Eine neue Untersuchung des Todes von Nirvana-Legende Kurt Cobain vor über 30 Jahren widerspricht der offiziellen Selbstmord-Theorie. Besonders brisant: Eine Spur könnte zu Jeffrey Epstein führen.
Am Morgen des 8. April 1994 liegt über dem schicken Stadtteil Denny-Blaine in Seattle eine friedliche Stille. In der von Bäumen gesäumten Straße am Lake Washington steht ein großes, 1902 erbautes Haus im Queen-Anne-Stil. Die Fassade zieren helle Holzschindeln, es hat große Fenster, die Auffahrt führt zu einer Garage, darüber ein Gewächshaus, zu dem man über eine schmale Außentreppe gelangt.
Das Portemonnaie ist aufgeklappt, der Führerschein herausgezogen.
Der Elektriker Gary Smith hat den Auftrag bekommen, ein Sicherheitssystem zu installieren. Sein Kunde ist nicht irgendwer, sondern einer der größten Rockstars der Welt zu dieser Zeit. Das Gebäude gehört Kurt Cobain, Sänger und Gitarrist der Band Nirvana. Der 27-Jährige war gemeinsam mit seiner zwei Jahre älteren Frau Courtney Love, Sängerin der Gruppe Hole, Anfang des Jahres dorthin gezogen.

Der Handwerker überprüft Kabelwege, sieht sich die Außenbereiche an und geht schließlich die Treppe zum Gewächshaus hinauf. Durch eine der Glasflächen sieht Smith eine Gestalt auf dem Boden liegen. Zunächst misst er dem keine Bedeutung bei, denn von außen wirkt es wie eine Schaufensterpuppe. Doch als der Elektriker näher an das Fenster herantritt, erkennt er, dass dort kein Gegenstand liegt, sondern ein Mensch, an dessen Kopf er Blut sieht.
Ein seltsamer Tatort
Smith ist wie vom Blitz getroffen. Er geht sofort die Treppe hinab und ruft die Polizei. Kurze Zeit später treffen Beamte des Seattle Police Department auf dem Anwesen am Lake Washington Boulevard ein. Als die Ermittler das Gewächshaus betreten, bestätigt sich der Verdacht: Auf dem Boden liegt eine Leiche. Es ist die von Kurt Cobain. Gerichtsmediziner sollen später feststellen, dass der Musiker schon drei Tage in dem Gewächshaus lag. Sein Todeszeitpunkt wird auf den 5. April 1994 datiert.
«Wenn die Hand so am Lauf war, dürfte gar keine Hülse ausgeworfen worden sein.» Forensiker Burnett
Die Leiche liegt auf dem Rücken, die Augen des Toten sind geschlossen. Auf seiner Brust liegt eine Remington-Schrotflinte, Kaliber 20, mit der sich Cobain in den Mund geschossen haben soll. Neben dem leblosen Körper finden die Ermittler mehrere Gegenstände: Eine Packung Zigaretten mit Feuerzeug, eine Zigarrenschachtel mit Heroin-Spritzbesteck und die Geldbörse des Rockstars. Sie ist aufgeklappt, der Führerschein leicht herausgezogen. Später hießt es, Cobain habe das Portemonnaie absichtlich so drapiert, um schnell identifiziert werden zu können.

Ein Fund, der sich als besonders brisant erweisen soll, steckt in einem Blumentopf: Ein Blatt Papier, befestigt mit einem roten Kugelschreiber. Es ist ein Brief, handgeschrieben, die Schrift in der Farbe des Kulis. Er soll als Abschiedsbrief des Musikers bekannt werden. In den letzten Zeilen wird eine Passage aus einem Lied von Rocklegende Neil Young, Cobains Vorbild, zitiert: «It’s better to burn out than to fade away» – Es ist besser auszubrennen als langsam zu verblassen.»
Die Meldung vom Tod des Nirvana-Stars wird zuerst vom lokalen Radiosender KXRX Seattle verbreitet. Danach bringen es alle großen Nachrichtenagenturen der Welt. Millionen von Fans trauern um ihr Idol. Der Obduktionsbericht soll später besagen, was anfangs nur als Gerücht die Runde macht: Cobain, der schon seit einiger Zeit an Drogenproblemen litt, habe sich Heroin gespritzt, das Gewehr angesetzt und abgedrückt. Suizid!
Ein manipulierter Brief
Brian Burnett, ein unabhängiger Forensiker, der spezialisiert ist auf Fälle, bei denen eine Überdosis Drogen mit Schussverletzungen zusammentrifft, hat mit einem internationalen Team von Spezialisten den Fall neu untersucht. Basierend auf öffentlich zugänglichen Dokumenten wie dem Autopsiebericht (2023 freigegeben), dem Feuerwaffenbericht, diversen Polizeiakten, 37 Tatortfotos sowie fünf Bildern der Schrotflinte sind sie zu dem Schluss gekommen, dass Cobain sich nicht selbst umgebracht hat, sondern Opfer eines Verbrechens wurde. Ihre These: Der Musiker sei zunächst mit einer extremen Dosis Heroin außer Gefecht gesetzt und dann erschossen worden.

