In jedem anderen Land der Welt undenkbar, in Deutschland Realität: Tausende Asylbewerber, darunter auch viele Kriminelle, sind aus ihren Unterkünften verschwunden, ohne dass die Behörden wissen, wohin!
von Max Hoppestedt
Nach Rheinland-Pfalz melden auch weitere Bundesländer, daß sie hunderte Asylbewerber in ihren Erstaufnahmeeinrichtungen vermissen, weil sich die Migranten unabgemeldet entfernt haben. So teilte das hessische Integrationsministerium auf Nachfrage mit, daß dort in den vergangenen 18 Monaten insgesamt 1.763 Personen aus den Asylbewerberheimen verschwunden und mit „Aufenthalt unbekannt“ im System registriert worden seien.
Zum Vergleich: Zwischen dem 1. Juli 2024 und dem 31. Dezember 2025 hat Hessen insgesamt 21.412 Asylbewerber in seine Erstaufnahmeeinrichtungen übernommen. Das bedeutet, daß mehr als acht Prozent der Migranten ohne Abmeldung weggegangen sind, also als „abgängig“ gelten. Laut Gesetz sind Asylbewerber verpflichtet, in der Erstaufnahmeeinrichtung wohnen zu bleiben, der sie zugewiesen worden sind. Eingesperrt sind sie allerdings nicht.
Die Zahl zeigt, daß das Problem in Hessen ähnlich groß ist wie im Nachbarland Rheinland-Pfalz. Dort war in der vergangenen Woche bekannt geworden, daß seit Juli vorvergangenen Jahres insgesamt 923 Menschen aus den Einrichtungen verschwunden sind. Das entspricht einer Quote von 9,1 Prozent, gemessen an der Zahl der Asylbewerber, die im selben Zeitraum aufgenommen wurden.
Manche Länder wissen nicht einmal Bescheid
Die Landesregierung in Mainz hatte über das Ausmaß des Problems informiert, nachdem ein Sicherheitsmitarbeiter einer Asylunterkunft in Bitburg Landtagsabgeordnete darauf hingewiesen hatte, daß dort Migranten einfach verschwunden sind. Weil der Mitarbeiter dabei gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen haben soll – er gab unter anderem konkrete Namen preis –, wurde er entlassen.
Derweil teilte die niedersächsische Landesregierung auf Anfrage, daß dort zwischen dem 15. Juli 2025 und dem 15. Januar 2026 insgesamt 823 Personen „mit Fortzug nach unbekannt gemeldet“ worden seien. Das Brandenburger Innenministerium gab an, seit 2020 seien insgesamt 1.401 Personen „unbekannt verzogen“. Davon seien noch 992 Personen zur Aufenthaltsermittlung ausgeschrieben.
Thüringen meldete auf Nachfrage, 2025 seien „etwa 100 Personen als abwesend erfaßt“ worden. Das Berliner Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten sprach dagegen nur von „Einzelfällen“, die bekannt seien. Aus Sachsen hieß es wiederum, daß die Zahl statistisch nicht erhoben werde. Auch das bayerische Innenministerium teilte mit, daß es keine entsprechenden Zahlen erhebe. Unter dem Strich geht die Zahl der „Abgängigen“ bundesweit in die Tausenden. Dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) ist aber keine Gesamtzahl bekannt, wie es mitteilte.
Nicht immer erfolgt eine Meldung an die Polizei
Von Bundesland zu Bundesland gehören die Behörden unterschiedlich damit um, wenn Asylbewerber abtauchen. So führte das hessische Integrationsministerium aus, daß zwar keine automatische Meldung an die Polizei erfolge. Allerdings würden Sozialleistungen für den notwendigen persönlichen Bedarf unmittelbar eingestellt. In Brandenburg werden untergetauchte Asylbewerber dagegen über das Landeskriminalamt auch zur Aufenthaltsermittlung ausgeschrieben.
Das Bamf gibt zudem an, daß Asylverfahren eingestellt würden, wenn vom „Nichtbetreiben“ des Verfahrens ausgegangen werden müsse. Das sei etwa der Fall, wenn der Ausländer einer Aufforderung zur Anhörung nicht nachkomme oder gegen die räumliche Beschränkung seiner Aufenthaltsgestattung verstoßen habe.
Besonders pikant ist, daß sich unter den Abgetauchten auch vormalige Straftäter befinden. So waren von den 31 Bewohnern, die in Bitburg verschwunden sind, laut Innenministerium sieben polizeibekannt. Gesamtzahlen für die Bundesländer liegen allerdings nicht vor: Auf Nachfrage machten die Ministerien zum Anteil der Vorbestraften unter allen „Abgängigen“ keine Angaben.
CDU äußert Kritik – ist aber selbst in Verantwortung
Die CDU in Rheinland-Pfalz übt massive Kritik an den Zuständen. Gordon Schnieder, der die Christdemokraten in die Landtagswahlen im März führt, bemängelte, ein funktionierender Staat müsse doch wissen, wer sich in seinen Einrichtungen aufhalte und wer sie verlasse. Daß die Landesregierung keine umfassende Auskunft zu untergetauchten Straftätern gibt, macht ihn mißtrauisch: „Das läßt nur zwei Schlüsse zu: Entweder fehlt ihr der Überblick – oder sie hält Informationen zurück. Beides ist gleichermaßen besorgniserregend und ein ordnungspolitischer Offenbarungseid.“ In Rheinland-Pfalz sitzt die CDU in der Opposition; in Hessen stellen die Christdemokraten allerdings selbst den Ministerpräsidenten.
Der rheinland-pfälzische AfD-Landtagsabgeordnete Damian Lohr sprach derweil von „chaotischen Verhältnissen“ und einem „anhaltendem Kontrollverlust“. Die „Ahnungslosigkeit der Landesregierung“ in dieser Angelegenheit sei „alarmierend“. In der Welt forderte er konkrete Änderungen: So sollten Bewohner beim Verlassen ihrer Einrichtung künftig Auskunft über ihren geplanten Aufenthaltsort und die Dauer der Abwesenheit geben.
Das rheinland-pfälzische Integrationsministerium bemüht sich derweil, die Zahlen zu relativieren. Es handle sich „um ein übliches Ausmaß“, teilte es der Welt mit. Nicht alle Migranten verschwänden dauerhaft; manche kehrten nach kurzer Abwesenheit zurück.
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