Hintergründe

Die Trans-Industrie

Die Trans-Industrie
Ein Arzt posiert während einer Brustamputation vor der Kamera.

Ein paar Schnitte und alles wird gut – mit diesem fatalen Credo bewerben Ärzte und Influencer Brustamputationen für junge Frauen, die glauben, im falschen Körper geboren zu sein. Hinter dieser Trans-Industrie steckt ein Millionengeschäft.

von Marie Rahenbrock

ialu tanzt lächelnd in einem Zimmer der Klinik „Top Surgery Düsseldorf“ – nur wenige Stunden vor der Brustamputation. Der Eingriff ist irreversibel. Doch das enorme Risiko, eine lebensverändernde Entscheidung zu treffen, die später bitter bereut werden könnte, spielt in dem Video keine Rolle. Gialus Clips versprechen die lang ersehnte Glückseligkeit, für all diejenigen, die meinen, im falschen Körper geboren zu sein. Sie verherrlichen die Amputation von gesunden Körperteilen und werden von Hunderttausenden – einzelne Videos gar von Millionen – gesehen.

Die Klinik, die hier beworben wird, postet auf Instagram selbst Dutzende prä- und postoperative Fotos von Menschen wie Gialu: Bilder von einem gesunden Frauenoberkörper, dann von einem entstellten. Wo vorher Brüste waren, sind beim zweiten Bild nun nur noch zwei riesige Narben. Dazwischen Anleitungen zur „Narbenmassage“, ein Nikolaus-Gewinnspiel oder Werbung für eine Vernissage unter dem Titel „Transidentität, Würde und Selbstbestimmung“. Man wirbt damit, dass Schönheit „nicht durch Anpassung an Vorstellungen“ entstehe. „Narben, Formen und Haltungen“ seien „selbstverständlicher Teil des Lebens“.

Gialu ist von dem Konzept begeistert. „Ich war in der Plastmed-Klinik in Düsseldorf, weil das mit die einzige Klinik in Deutschland ist, die das ohne psychologisches Gutachten machen lässt, ab 18 Jahren“, sagt Gialu in einem TikTok-Video. Rund 1,7 Millionen Menschen folgen dem professionell wirkenden Account. Das Impressum führt zu einer Agentur, die Gialu als „Content Creator, Musiker, Model, Schauspieler und Autor“ vermarktet. Ob Gialu für diese Werbebotschaft zur Plastmed-Klinik Geld oder Gegenleistungen bekommen hat?

Nein, antwortete Gialu auf Anfrage, „weder von der Klinik selbst noch von Dritten. Sämtliche Erwähnungen auf meinen Profilen erfolgten freiwillig und ohne Vergütung.“ Die Privatklinik, die auch unter dem Namen „Top Surgery Düsseldorf“ auftritt und „geschlechtsaffirmierende Brustoperationen“ für 6.500 Euro anbietet, ließ unsere Fragen bislang unbeantwortet.

Sie residiert in einem futuristischen Neubau des amerikanischen Stararchitekten Frank Gehry im Düsseldorfer Medienhafen. Bei der Eröffnungsfeier berichtete ein Arzt stolz, dass man über 500 Mastektomien – so nennt man die Brustamputationen in der Fachsprache – im Jahr durchführe. Mit Frauen, die mit ihrem Geschlecht hadern, lässt sich also ein Millionenumsatz machen.

Und das nicht nur mit Erwachsenen: Eines der Gesichter der Klinik, die Ärztin Dr. Naja-Norina Pluto, erzählt in einer Folge des Podcasts „Pscht! Das sagt man doch nicht“ über eine Brustamputation „zum Zeitpunkt des sechzehnten Lebensjahres“, also während die Patientin 15 Jahre alt war. Die Jugendliche habe sich als Mann identifiziert, so die Ärztin, die davon schwärmt, nach der Operation zwei bewegende Briefe bekommen zu haben, „handgeschrieben“.

Die Jugendliche habe darin geschildert, dass sie vor der Operation Selbstmordversuche unternommen habe und „dass er sich setzt endlich frei fühlt und glücklich ist“. Die Ärztin sei „die Heldin des Lebens“. Das Bild, das hiermit erzeugt werden soll, ist klar: Durch das Leben im „falschen“ Körper entstehen psychische Probleme bis hin zur Suizidalität – die Operation ist die Rettung. Doch die Realität sieht in der Regel anders aus: Es scheint viel mehr so zu sein, dass Jugendliche versuchen, ihre bereits vorhandenen psychischen Leiden dadurch zu bewältigen, dass sie ihrem Geschlecht und damit auch ihrer Identität entfliehen. 

