Schwulen-Pornos für Schulkinder und nonbinäre Pronomen: Die Projektwoche an einer Schule, die Sachsens Ministerpräsident Kretschmer „in der Champions League“ sieht, gerät völlig außer Kontrolle. Warum erreicht der Fall jetzt erst die Politik und die Polizei und was sagen betroffene Eltern und Schüler?
von Frank Hauke
Die Oberschule Schleife in der gleichnamigen sächsischen Gemeinde (Landkreis Görlitz) genießt als „Deutsch-Sorbischer Schulkomplex“ einen guten Ruf. Sogar Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) kam im Oktober 2020 dort vorbei und pflanzte mit Bürgermeister Jörg Funda (beide CDU) eine Robinie. Dabei sagte der Regierungschef, der Ort in der Nähe von Weißwasser spiele mit der Bildungseinrichtung „in der Champions League“.
Doch die ausgezeichnete Reputation bekommt nun erhebliche Kratzer. Grund ist eine Projektwoche, die vom 16. bis 20. März dauern sollte und aufgrund scharfen Elternprotests bereits nach dem ersten Tag abgebrochen werden musste. Ohne pädagogische Aufsicht schickte Schulleiter Jan Rehor nonbinäre Aktivisten, die sich keinem Geschlecht zuordnen wollen, in die Klasse 9b mit insgesamt 26 Schülern. Ein Mädchen aus der Klasse sagt: „Der Direktor persönlich brachte diese Personen ins Klassenzimmer und ließ uns dann mit ihnen allein.
Was „dann“ geschah, hat die Redaktion außerdem in Gesprächen mit mehreren Elternpaaren rekonstruiert, die den Ablauf schilderten und die Nachteile für ihre Kinder befürchten, wenn ihre Namen öffentlich werden. Daher werden sie hier auch nicht genannt.
Verstoß gegen das Schulgesetz?
Die beiden Aktivisten stellten sich als Studenten vor, nannten aber ihre wirklichen Namen nicht, weil diese einem Geschlecht zuzuordnen seien, mit dem sie sich nicht identifizierten, so die Eltern. Sie gehören zum Theaterprojekt „Mut!“ An den fünf Werktagen sollten sie anstelle des Unterrichts die Schüler mit ihren Ideen vertraut machen, weil die Lehrer mit den Prüfungen in den zehnten Klassen beschäftigt waren.
Die Ausformung des Projekts hatte der Schulleiter mit den Eltern inhaltlich vorher nicht abgesprochen, wie diese unisono versichern. Das wäre ein klarer Verstoß gegen das sächsische Schulgesetz. Denn darin heißt es, „Ziel, Inhalt und Form der Familien- und Sexualerziehung sind den Eltern rechtzeitig mitzuteilen und mit ihnen zu besprechen“.

Nach der Präsentation des Projektes, in dessen Rahmen eine Wandzeitung erstellt werden sollte, verlangten die beiden Ersatz-Lehrer, dass sich jeder mit einem „Pronomen“ und nicht mit seinem Namen vorstellt. Als ein Mädchen sagte: „Ich heiße Leonie (Name geändert) und möchte auch so genannt werden“, soll es zu einer Beschimpfung gekommen sein: In diesem „Nazi-Sachsen“ habe man auch nichts anderes erwartet, habe einer der Aktivisten gesagt, berichtet ein Vater. Andere erzählen, die Projektleiter hätten mit ablehnenden, nonverbalen Gesten auf die Aussage reagiert.
Pornos mit schwulen Männern an Schule
Dann führten die beiden Nonbinären Schüler-Paare in den Wald, wobei einer von beiden immer verbundene Augen haben musste. Danach hätten die Kinder „wie wild“ zu gekennzeichneten Punkten durchs Klassenzimmer laufen müssen. All dies fanden die Neuntklässler bis dahin zwar sonderbar, aber sie fügten sich und machten mit.
Als das vorbei war, öffneten die Aktivisten zwei mitgebrachte Rucksäcke. Den Inhalt verteilten sie auf dem Fußboden. Darunter befanden sich auch diverse pornografische Fotos, die Männer beim Sex zeigen, darunter beim Oralverkehr. Auch Fotos eines entblößten, behaarten Männer-Gesäßteils und das eines Penis‘ fielen den 14- bis 15jährigen in die Hände. Ein Schüler fotografierte die Bilder ab. Sie liegen der Redaktion vor.

