen Journalisten. Das Problem ist, dass ein bestimmtes Gesinnungsspektrum dominiert und mit wachsender Intoleranz alles, was dazu nicht zu passen scheint, entweder ignoriert, oder, wo dies nicht gelingt, verteufelt und lächerlich zu machen versucht. Damit habe ich auch meine persönlichen Erfahrungen gemacht, die ich aber hier ausklammere.
Publizistische Gegenmacht aufbauen
Wie kann man das ändern? Realistischerweise funktioniert dies nicht, indem man auf die individuellen Ansichten der betreffenden Journalisten Einfluss zu nehmen versucht. Die meisten Menschen bleiben nämlich den Einstellungen treu, die sie in ihrer reiferen Jugend gewonnen haben, das gilt auch für prominente Journalisten. Damit sich die im ÖRR vertretenen Ansichten in der Breite ausdifferenzieren und ein weiteres Spektrum umfassen, müsste man das Personal umfangreich austauschen. Das ist kurzfristig unrealistisch und könnte nur in einem Jahrzehnte dauernden Prozess von oben erfolgen. Es ist andererseits dringend und langfristig geboten, wenn wir wollen, dass der ÖRR die Gesellschaft reflektiert anstatt sie zu bevormunden. Ob es in historisch überschaubaren Zeiträumen jemals zu solch einer inneren Reform des ÖRR von oben durch eine veränderte Einstellungspolitik und Beförderungspolitik kommen wird, wissen wir heute nicht.

Es wäre aber auch falsch, passiv darauf zu warten. Deshalb gilt es, wo immer dies möglich ist, publizistische Gegenmacht aufzubauen. Auf die traditionellen Printmedien kann man dabei leider kaum bauen. Zum einen unterscheiden sich deren linksgrüne Grundeinstellungen – etwa im Spiegel, der Zeit, der Süddeutschen Zeitung oder im Tagesspiegel – kaum von jenen des ÖRR. Zum anderen aber erleiden die traditionellen Printmedien gegenwärtig einen galoppierenden Bedeutungsverlust, der jenen des ÖRR noch übertrifft. Sie haben allesamt ihre Funktion als Gatekeeper verloren. Viele digitale Informationskanäle sind an ihre Stelle getreten, und auch die kombinierte Rolle von Angeboten wie Tichys Einblick, NIUS, Apollo oder – last not least – der Achse des Guten sollte man nicht unterschätzen.
So bleibt zu hoffen, dass der ÖRR so untergeht wie einst die Saurier: Nur ein paar Nilkrokodile und possierliche Echsen und Salamander sind von den furchterregenden Monstern übriggeblieben, die einst die Erde beherrscht haben. Nur wünsche ich, dass dies in historischer Zeit geschieht und nicht erst nach dem nächsten Meteoriteneinschlag. „Schwarzbuch Staatsfunk“ von Josef Kraus und Walter Krämer, LangenMüller Verlag 2026, hier bestellbar.

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