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8.000 Euro für Syrer? Dobrindts Rückkehrprämie existiert längst

8.000 Euro für Syrer? Dobrindts Rückkehrprämie existiert längst
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Deutschland finanziert bereits seit vielen Jahren die freiwillige Rückkehr von illegalen Migranten mit mehreren tausend Euro Bargeld, Flugtickets, Medizinkosten und sogar Reintegration im Heimatland. Allein für Syrien gibt es fünf Rückkehr-Programme, fast wie bei einem all-inclusive Reisekatalog. Wie viel genau bekommen die Syrer schon jetzt?

von Ekaterina Quehl

Die Bundesinnenministerium von Alexander Dobrindt prüft aktuell ein Modell, nach dem Syrer eine Prämie in Höhe von 8.000 Euro erhalten sollen, wenn sie freiwillig in ihre Heimat zurückkehren würden. Die Begründung: „Eine Einmalzahlung könnte am Ende billiger sein als jahrelange Sozialleistungen, Unterbringungskosten und Verwaltungsaufwand“.

Vielleicht wäre es deshalb an der Zeit, sich an das Thema Rückkehrberatung zu erinnern. Rückkehrberatung umfasst mehrere Förderprogramme der Bundesregierung, die nicht nur umfangreiche finanzielle und Sachleistungen vorsehen, sondern ein riesiges Servicepacket inklusive kompletter Organisation einer Rückkehr oder „Weiterwanderung in ein anderes Land“, Hilfe bei der Beschaffung von Reisedokumenten, medizinische Leistungen sowie eine sogenannte Reintegration vor Ort im Heimatland. Der Gesamtumfang der Leistungen hängt vom Heimatland ab, doch selten beträgt die Summe weniger als einige tausend Euro zzgl. unterschiedlicher Sachleistungen.

Nach welchen Programmen Unterstützung möglich ist, hängt ebenfalls vom Heimatland oder dem Land ab, in das ein Rückkehrer weiterwandern möchte. In der Regel gibt es für ein Land mehrere Programme. Für Syrien existieren gleich fünf solcher Programme. Schauen wir sie etwas genauer an:

Das Programm REAG/GARP unterstützt „finanziell und organisatorisch bei der freiwilligen Rückkehr in das Herkunftsland oder bei der Weiterwanderung in einen aufnahmebereiten Drittstaat. Dabei können Reisekosten übernommen werden und man erhält eine Reisebeihilfe. Abhängig von Ihrer Staatsangehörigkeit ist außerdem eine finanzielle Starthilfe möglich. Auch medizinische Unterstützung kann bei Bedarf bereitgestellt werden.“ Ein rechnerisches Maximum für eine Einzelperson liegt bei etwa 3.700 Euro:

  • Reisebeihilfe: 200 Euro
  • Medizinische Unterstützung: bis 2.000 Euro
  • Starthilfe: bis 1.000 Euro
  • Sonderbetrag bei frühzeitiger Ausreise: 500 Euro

Hinzu kommen noch Flug- oder Busticket sowie Transferkosten zum Flughafen oder zum Bahnhof. Bei Familien kann die Summe deutlich höher ausfallen, da allein die Starthilfe 4.000 Euro betragen kann.

„Post Arrival Package“ und „Post Return Package“ 

Das zweite Programm – European Reintegration Programme (EURP) – „bietet individuelle Reintegrationshilfen für Rückkehrende in ihre Herkunftsländer.“ Die Idee einer Reintegration ist, dass ein Rückkehrer nach einigen Jahren im Ausland eine Unterstützung braucht, um im Heimatland wieder zurechtzukommen, eine Wohnung zu finden, medizinische Leistungen zu erhalten und Arbeit zu finden. Klingt absurd? Nur für den gesunden Menschenverstand. In der Praxis sehen die Hilfen folgendermaßen aus:

Kurzzeit-Unterstützung („Post Arrival Package“, maximal 14 Tage nach der Ausreise):

  • 630 Euro und/oder Flughafenabholung,
  • Weitertransport zum Zielort,
  • vorübergehende Unterkunft,
  • sofortige medizinische Unterstützung nach der Ankunft.

