Meinung

10 Jahre danach: Wie ich aufhörte links zu sein

10 Jahre danach: Wie ich aufhörte links zu sein
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow begrüßt mit Megafon mehr als 500 Flüchtlinge auf dem Bahnhof in Saalfeld.

Vor einem Jahrzehnt hätte ich mich noch ohne Zögern als links bezeichnet – überzeugt von den Grundsätzen sozialer Gerechtigkeit, internationaler Solidarität und dem Streben nach einer egalitäreren Gesellschaft. Meine politische Heimat schien gefunden, mein moralischer Kompass klar ausgerichtet. Heute, zehn Jahre und eine “Flüchtlingskrise” später, blicke ich auf einen langsamen, oft schmerzhaften Transformationsprozess zurück.

von Aischa Schluter

Links war bei mir immer quasi die Default-Einstellung, wie bei vielen anderen auch. Sie ging auch einher mit einer aus heutiger Sicht vollkommen übertriebenen Ablehnung von allem, was konservativ war – denn konservativ ist ja nur der Wegbereiter von “rechts”, und rechts ist ja gleich rechtsextrem, und rechtsextrem ist literally Drittes Reich. Das ist die Slippery Slope, wie ich sie auch heute noch bei vielen Linken sehe. Da hielt ich mich dann für super-ausgeglichen informiert, weil ich “taz”, die “Zeit” und den “Spiegel” gelesen habe. Ich habe in einem selbstverwalteten Wohnheim gewohnt und gegen “Nazis” (oder was man eben so dafür hält), Burschenschaften und “das System” demonstriert.

Dann kam 2015 und die Flüchtlingskrise. Am Anfang habe ich das alles geglaubt, was man uns im Fernsehen gesagt hat und was der öffentlich-rechtliche Rundfunk und der Qualitätsjournalismus propagierten. Wollte es glauben. Hatte aber schon ein gewisses ungutes Gefühl, denn ich kannte die Klientel, die da kam. Ich hatte immer schon viel mit Ausländern – gerade auch aus dem arabischen Raum – zu tun gehabt. Auch störte mich als Religionskritikerin der naive und geradezu wohlwollende Umgang mit dem Islam. Anfang 2015 hatte der Anschlag auf “Charlie Hebdo” stattgefunden – aber im Fernsehen hieß es, es kämen überwiegend Familien, und die würden ja selbst alle vor islamistischen Regimes fliehen; es seien hauptsächlich gut ausgebildete Leute, und wie man sich das nicht alles sonst noch schöngeredet hat.

Etwas suspekt

Besonders stutzig wurde ich, als ich morgens beim Bäcker in der “Bild”-Zeitung die durchweg positive Berichterstattung über das Flüchtlingsmanagement sah; ich