Gesundheit

Die Deutschen werden seit fünf Jahren depressiver – warum?

Die Deutschen werden seit fünf Jahren depressiver – warum?
Depressiv: Die Deutschen

Die depressiven Symptome in der deutschen Bevölkerung haben enorm zugenommen. In unteren Bildungs- und Einkommens-Schichten ist es am deutlichsten. Woran liegt es: An Existenzängsten, Kriegsängsten, Migrationsauswirkungen?

von Wolfgang Meins

Im Deutschen Ärzteblatt erschien kürzlich (Heft 21) eine durchaus interessante epidemiologische Längsschnittstudie, die einen Zeitraum von immerhin fünf Jahren abdeckt und einige unerwartete Ergebnisse zutage fördert. Auf Grundlage einer repräsentativen Stichprobe der erwachsenen deutschen Bevölkerung geht es in dieser Studie um die Entwicklung der sogenannten depressiven Symptomlast über einen Zeitraum von fünf Jahren, genauer: um die Veränderung der zwei depressiven Kernsymptome depressive Stimmung und Interessenverlust über die Zeit. Dazu wurden vom Robert Koch-Institut und der Medizinsoziologie der Berliner Charité von April 2019 bis Februar 2024 in monatlichen Abständen telefonische Interviews durchgeführt. Von besonderem Interesse war dabei, wie sich Einkommen und Schulbildung – jeweils aufgeteilt in niedrig, mittel und hoch – auf die depressive Symptomatik der Befragten auswirken. Wobei bekannt und allgemein akzeptiert ist, dass geringe Schulbildung und – davon ja nicht ganz unabhängig – ein vergleichsweise niedriges Einkommen jeweils mit dem häufigeren Vorkommen von depressiven Störungen assoziiert sind. 

Monatlich wurde eine Zufallsstichprobe zwischen 1.000 und 4.000 Erwachsenen – insgesamt über die fünf Jahre gut 95.000 Personen – zu Einkommen und Schulbildung sowie zur Ausprägung der beiden oben genannten depressiven Kernsymptome befragt – von überhaupt nicht (0) bis beinahe jeden Tag (3) – und die Ergebnisse dann zu Quartalsdaten zusammengefasst. Erwartungsgemäß fällt der Schweregrad der beiden depressiven Symptome in den Gruppen mit geringer Bildung und niedrigem Einkommen durchgängig am höchsten aus. Ebenfalls durchaus erwartungsgemäß nimmt im Verlaufe der Coronazeit in allen Gruppen die depressive Symptomlast zu, um sich dann zwischen Mitte und Ende 2022 – in den Gruppen mit mittlerer und hoher Bildung – auf knapp 22 Prozrnt  beziehungsweise 11 Prozent einzupendeln. 

Damit kehrt die depressive Symptomlast aber bei Weitem nicht auf das Vor-Corona-Niveau zurück, sondern verharrt bis zum Ende der Erhebung auf einem jetzt etwa jeweils do