Satte 40 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland erreichen nicht einmal die elementarste Mindestkompetenz im Lesen und in der Mathematik. Wer nun hofft, dass es sich hierbei nur um eine temporäre Delle handelt und es bei den älteren Jugendlichen besser aussieht, betreibt gefährliche Selbsttäuschung. Aus dem einstigen Land der Dichter und Denker ist ein Land der Legastheniker und Vollidioten geworden.
„Die Zahlen sind alarmierend.“ Dieser Satz ist in Deutschland längst zu einer bedeutungslosen Worthülse verkommen, zu einem monotonen Hintergrundrauschen im alltäglichen Staatsversagen. Hört man ihn in den Nachrichten, bleibt völlig offen, welche neue Hiobsbotschaft folgt: Sind es die rasant steigenden Unternehmenspleiten, die Deindustrialisierung, die ausufernde Kriminalitätsrate unter den später Eingereisten oder der nächste Kollaps der Infrastruktur? Die alarmierenden Zahlen und die deutsche Politik sitzen zwar im selben Boot, aber sie kommunizieren nicht miteinander. Das Land nimmt die Realität schlicht nicht mehr ernst. Wenn sich doch einmal der Anschein von Problembewusstsein regt, bleibt es beim folgenlosen Reden. Man simuliert Tatkraft, debattiert in Talkshows, produziert runde Tische – und verwaltet lethargisch den Niedergang.
In dieser Kulisse des Wegsehens wirkt der Satz „Ich möchte meinem Kind ein gesundes Deutschland zurücklassen“ wie eines der kürzesten und traurigsten Märchen unserer Zeit. Wie soll dieses Land gesund sein, wenn nicht einmal die Kinder selbst geistig auf der Höhe sind, um überhaupt zu erfassen, wie dreckig es dieser Republik in naher Zukunft gehen wird? Der aktuelle Bericht des UN-Kinderhilfswerks UNICEF liefert dazu das nächste unbarmherzige Datenmaterial: Satte 40 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland erreichen nicht einmal die elementarste Mindestkompetenz im Lesen und in der Mathematik. Wer nun hofft, dass es sich hierbei nur um eine temporäre Delle handelt und es bei den älteren Jugendlichen besser aussieht, betreibt gefährliche Selbsttäuschung. Die heute 16-, 20- oder 25-Jährigen saßen vor wenigen Jahren in exakt denselben Studien. Wer sich bis zum 15. Lebensjahr kaum Deutschkenntnisse angeeignet hat, wird die Kurve im Erwachsenenalter nicht mehr kratzen. Das Defizit verfestigt sich und wird vererbt.
Wie tief sich die Verunsicherung in den Alltag gefressen hat, zeigt ein Blick in die Provinz. Im Park Schöntal im beschaulichen Aschaffenburg wurden im Januar 2025 ein zweijähriges Kind und ein mutiger 41-jähriger Mann, der zur Hilfe eilte, von einem Messerstecher brutal getötet. Geht man heute nachmittags durch diesen Park, wünscht man sich eine friedliche Fiktion: Jugendliche, die bei Vogelzwitschern auf den Bänken sitzen und vertieft in klassischen Büchern lesen. Eine Idylle, die man gesehen haben müsste, um wieder an die Zukunft zu glauben. Aber man wird es nicht sehen. Es ist reine Utopie. Die Realität auf den Plätzen unserer Städte sieht völlig anders aus – geprägt von Lärm, Aggression und digitaler Dauerberieselung.
Der Gastgeber schafft sich ab, um dem Gast die Integration zu ersparen
Selbst das Leseverhalten der autochthonen Bevölkerung hat sich dramatisch verschlechtert. Der Trend geht weg vom gedruckten Roman, hin zu flüchtigen digitalen Formaten, E-Books und Hörbüchern. Die tägliche Lesezeit schrumpft, das Aufmerksamkeitsfenster verengt sich, das Erfassen komplexer Texte erlahmt. Wenn aber schon die Basis schwankt, wie sieht es dann erst bei den später Eingereisten aus dem Nahen Osten, Afghanistan oder Somalia aus? Hier tendiert das Leseverhalten gegen null. Das ist der eigentliche Treibstoff für die Bildungskrise: Kinder laufen der Schule geistig davon, verweigern die Schriftsprache und haben folglich überhaupt keine Chance, jemals fließend Deutsch zu lernen.
Anstatt hier mit eiserner Konsequenz gegenzusteuern, kapituliert das Bildungssystem vor der Überforderung. Vielerorts wird ernsthaft darüber nachgedacht, Arabisch als Wahlfach anzubieten oder fest in den Lehrplan zu integrieren – damit wenigstens die deutschen Kinder lernen, sich mit ihren Klassenkameraden zu unterhalten. Wenn solche absurden Gedanken durch deutsche Gehirne wandern, ist Hopfen und Malz verloren. Das hat absolut nichts mit gelebter Vielfalt zu tun. Es ist eine ideologische Einbahnstraße, die den später Eingereisten das Signal sendet, dass sie sich in einem Land, dessen Landessprache Deutsch ist, nicht einmal mehr sprachlich anpassen müssen. Der Gastgeber schafft sich ab, um dem Gast die Integration zu ersparen.
Das bittere Erwachen wird mangels Vergleichsoptionen ausbleiben. In 20 bis 30 Jahren werden die erwachsenen Deutschen – bis dahin sind ohnehin alle formell eingedeutscht – überhaupt kein Bewusstsein mehr dafür haben, wie es hier früher einmal aussah. Sie wachsen von Geburt an in diesem schlechter werdenden System, in diesem intellektuellen Vakuum auf. Sie merken gar nicht, was ihnen verloren gegangen ist, weil sie den Zustand der Normalität, der Leistungsbereitschaft und der inneren Sicherheit nie kennengelernt haben.
1,2 Millionen junge Menschen ohne Antrieb
Es kommt jedoch noch dicker für die ökonomische Substanz des Landes. In der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen sind aktuell 626.000 Menschen komplett außerhalb des Bildungs- oder Beschäftigungssystems. Weitet man den Blick auf die 15- bis 29-Jährigen aus, sprechen wir von 1,2 Millionen jungen Menschen, die weder arbeiten, noch studieren oder eine Ausbildung machen. Das soziologische Modewort hierfür lautet „ausgeschlossen“. Doch das ist eine bewusste Täter-Opfer-Umkehr. Niemand schließt diese jungen Leute aus; wenn sie wollten, stünden ihnen alle Türen offen. Es mangelt schlicht an der elementaren Motivation, am Leistungswillen und am Respekt vor Arbeit. Dass Soziologen dieses Phänomen permanent mit Armut entschuldigen, ist eine intellektuelle Bankrotterklärung. In einem Land mit kostenloser Bildung, Lernmittelfreiheit und einem astronomischen Sozialbudget ist Bildungslosigkeit kein Schicksal, sondern eine Entscheidung.
Wenn wir in drei Jahrzehnten von der deutschen Mehrheitsgesellschaft sprechen, wird diese ein völlig anderes, zutiefst negatives Bild abgeben. Ohne Sprache, ohne mathematisches Grundverständnis und ohne den Willen zur Leistung wird in der Masse der Bevölkerung vieles unterentwickelt bleiben, was dieses Land einst groß und wohlhabend gemacht hat. Deutschland verlernt das Denken – und schaut dabei auch noch gerne zu.

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