Außerdem lagen nun Flyer mit Anti-AfD-Parolen auf dem Boden, darunter „FUCK AfD“ und „Höcke ist ein Nazi“. In der Oberschule Schleife hatten bei der U18-Wahl 2025 rund drei Viertel für die AfD votiert, berichtet ein Vater. Die Redaktion konnte das nicht überprüfen. Im Landkreis und der Stadt Görlitz aber lag die AfD mit 43 Prozent bei der Schülerwahl, die fast überall in Deutschland unmittelbar vor Landtags- und Bundestagwahlen stattfindet, weit vor allen anderen Parteien. Auf jeden Fall kamen die Slogans nicht bei allen Schülern gut an. Die Eltern sehen darin einen Verstoß gegen das Neutralitätsgebot der Schule.
„Auf die Kinder losgelassen“
Nach dem Ende dieses ersten Tags der Projektwoche öffnete sich ein Kind seinen Eltern, „nahm allen Mut zusammen“ und berichtete unter anderem von den Pornobildern. Im Klassenchat, den die Eltern auf WhatsApp führen, zeigten sich alle mit einer Ausnahme empört, wie die Gesprächspartner der Redaktion erzählen.
Väter und Mütter beschwerten sich daraufhin bei Direktor Rehor. Sie machen ihm bis heute Vorwürfe, die brisante Thematik vorher nicht mit ihnen besprochen und die Aktivisten ungeschützt „auf die Kinder losgelassen“ zu haben.
Nach dem ersten Projekttag, am Dienstag, 17. März, reagierte Rehor mit einem „Schulleiterbrief Theaterprojekt 9b“ an alle Eltern und Schüler der Klasse. Das Schreiben liegt der Redaktion vor. Darin heißt es: „Die beiden Anleiterinnen des Theaterprojektes ‚Mut‘ haben heute die Kündigung laut § 9 Absatz 1 und § 3 Absatz 1 des Dienstleistungsvertrages erhalten.“ Er „bedanke“ sich bei den Eltern, die „sachlich und zielführend“ mit ihm „den schwerwiegenden Verstoß gegen die Grundsätze schulischer Bildung besprochen haben“.
Schulfrei in Schleife
Die Projektwoche endete abrupt, die 9b hatte komplett schulfrei. Erst am Mittwoch fand wieder regulärer Unterricht statt. Zurück bleibt Entsetzen. Eltern monieren, dass der Schulleiter-Brief keine Bitte um Entschuldigung enthalte. Außerdem sei das Thema ungenügend aufgearbeitet worden. Lediglich der Klassenlehrer habe die Schüler gefragt, ob irgendjemand ein Problem mit dem Erlebten habe. Als sich keiner meldete, habe die Schule es dabei bewenden lassen.
Einige Eltern informierten nach dem Abbruch des Projektes die Gemeindevertreter, von denen einige auch Kinder an der Oberschule Schleife haben, und ihren mit 48,9 Prozent im Wahlkreis Görlitz direkt gewählten Bundestagsabgeordneten Tino Chrupalla.
Der Redaktion sagte der AfD-Partei und Fraktionsvorsitzende: „Mich haben verstörte Eltern angerufen und mir von dem Vorfall berichtet.“ Als direkt gewählter Abgeordneter und Vater von drei Kindern habe er sich gleich darum gekümmert: „Ich unterstütze die Gemeindevertreter in ihrer Forderung, dass der CDU-Bürgermeister von Schleife, Jörg Funda, und die Schule den Fall aufklären. Dasselbe verlange ich vom sächsischen CDU-Kultusminister Conrad Clemens.“
Antrag im Gemeinderat
Was Chrupalla meint: Am morgigen Dienstag beschäftigt sich der Gemeinderat mit dem Sex-Skandal. Von den 14 Mitgliedern gehören fünf der Wählervereinigung SV Lok Schleife an, vier der AfD, drei der CDU und zwei weitere der Wählervereinigung IG Mulkwirzer Hochkippen, die sich gegen weitere geplante Windräder in der Region einsetzt.
Laut einem Antrag der Anti-Windkraft-Bewegung soll Bürgermeister Funda aufgefordert werden, den Vorfall lückenlos aufzuklären. Denn die Gemeinde ist Träger der Oberschule Schleife.
Zwei Elternpaare haben auf dem Polizeirevier in Weißwasser inzwischen Strafanzeige gegen die Aktivisten erstattet. Vorwurf: Verstoß gegen Paragraph 184 des Strafgesetzbuches. Darin heißt es: „Wer einen pornographischen Inhalt einer Person unter achtzehn Jahren anbietet, überlässt oder zugänglich macht (…), wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“
Als dort ein drittes Elternpaar erschien, lehnten die Beamten die Bearbeitung ab, weil bereits ermittelt werde und zwei Anzeigen ausreichten. Die Vorwürfe richten sich gegen Unbekannt, weil die Namen der Personen nicht bekannt seien, weil diese sie nicht genannt hätten, so die Eltern. Die Redaktion konnte Schulleiter Rehor am Wochenende nicht erreichen, wird ihm aber am Montag Gelegenheit zur Stellungnahme geben.

🆘 Unserer Redaktion fehlen noch 90.000 Euro!
Um auch 2026 kostendeckend arbeiten zu können, fehlen uns aktuell noch 90.000 von 110.000 Euro. Wenn Ihnen gefällt, was wir tun, dann zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Mit Ihrer Spende von heute ermöglichen Sie unsere investigative Arbeit von morgen: Unabhängig, kritisch und ausschließlich dem Leser verpflichtet. Unterstützen Sie jetzt ehrlichen Journalismus mit einem Betrag Ihrer Wahl – einmalig oder regelmäßig:










