Deutschland

Linksfraktion von Muslimbruderschaft unterwandert?

Linksfraktion von Muslimbruderschaft unterwandert?
Mit Islamisten arbeiten? Heidi Reichinnek, Chefin der Linken-Fraktion im Bundestag.

Seit einigen Monaten wird die Linke im Bundestag von einer Muslimin außenpolitisch beraten. So weit, so unproblematisch. Doch die Frau ist mit der Muslimbruderschaft verwoben, die es sich zur Aufgabe gemacht hat Gesellschaften zu unterwandern und die Islamisierung voranzutreiben.

von Sandro Serafin

„Mit Islamisten reden!“ So war ein Essay überschrieben, den die heutige Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek 2016 mit zwei anderen Autoren in einem Band der Rosa-Luxemburg-Stiftung veröffentlichte. Die Forderung bezog sich auf die außenpolitische Strategie Deutschlands gegenüber islamistischen Akteuren in der arabischen Welt.

Mit Islamisten reden? Reichinnek erklärte später, es habe nach dem Arabischen Frühling ein entsprechendes Möglichkeitsfenster gegeben; dieses sei aber mittlerweile geschlossen.

Frau arbeitet seit November für die Fraktion

Doch wie die Redaktion nun durch einen Hinweis erfuhr, hat die Fraktion der Linken im Bundestag seit November 2025 eine Frau als Sonderberaterin für auswärtige Angelegenheiten angestellt, die sich mindestens in der Vergangenheit in Netzwerken des politischen Islams bewegte. Ihr Name: Sukayna El-Zayat.

El-Zayat hat auch für die Linken-nahe Rosa-Luxemburg-Stiftung gearbeitet und gibt auf ihrem LinkedIn-Profil selbst bereitwillig Auskunft über ihr Engagement in diversen islamischen Organisationen. So teilt sie mit, 2014 ein dreimonatiges Praktikum bei „Islamic Relief“ gemacht zu haben. 2020 führte die Bundesregierung über diese Organisation aus, dass sie aus ihrer Sicht „über signifikante personelle Verbindungen zur ‘Muslimbruderschaft‘ oder ihr nahestehende Organisationen“ verfüge.

„Milieu der Muslimbruderschaft“

Zudem arbeitet El-Zayat nach ihrer eigenen Auskunft ehrenamtlich als „Anti-Islamophobia Officer“ bei der Organisation „Forum of European Muslim Youth and Student Organizations“ (FEMYSO). Die Gruppierung wird von diversen Beobachtern der islamistischen Szene als Teil der „Muslimbruderschaft“ eingeordnet.

So heißt es in einem Bericht der Wiener Dokumentationsstelle Politischer Islam, FEMYSO diene „als Dachorganisation für Jugend- und Studentenorganisationen für das Milieu der Muslimbruderschaft in jedem europäischen Land“. Erst jüngst führte Heiko Heinisch, Historiker mit Forschungsschwerpunkt zum politischen Islam, im CiceroInterview aus, FEMYSO sei eine jener Organisationen, die „bis heute zentrale Netzwerke der Muslimbruderschaft in Europa“ bildeten.

FEMYSO selbst weist diese Behauptung „kategorisch“ zurück und behauptete 2019, es handle sich um wiederholte Attacken „rechtsradikaler und anderer Gruppierungen“. Diesen gehe es darum, die Arbeit muslimischer Organisationen und Einzelpersonen zu untergraben, die daran arbeiteten, „Islamophobie entgegenzuwirken“. Man selbst sei „keine politische Partei und nicht mit irgendeiner politischen Partei verbunden“.

Ihren Namen teilt sie mit einem alten Bekannten

Erster Präsident des 1996 gegründeten Dachverbandes war Ibrahim El-Zayat. El-Zayat wurde von Beobachtern immer wieder als zentraler Akteur der „Muslimbruderschaft“ in Deutschland eingeordnet. So teilte die Bundesregierung 2022 mit, er weise „zahlreiche Verbindungen zu anderen MB-nahen (MB = Muslimbruderschaft; Anm. d. Red.) Organisationen auf und ist fest in den Strukturen der MB in Deutschland verankert.“

2008 sagte El-Zayat in einem Welt-Interview, die „Muslimbruderschaft“ sei bunter als bekannt und vereine in sich reaktionäre wie auch wertkonservative Denker. Letzteren fühle er sich verbunden; Mitglied sei er aber nie gewesen.

Anfrage bleibt unbeantwortet

Es ist unklar, ob Sukayna El-Zayat mit Ibrahim El-Zayat verwandt ist, doch gibt es neben dem gemeinsamen Nachnamen ein starkes Indiz für eine persönliche Nähe: Laut einem Auszug aus dem Vereinsregister des Amtsgerichts Bonn fungiert eine Sukayna El-Zayat als Kassenwartin im „Muslimische Gemeinde Bornheim und Umgebung e.V.“.

Als Vorsitzende des Vereins wird wiederum Sabrina Johanna Erbakan genannt, auch bekannt als Sabiha El-Zayat-Erbakan. Es handelte sich um die Anfang April verstorbene Frau Ibrahim El-Zayats, Schwester Mehmet Sabri Erbakans und Nichte Necmettin Erbakans. Mehmet Erbakan war lange führender Funktionär von Milli Görus, einer Organisation, die von deutschen Behörden konstant als islamistisch eingestuft wird. Necmettin Erbakan war einst türkischer Ministerpräsident, Vorkämpfer des türkischen Islamismus und Mentor Recep Tayyip Erdoğans.

Linksfraktion von Muslimbruderschaft unterwandert?

Ob die Sukayna El-Zayat aus dem Verein identisch ist mit der Sukayna El-Zayat aus der Linksfraktion, konnte die Redaktion nicht abschließend klären. Es liegt aber auch deswegen nahe, weil die Vereinsfrau laut Vereinsregister aus Berlin stammt – also aus der Stadt, in der die Sukayna El-Zayat aus der Linksfraktion arbeitet. Sukayna El-Zayat dementierte die Information auf Nachfrage nicht, sondern ließ eine entsprechende Mail auch nach nochmaligem Nachhaken unbeantwortet.

Die Muslimbruderschaft hat eine klare Strategie

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Die Verbindungen der Linken-Mitarbeiterin in Muslimbrüder-nahe Kreise sind deswegen relevant, weil die Muslimbruderschaft als Organisation mit einer gezielten Strategie der Islamisierung gilt. So schrieb die Islamwissenschaftlerin Rita Breuer 2019, die Muslimbrüder setzten „auf eine langsame Durchdringung der Gesellschaft durch eine entsprechend geschulte muslimische Elite, die als Multiplikator fungiert“.

Und in dem bereits erwähnten Cicero-Interview beschrieb der Historiker Heiko Heinisch, dass die Muslimbruderschaft nach ihrer Gründung begonnen habe, „systematisch Zugang zu gesellschaftlichen Schlüsselbereichen zu suchen, etwa Parteien und NGOs“. So werde in einem Strategiepapier von 1982 ausdrücklich gesagt, dass man in Parteien hineingehen solle, um dort „im Dienste des Islam“ zu wirken.

Die Redaktion hat die Pressestelle der Linksfraktion in der vergangenen Woche mit Fragen zur Personalie Sukayna El-Zayat kontaktiert. Eine Antwort blieb bis Dienstag aus. Sukayna El-Zayat hatte sich indes 2019 bei einem Poetry-Slam-Wettbewerb in Bornheim selbst politisch so verortet: „Sage Nein zu allen Extremen und gehe ihn, ganz radikal den Weg der Mitte.“

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