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Nürnberg: Lange Haftstrafe für multikriminellen Syrer

Nürnberg: Lange Haftstrafe für multikriminellen Syrer
Wegen Abrechnungsbetruges wurde Hassan O. (40) zu sechs Jahren Haft verurteilt. Es wurde kein Berufsverbot ausgesprochen.

Ein Arzt aus Syrien ergaunert mehrere Millionen Euro, wird sexuell übergriffig, profitiert von Asylvermietungen, hortet Gold in seinem Tresor und betrügt mit Corona-Geldern. Nun fiel ein Urteil.

von Günther Strauß

Das Landgericht Nürnberg-Fürth hat den syrischen Arzt Hasan O. wegen Abrechnungsbetrugs und eines sexuellen Übergriffs auf eine Patientin am Montagabend zu sechs Jahren Haft verurteilt. Die Justiz sah es als erwiesen an, daß der 40jährige innerhalb von 13 Quartalen (rund 1.180 Tage) insgesamt 6.368 Hausbesuche erfunden und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern in Rechnung gestellt hat, wie die Bild-Zeitung berichtet. Dabei soll er mehr als 1,6 Millionen Euro kassiert haben.

Zudem sprach ihn das Gericht schuldig, im Februar 2021 eine Patientin bei einem Hausbesuch „sexuell motiviert“ an die Brust gefaßt zu haben, als diese über Erkältungssymptome klagte. Der Syrer muß nun mehr als 1,4 Millionen Euro zurückzahlen, ein Berufsverbot erhielt er aber nicht. Er arbeitete als sogenannter Poolarzt, der Bereitschaftsdienste übernimmt. Im März vergangenen Jahres kam er in Untersuchungshaft, nachdem aufgrund von Beschwerden bei der Kassenärztlichen Vereinigung sein Betrug aufgedeckt worden war. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Arzt soll auch von Corona-Impfkampagne profitiert haben

Der zuständige Richter, Cornelius Sello, sagte bei der Urteilsverkündung: „Selbst Aufenthalte bei seiner Geliebten rechnet er als Hausbesuche ab.“ Einige Patienten habe er „angeblich fünfmal am Tag“ besucht. Auch soll er an Freitagen Wochenendzuschläge abgerechnet haben. Während der Corona-Zeit soll er außerdem als Impfarzt deutlich höhere Entschädigungen in Rechnung gestellt haben, als ihm zugestanden hätten.

Sello betonte: „Er nutzte viele Gelegenheiten, um an Geld zu kommen.“ So habe der Syrer dem Freistaat Bayern auch die Vermietung eines Gebäudes an 25 Asylmigranten in Rechnung gestellt.

Die Verteidigung bestritt diese Vorwürfe. O.s Anwalt, Jürgen Lubojanski, sagte zu den Vorwürfen: „Die Behandlungen haben stattgefunden. Ihm wurde aber nie beigebracht, wie man Abrechnungen sauber gestaltet.“ Den sexuellen Übergriff auf die Patientin stritt Lubojanski ab. O. selbst behauptete, er habe in permanenter Angst um seine Familie in Syrien gelebt. Das Gold, das Ermittler in seinem Bankschließfach gefunden haben, will er nur dort angesammelt haben, um mögliche spätere Rückforderungen begleichen zu können. 

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