Meinung

Rettet den Fußball!

Rettet den Fußball!
Leidenschaft pur: Nationalspieler und BVB-Star Marco Reus (vorne) jubelt über seinen 1:0 Treffer im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart. Die Aufnahme entstand am 3. März 2019.

Kommerz und Propaganda im Stadion. Deutschlands Volkssport Nummer eins wird in die Zange genommen: einerseits durch eine immer hemmungslosere Kommerzialisierung, andererseits durch staatliche Politisierung. Wenn nicht umgesteuert wird, bleiben die Fans bald weg.

von Sven Reuth

Es sollte ein entspannter Provinzkick werden – am letzten Julisamstag im österreichischen Altach: Im Rahmen der Saisonvorbereitung traf Borussia Dortmund in der Cashpoint-Arena auf den italienischen Erstligisten Udinese Calcio. Doch es regnete Bindfäden. Um die Zuschauer im Vereinskanal BVB-TV bei Laune zu halten, machten die beiden Moderatoren Klamauk: Der langjährige Stadionsprecher Norbert Dickel, eine Klublegende der Westfalen, sprach mit Blick auf die Kontrahenten flapsig von «Itakern», wobei er anfügte, dass dies für ihn «keine Beleidigung» sei und er «alle Italiener» möge.

Patrick Owomoyela wird an den Hitler-Pranger gestellt.

Mitkommentator Patrick Owomoyela, einer der ersten dunkelhäutigen Nationalspieler im DFB-Dress, wollte noch einen draufsetzen und ließ sich als schnarrender Hitler-Imitator über die «Wasserschlacht von Altach» aus – ein harmloser Spaß, wie man ihn so ähnlich gefühlt hundertfach von Entertainer Harald Schmidt kennt. Auch wenn man diese Art des Humors nicht teilt, muss man die Reaktionen darauf befremdlich finden: Der Mainstream echauffierte sich, als sei Deutschland noch mal in Polen einmarschiert, die Bild-Zeitung nudelte das Gealber sogar zu einem «Hitler-Skandal» hoch. Der Verein reagierte betroffen und verkündete eine «Denkpause» für das beliebte Moderatorenduo, das gerade wegen seines nicht immer bierernsten Auftretens als besonders kultig gilt. Jeder halbwegs normale Mensch aber fragte sich: Welche gesellschaftliche Stimmung herrscht in diesem Land, wenn eine harmlose Blödelei zur Staatsaffäre hochgepusht wird?

Das Fanal von Mölln

Galt nicht die totale Politisierung des Sports früher als untrügliches Zeichen autoritärer oder gar totalitärer Staaten? Fährt Deutschland auch hier auf abschüssiger Bahn? Ein Rückblick: Sogar während der Zeit des Kalten Krieges war der Fußball politfreie Zone – es ging ausschließlich um den Sport. Zu einer ersten politischen Manifestation kam es vor 27 Jahren. Bei einem Brandanschlag in der holsteinischen Kleinstadt Mölln kamen drei türkischstämmige Personen, darunter zwei Kinder, ums Leben. D