Die Langzeit-Unterstützung („Post Return Package“, bis zu 12 Monate nach der Ausreise) umfasst folgende Sachleistungen, deren Gegenwert knapp 3.000 Euro betragen kann:

  • „Wohnungsunterstützung
  • Medizinischer Bedarf bei schweren Erkrankungen
  • Schulische und berufliche Bildungsmaßnahmen
  • Beratung zu Arbeitsmöglichkeiten und Hilfestellung bei der Suche nach einem Arbeitsplatz
  • Unterstützung bei der Gründung eines (eigenen) Geschäftes
  • Familienzusammenführung
  • Rechtliche Beratung und administrative Unterstützung
  • Psychosoziale Unterstützung.“

Alternativ können Rückkehrer statt am EURP-Programm am Nationalen Reintegrationsprogramm Syrien teilnehmen, das „individuelle Reintegrationshilfen für Rückkehrende in das Herkunftsland“ vorsieht und ähnliche Services wie das EURP-Programm vorsieht.

„StartHope@Home“ und „Remote Reintegration Counselling“

Beim vierten Programm „StartHope@Home“ – Creating New Perspectives der Social Impact GmbH handelt es sich eher um so etwas wie eine Rückkehrberatung Premium mit Coaching-Modulen. Denn im Rahmen dieses Programms erhalten Rückkehrer Unterstützung rund um die berufliche Reintegration im Heimatland – von Kompetenzanalysen bis hin zu Einzelcoachings:

„Die Beratung stärkt die unternehmerische Kompetenz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, um sie besser auf eine Existenzgründung nach der Rückkehr in ihr Herkunftsland vorzubereiten. Es können aber auch weitere individuelle Anliegen mit Blick auf ihre berufliche Reintegration behandelt werden. Die Teilnehmenden werden von mehrsprachigen Trainerinnen und Trainern gecoacht und sozialpädagogisch begleitet.“

Zusätzlich zu all diesen Programmen gibt es noch Remote Reintegration Counselling – ETTC Syrien. Im Rahmen dieses Programms erhalten Rückkehrer umfangreiche Beratung zum Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt, zu medizinischer Versorgung, Schulen, Sicherheitslage und zur beruflichen Reintegration in Syrien.

Wenn man die verschiedenen Rückkehr- und Reintegrationsprogramme für Syrien zusammennimmt, existiert inzwischen ein erstaunlich umfassendes System aus finanziellen Hilfen, Sachleistungen, medizinischer Unterstützung und beruflicher Reintegration. Allein über die Programme REAG/GARP und EURP kann eine Einzelperson maximal direkte Leistungen von rund 7.270 Euro erhalten. Rechnet man noch all die Sachleistungen grob in ein finanzielles Äquivalent um, könnte der Gesamtaufwand pro Einzelperson je nach Fall schnell im Bereich von 10.000 bis 15.000 Euro liegen.

Anschließend noch über unser Land lachen

Und wenn Herr Dobrindt zusätzlich noch 8.000 Euro Rückkehrprämie anbietet, dann können sich die Rückkehrer zurücklehnen und weiterhin Sozialleistungen erhalten, während hier in Deutschland ihre Rückreise vorbereitet wird – und anschließend noch über unser Land lachen, wenn sie dann vor Ort in ihrem Heimatland Einzelcoachings zu ihrer beruflichen Reintegration erhalten.

Doch selbst all diese Programme scheinen Menschen nicht attraktiv genug zu sein. Denn laut Statistik kehren über solche Programme jährlich nur zwischen 10.000 und 16.000 Menschen zurück. Zum Vergleich: 2024 haben in Deutschland insgesamt 250.945 Neuankömmlinge Asyl beantragt, in 2025: 168.543.

Herr Dobrindt kann seine Rückkehrprämie also noch verdoppeln oder verdreifachen, eine freiwillige Rückkehr ins Heimatland dürfte dennoch deutlich unattraktiver bleiben als das System Deutschland.

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