Diese These stellt unter anderem die Ärztin Dr. Lisa Littmann auf. In einer Studie aus dem Jahr 2018 stellte sie fest, dass über 60 Prozent ihrer jungen Patienten unter einer oder mehreren psychischen Erkrankungen litten – unter anderem unter Depressionen, Autismus und selbstverletzendem Verhalten. Littmann schlussfolgerte daraus, dass „Geschlechtsdysphorie“ – also der Trans-Wunsch – eine Coping-Strategie ist, es sich also um einen Bewältigungsversuch handelt. Dazu passen auch Ergebnisse anderer Studien, die genau das Gegenteil von dem zeigen, was die Ärztin der Plastmed-Klinik erzählt. Nämlich, dass die Suizidrate nach geschlechtsangleichenden Operationen langfristig sogar zunimmt.

Die Chirurgin und Professorin an der schwedischen Karolinska-Universität, Ebba Lindquist, konnte 2016 einen sogenannten „Honeymoon Effect“ nachweisen. Das bedeutet, dass es den Betroffenen kurz nach der Operation erst mal physisch und psychisch besser ging als zuvor, die Zufriedenheit dann aber nach drei Jahren in allen Bereichen nachhaltig sank. Ein Jahr später veröffentlichte Noah Adams von der Universität Toronto eine Studie, die zeigte, dass die Zahl der Suizidphantasien und Suizidversuche nach der Operation mit 50,6 Prozent deutlich höher lag als vor der OP – da waren es 36,1 Prozent. Und auch neue Studien bestätigen den Trend: Laut einer finnischen Studie von Ruuska aus dem April 2026 stieg die Behandlungsbedürftigkeit je nach Geschlecht um rund 30 bis 50 Prozent.

Gleichzeitig steigt die Zahl der jungen Menschen mit „Geschlechtsdysphorie“ immer weiter an – insbesondere bei Mädchen. Verschiedenen Erhebungen nach sind die Zahlen in den letzten Jahren zwischen 1.500 und 4.500Prozent gestiegen. Dass immer mehr dieser jungen Erwachsenen sich in der Folge Operationen unterziehen, liegt laut dem Jugendpsychiater Alexander Korte daran, dass solche Darstellungen in den sozialen Medien für vulnerable Jugendliche eine „neuartige Identifikationsschablone“ bilden, die „medial und gesellschaftspolitisch instrumentalisiert“ werden könne und die „wirtschaftlich nutzbar“ sei.

Die Influencer der „Top Surgery Düsseldorf“

Genau das zeigt sich auch bei der „Top Surgery“-Klinik. Sie setzt gezielt junge, hippe Influencer mit einer enormen Reichweite auf Instagram und TikTok ein, um ihre Leistung an die junge Kundschaft zu bringen – Menschen wie Gialu oder etwa Lui Michalski. Letztere hat sich in der Klinik nicht nur selbst die Brüste abnehmen lassen, sie betreibt einen eigenen Podcast über ihre polyamoröse Beziehung und hat „Top Surgery“ beim „Marketing- & Brandingprozess“ begleitet, wie sie auf Instagram schreibt. Ziel sei es gewesen: „Das safer space Gefühl welches Patient*innen dort bereits erleben auch in Bildwelten & auf Social zu vermitteln.“

Michalski betreibt zusammen mit ihrer Partnerin Saskia Michalski eine „Fullservice-Marketingagentur“ in Hamburg. Sie versprechen auf ihrer Internetseite: „Wir sind in der Content- & Influencerlandschaft zuhause und genau die richtigen Ansprechpersonen, wenn du deine Marke erfolgreich, queerfreundlich & divers positionieren möchtest.“ Auf die Frage, welche Geschäfte sie mit der Düsseldorfer Privatklinik macht, antwortete Lui Michalski: „Wir haben ein Fotoshooting für die Klinik konzeptioniert, organisiert und umgesetzt.“ Dafür sei eine marktübliche Vergütung gezahlt worden.

Die Düsseldorfer Klinik war zudem 2024 und 2025 Sponsor des Michalski-Wagens auf dem CSD Hamburg. Ihr Logo prangte auf dem Truck. Als im vergangenen Jahr zwei Tickets zum Mitfahren verlost wurden, trat in dem Video, in dem die Verlosung verkündet wurde, eine „Top-Surgery“-Chirurgin auf.

Die Werbestrategie bestätigt einer der Klinikärzte im Podcast mit der „Patientenmanagerin“ Michelle Fuhrmann, eine weitere Influencerin, die selbst eine Mastektomie in der Klinik machen ließ: Dass man immer mehr Patienten aus ganz Deutschland und Europa habe, liege auch daran, dass „das Thema Gender surgery oder Top surgery gerade in Social Media wesentlich stärker Verbreitung erfährt“. Und das verdanke man „ganz klar“ auch „Influencern wie dir, liebe Michelle, die das Thema auch publik machen“, erklärte er.

