Meinung

Selbstmord aus Angst vor dem Tod: Ist die FDP noch zu retten?

Selbstmord aus Angst vor dem Tod: Ist die FDP noch zu retten?
FDP-Chef Christian Lindner: Resignation und Verzweifeln über Unfähigkeit und Illoyalität im eigenen Lager


Bei der FDP würden sie jetzt gern nach vorne schauen. Das Chaos der vergangenen Wochen einfach hinter sich lassen. Und dann volle Kraft voraus in Richtung der vorgezogenen Bundestagswahl. Doch das ist leichter gesagt als getan.

von Uli Weber

Deutschlands Liberalismus entstand Anfang des 19. Jahrhunderts und hatte sich – je nach Epoche mehr oder weniger – in unterschiedlichen Gruppierungen über die Napoleonischen Freiheitskriege, das Kaiserreich, den Ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik mehr und in der NS-Diktatur und dem Zweiten Weltkrieg hinweg an der gesellschaftspolitischen Meinungsbildung in unserem Lande beteiligt. In der Bonner Republik war die FDP dann zum Zünglein an der Waage geworden, das eine Große Koalition in der Bundesregierung mit einer Ausnahme 1966 – 1969 verhindert hatte.

Gerade in unserer heutigen Zeit, wo unter den Augen der Bürger ein zunehmender Verfall der bürgerlichen Freiheiten zu beklagen ist, wäre eine standhafte liberale Partei somit also ein existenzielles Pfund für den Erhalt unserer Demokratie. Wer sonst sollte dem aktuellen paternalistischen Vereinheitlichungswahn Paroli bieten und die demokratischen Errungenschaften unseres Landes vor dem Zugriff autokratischer Demagogen und Illusionisten zu schützen? Denn man muss heute miterleben, wie die legislative Strafbarkeitsschwelle zunehmend in Bereiche des ganz normalen täglichen Lebens eindringt. Am Ende dieser Entwicklung steht zu befürchten, dass sich alle Bürger jederzeit mit irgendeiner Lappalie strafbar machen könnten und man dann nur noch die Gewünschten aus dieser Menge herauspicken muss. Und vor dem Hintergrund des Ampel-Scheiterns durch Lindners Festhalten an der Schuldenbremse des Bonner Grundgesetzes mag die FDP in dieser gescheiterten Koalition noch größeren politischen Unfug verhindert oder zumimndest abgemildert haben, als es ihre Ampel-Partnern eingestehen – und wir je davon erfahren – werden.

Vermeintliches Skandalpapier als analytische Situationsbestimmung

Schon das kurz nach dem Ampel-Fall medial verbreitete Gerücht, die FDP habe ihren Rausschmiss aus der Ampel seit September 2024 generalstabsmäßig vorausgeplant, stellt die Rolle des verdächtig gut auf den Bruch seiner Ampel-Koalition vorbereiteten amtierenden Bundeskanzlers als die eines eher harmlosen Schlumpfs dar. Um diesem medialen Gerücht schließlich „Transparenz“ entg