Während des Kalten Krieges forschten die Großmächte an Biowaffen. Unter anderem wollte man mit Krankheitserregern verseuchte Flöhe und Zecken in feindliches Gebiet einschleusen. Nun soll in den USA geklärt werden, ob diese Experimente auch Nachwirkungen bis in die Gegenwart haben. Stammt etwa die mitunter tödliche Infektionskrankheit Borreliose aus solchen Bioterror-Labors?
von Bert Ehegartner
2017 und 2019 wurden seine ersten beiden Versuche abgelehnt. Doch diesmal klappte es. Kurz vor Weihnachten 2025 unterzeichnete Präsident Donald Trump einen Antrag des Republikanischen Abgeordneten Chris Smith, der Licht in ein finsteres Kapitel der US-Militärgeschichte bringen soll. Es geht um die Frage, ob in der Zeit des Kalten Krieges Zecken als mögliche Biowaffen betrachtet und entsprechend manipuliert worden sind. Besonders interessiert Smith die Frage, ob die in den USA noch immer stark verbreitete Lyme-Borreliose eine Folge dieser Bioterror-Experimente war. Das überparteiliche „Government Accountability Office“ (GAO) – eine Art US-Rechnungshof – muss nun die geheimen Protokolle prüfen und einen Bericht erstellen.
Smith beruft sich in seinem Antrag vorwiegend auf Recherchen der Autorin und Journalistin Kris Newby, die für ihr Buch „Bitten – The Secret History of Lyme Disease and Biological Weapons“ („Gebissen: Die geheime Geschichte der Lyme-Borreliose und biologischer Waffen“) ein letztes Interview mit dem Zeckenforscher Willy Burgdorfer geführt hatte. Der aus der Schweiz stammende Wissenschaftler räumte darin ein, dass er während des Kalten Kriegs für die Biowaffenforschung der USA tätig war.
„Die Untersuchung ist längst überfällig“, zeigte sich Newby erfreut. „Immer mehr Beweise deuten darauf hin, dass Zecken manipuliert und als Überträger für biologische Kampfstoffe eingesetzt wurden. Und diese Zecken könnten vom US-Militär sowohl absichtlich als auch unabsichtlich auf eine ahnungslose Bevölkerung losgelassen worden sein.“
„Geheimhaltung kostete unzählige Menschenleben“
Newby ist im Jahr 2002 selbst an Borreliose erkrankt – ebenso wie ihr Ehemann Paul. „Es kostete uns enorm viel Geld und mehr als fünf Jahre, um uns von diesen Krankheiten zu erholen“, schrieb sie in einem im Januar 2026 erschienenen Artikel für das Magazin Spectator. „Die Epidemie der Lyme-Borreliose hätte durch frühzeitige Maßnahmen zur Zeckenbekämpfung und eine nachhaltige Aufklärungskampagne eingedämmt werden können. Stattdessen verhinderte die Geheimhaltung rund um das Biowaffenprogramm eine rechtzeitige Untersuchung und Reaktion, was unzählige Menschenleben kostete.“
Die Bezeichnung Lyme bezieht sich auf die gleichnamige Stadt im Bundesstaat Connecticut, wo das Phänomen erstmals untersucht wurde. Auslöser waren die Aktivitäten von Polly Murray, deren beiden Kinder während der 1970er Jahre an juveniler Arthritis erkrankt waren. Sie litten an immer wieder kehrenden Entzündungsschüben und geschwollenen Gelenken, so dass sie zeitweise kaum gehen konnten. Murray sammelte die Fälle weiterer betroffener Kinder in der Umgebung und alarmierte die Behörden. Der Rheumatologe Allen Steere










