Die ARD-Moderatorin Anne Will bestieg am gestrigen Abend mit Angela Merkel einen neuen Gipfel in der Geschichte des Gefälligkeitsjournalismus. Sie präsentierte die eigene Kritiklosigkeit geradezu, machte der Kanzlerin unterwürfig mehrfach Komplimente. Nur eines wurde deutlich: Frau Will kennt keinen Journalismus mehr und Frau Merkel keine Bürger, beide kennen nur noch Lockdown-Untertanen.
von Ferdinand Knauss
Nach ihren Erfahrungen mit ihren vier Auftritten bei Anne Will wusste Angela Merkel, dass sie keine wirklich unangenehmen Fragen zu erwarten hat. Aber eine Eingangsfrage wie diese hätte sich vermutlich nicht einmal Regierungssprecher Steffen Seibert einfallen lassen, wenn er sie hätte vorschreiben dürfen: „Diese Woche haben Sie etwas Bemerkenswertes gemacht, für das Sie zu Recht großen, großen Respekt erfahren haben.“ Ja, Will hat das wirklich so gesagt: „… zu Recht großen, großen Respekt …“
Und dann, nach dem Einspieler von Merkels Auftritt am vergangenen Mittwoch mit dem Eingeständnis des Fehlers der Osterruhe und der Bitte um Verzeihung, fragt Will, wofür genau sich Merkel entschuldigt habe. Und Merkel, die dieses Lob huldvoll entgegennimmt, weiß natürlich, dass sie sich hier nicht etwa rechtfertigen und über wirkliche Fehler sprechen muss, und sagt: „Für die Verunsicherung.“
Nicht die Maßnahme an sich war also falsch und verzeihungsbedürftig, sondern nur die Verunsicherung, die daraus erwuchs. Im Gegenteil: Merkel sagt in den darauffolgenden Minuten mehrfach, dass eigentlich „mehr Maßnahmen“ notwendig wären.
Wenn man denn diesem Interview eine Bedeutung beimessen, aus ihm Schlüsse ziehen will, dann betreffen diese weniger den Gehalt der Aussagen, sondern eher die Inszenierung, die die Interviewerin hier mit der Kanzlerin – man sollte vielleicht präziser sagen: für die Kanzlerin – veranstaltet. Als Merkel etwa formuliert, die Länder sollten „nachlegen“, sonst müsse sie „überlegen“, ob „wir“ das Infektionsschutzgesetz noch „spezifizieren“, fragt Will – und scheint dabei hoffnungsfroh –, ob das nun heiße, dass Merkel „mehr Macht an sich ziehen“ wolle und spricht von einer „Art Durchgriffsrecht“. Da muss die Kanzlerin dann enttäuschen: Das würde Verfassungsänderungen bedeuten, für die man überhaupt keine Mehrheit findet.
Und dann kommt ein erstaunlicher Moment der deutschen Fernsehgeschichte: Eine der prominentesten Frauen des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens gibt offen zu, dass sie gar nicht kritisch fragen wolle, indem sie sagt, wie sie „das Interview anlege“. Diese Sätze sollen hier festgehalten werden:
„Ich hätte ja auch die ganze Zeit die Gegenposition beziehen können. Hätte sagen können: Es müssen Lockerungen her, die Menschen machen das nicht mehr mit. Ist aber ja gar nicht so. Und ohnehin möchte ich gerne verbleiben in dem Grundsatz, den Sie eben noch mal mit dem sehr guten Zitat ‚Es ist ernst, nehmen Sie es ernst‘ auch gesagt haben.“
Eine interviewende Journalistin spricht von einem „sehr guten Zitat“ der interviewten mächtigen Politikerin: Da sind offenbar sämtliche Hem