Die Berliner Klinik

Während die Klinik „Top Surgery Düsseldorf“ auf Influencer setzt, wird ein Chirurg in einer Berliner Klinik selbst zum Social-Media-Star. Unter dem Namen „genderchirurgie“ informiert Doktor Michael Krüger von der Klinik Schöneberg auf TikTok über Mastektomien. In seinen Videos setzt er auf bunte Emojis, grüne Arztkittel und bunte Kopfbedeckungen – als gehe es um eine spaßige, harmlose Sache und nicht um lebensverändernde Operationen.

In seiner Klinik sind Mastektomien ab 16 Jahren möglich – sogar ohne Gutachten, wenn die Eltern zahlen. „Grundsätzlich ist man mit 16 Jahren in der Lage, über seinen eigenen Körper zu entscheiden“, meint Krüger in einem Video vom Juli 2025. Doch „aus juristischen Gründen“ sei es besser, wenn beide Eltern zustimmen. In einem anderen Video begründet er sein Vorgehen, dass Gutachten für die Operationen nicht zwingend notwendig seien, damit: „Bei Mastektomien handelt es sich immer um einen reversiblen Eingriff.“

Wenn man nach dem Eingriff merkt, dass man „auf dem falschen Weg sich befunden hat“, könne man ja zum Beispiel Silikonimplantate einsetzen oder durch Fettinjektion einen Brustaufbau „wiederherstellen“. So, als wäre das das Gleiche wie eine gesunde, natürliche Brust. Als würde die Haut sich ohne Spuren zurückbilden. Krüger lässt die Fakten einfach weg: Milchdrüsen wachsen nicht von Zauberhand nach – womit die Möglichkeit entfällt, jemals ein Kind zu stillen. Dass der Begriff „reversibel“ eine Farce ist, müsste er als Mediziner genau wissen. Schon allein die Einnahme gegengeschlechtlicher Hormone hat irreversible Folgen.

Genau deshalb braucht es insbesondere bei Minderjährigen eine „sorgfältige, ergebnisoffene und langfristig orientierte Abklärung“ – das erklärte der Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Universitätsklinik Jena, Florian Zepf. Er stellt klar: „Wenn komplexe medizinische Eingriffe in Formaten erscheinen, die werblich wirken können oder ein besonders junges Publikum ansprechen, kann dies Erwartungen und Entscheidungsprozesse vulnerabler Minderjähriger beeinflussen“. Deshalb müsse es „eine klare Trennung zwischen medizinischer Information, persönlicher Erfahrung und kommerzieller Kommunikation“ geben. Zudem gebe es keine „ausreichende und belastbare Evidenz“, die für die Operationen an Jugendlichen spreche.

Ärzte, die den „affirmativen“ Behandlungsansatz, der ein kritisches Hinterfragen der vermeintlichen Transsexualität ablehnt, nicht unterstützen, gibt es in der Öffentlichkeit allerdings wenige. Alexander Korte beschreibt es in seinem Buch „Hinter dem Regenbogen“ so: In der Gesellschaft gebe es eine „auffallend große, bisweilen voyeuristisch anmutende Faszination“ für selbstverletzende Verhaltensweisen von jungen Frauen, „die sich Trends unterwerfen“. Zudem können Ärzten oder Psychologen sogar strafrechtliche Konsequenzen drohen, wenn sie die Transidentität kritisch hinterfragen. Obwohl genau das eigentlich ihre Aufgabe ist – um ihre Patienten zu schützen.

Sieht man die aggressive Werbung für Amputationen und andere medizinische Eingriffe, scheint das in einigen Einrichtungen aber überhaupt nicht mehr intendiert zu sein. Man bereichert sich auf Kosten junger Menschen, die vielleicht eine übereilte Entscheidung treffen – weil sie mit sich, ihrem Körper und ihrer Identität hadern. Menschen, die eigentlich jemanden bräuchten, der ihnen hilft, sich so anzunehmen, wie sie sind. Damit ihnen nicht das Schicksal widerfährt, von dem immer mehr junge Frauen betroffen sind: ein Leben ohne Gebärmutter, Eierstöcke oder eine gesunde Brust. Mit einem veränderten Körper, einer anderen Stimme und testosterongetriebenem Haarwachstum. Ein Leben in der Gewissheit, für den Rest des Lebens etwas verloren zu haben, was sich nicht wiederherstellen lässt.

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