Deutschland

Deutschland im Würgegriff des Fiskus

Deutschland im Würgegriff des Fiskus
Mittels Steuern greift der Staat Deutschlands Leistungsträgern tief in die Tasche.

Kaum ein anderes Land belastet seine Leistungsträger härter als Deutschland – das zeigt eine neue Studie des IW Köln zur Steuerpolitik. Mit mehr Netto vom Brutto ist dennoch nicht zu rechnen.

von Ulrich van Suntum

Die Steuer- und Abgabenbelastung liegt in Deutschland deutlich über dem OECD-Durchschnitt. Mit 42 Prozent des BIP erreichte sie 2025 einen neuen historischen Höchststand. Die tarifliche Belastung der im Standortwettbewerb besonders empfindlichen Kapitalgesellschaften ist mit 30 Prozent sogar die höchste im internationalen Vergleich. Das sind Kernbotschaften einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Sozialen Marktwirtschaft. „Die geplante Senkung der Körperschaftsteuer ab dem Jahr 2028 wirkt vor diesem Hintergrund eher wie eine überfällige Korrektur als wie ein ambitionierter Reformschritt“, so das ernüchternde Resümee der Kölner Forscher.

Zwar habe es in der Vergangenheit ein paar Steuererleichterungen gegeben. So wurden 2016 die Tarifzonen der Einkommensteuer der Inflationsentwicklung angepasst. Damit erreicht man zumindest, dass die Steuerpflichtigen nicht wegen rein nominaler Einkommenssteigerungen in immer höhere Progressionsstufen rutschen. Reale Einkommenserhöhungen führen allerdings immer noch zu diesem Effekt. Das Aufkommen der Einkommensteuer ist denn auch deutlich stärker gestiegen als die Einkommen selbst und tut dies nach wie vor.

Nur Portugal hat höhere Spitzensteuern für Kapitalgesellschaften

Die im Koalitionsvertrag großartig angekündigte Tarifsenkung für kleine und mittlere Einkommen sei daher bereits „überfällig“, so das IW-Gutachten. Die meisten Familienunternehmen werden davon allerdings kaum profitieren. Denn sofern sie überhaupt Gewinne machen, finden sie sich meist schnell im Bereich des Spitzensteuersatzes wieder. Dieser greift bereits ab einem zu versteuernden Einkommen von 70.000 Euro und beträgt inklusive Solidaritätszuschlag 44,2 Prozent. Ab 278.000 Euro Jahresgewinn kommt noch die sogenannte Reichensteuer dazu. Dann werden ab jedem weiteren verdienten Euro happige 47,5 Prozent Einkommensteuer fällig.

Zum Vergleich: Im Durchschnitt der OECD-Länder liegt der Spitzensteuersatz mit 42,7 Prozent deutlich niedriger. Das Bild ändert sich auch nicht, wenn man international unterschiedliche Abschreibungssätze und Steuer­erleichterungen berücksichtigt. So ist der um solche Effekte bereinigte sogenannte effektive Steuersatz für Kapitalgesellschaften in Deutschland einer der höchsten in der Welt. Kein anderes europäisches Land mit Ausnahme Portugals langt stärker zu.

Soziales, Wehretat und Zinsen zehren Deutschlands Steuereinnahmen auf

Dazu kommen noch im internationalen Vergleich hohe Sozialabgaben. Sie treiben einen immer größeren Keil zwischen die Nettoverdienste und die tatsächlichen Lohnkosten. „Von den Arbeitskosten verbleiben in Deutschland nur 52 Prozent beim Steuerpflichtigen, 48 Prozent gehen in Form von Einkommensteuer und Sozialbeiträgen an den Staat“, so die erschreckende Feststellung der IW-Experten.

Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil. So kommen heute auf 100 Erwerbstätige rund 54 Rentner, 2035 werden es bereits 65 sein. Ohne drastische Reformen werden die Beiträge zur Renten- und Krankenversicherung deshalb weiter explodieren. Und auch die Aussichten für den Bundeshaushalt sind trübe. So erwartet die Wirtschaftsweise Veronika Grimm, dass schon 2029 allein die Ausgaben für Soziales, Verteidigung und Zinsen die gesamten Einnahmen des Bundes aufzehren werden.

Spätestens dann sind dann wohl weitere Steuererhöhungen fällig. Das liegt allerdings schon in der nächsten Legislaturperiode. Fatalerweise könnte die Politik somit versucht sein, weiterhin der Devise „Nach uns die Sintflut“ zu folgen.

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