Tatsächlich sind die Ergebnisse, die Burnett und seine Kollegen in einem forensischen Fachmagazin veröffentlicht haben, überaus brisant. Besonderes Augenmerk legten sie auf den Zustand der Organe, wie er aus dem Obduktionsbericht hervorgeht. «Die Nekrose von Gehirn und Leber sieht man bei einer Überdosis. Nicht bei einem sofort tödlichen Schrotflintenschuss», so die Experten. Der Musiker sei nach der Zuführung des Rauschgiftes gar nicht mehr in der Lage gewesen, den Abzug zu betätigen. Denn der hohe Morphin-Level im Blut deute auf eine Heroinmenge hin, die weit über typischen tödlichen Überdosierungen liege und wahrscheinlich binnen Sekunden oder höchstens Minuten Bewusstlosigkeit verursacht habe. Zudem hatte Cobain Diazepam im Blut, was diese Wirkung massiv verstärke. Darüber hinaus deute die Einstichstelle am linken Unterarm auf eine erzwungene Injektion hin – und zwar intramuskulär, nicht in eine Vene, wie es bei Heroinkonsum üblich ist.
Doch es gibt weitere Auffälligkeiten. So soll Cobains linke Hand den Lauf der Schrotflinte umfasst haben – doch es fanden sich an ihr kaum Blutspuren. Stattdessen gab es einen sogenannten Transferfleck am Daumen, der auf postmortalen Kontakt mit dem blutigen Lauf hindeutet. Hinzu kommt: Der Einschuss am oberen harten Gaumen befand sich in einem Winkel von etwa 35 Grad zur Mittellinie, was laut den Forensikern für Selbstmorde atypisch sei (üblich: 60 Grad) und eher Mordwinkeln (bis 90 Grad) entspreche. Und: Die Patronenhülse wurde unweit der Leiche gefunden – und zwar in einer Position, die nach einer eventuellen Selbstentladung nach Herabfallen des Gewehrs unmöglich sei. Mehr noch: «Wenn die Hand so am Lauf war, dürfte gar keine Hülse ausgeworfen worden sein», so Burnett. Die verwendete Waffe hat einen langen Rückstoßmechanismus, der eine ungehinderte Bewegung des Laufs erfordert, um die Hülse auszustoßen. Im Selbstmordszenario hätte Cobains linke Hand den Lauf in der Nähe des Kompensators gegriffen, was den Rückstoß blockiert und den Auswurf verhindert hätte. Das Team testete dies mit über 30 Schüssen unter ähnlichen Bedingungen und stellte fest, dass keine Hülse ausgestoßen wurde, wenn der Lauf behindert war.
Courtney Love stand in Epsteins Adressbuch und kannte Ex-Prinz Andrew.
Schließlich wirft auch der angebliche Abschiedsbrief des Nirvana-Frontmannes Fragen auf – denn die Schrift des letzten Abschnitts unterscheidet sich deutlich vom Rest. Sie ist größer, krakeliger. Besonders brisant ist dies, weil im Hauptteil, der fraglos von Cobain stammt, nur vom Ausscheiden aus dem Musikbusiness die Rede ist. Auf einen Abschied aus dem Leben deutet nur die Passage in abweichender Schrift hin.
Ein tödlicher Auftrag
Die neuen Erkenntnisse stützen die Mordtheorie, die schon mehrfach aufgestellt wurde, etwa in der BBC-Doku Kurt & Courtney (1998) oder zuletzt von Ian Halpering in seinem Buch Case Closed: The Cobain Murder (2023). Eine zentrale Rolle spielt dabei Privatdetektiv Tom Grant, der von Cobains Ehefrau Courtney Love am 3. April 1994 beauftragt wurde, ihren Mann zu suchen. Der Nirvana-Sänger hatte sich Ende März in eine Entzugsklinik in Los Angeles begeben, verließ diese aber urplötzlich am 1. April. Grant erscheinen mehrere Punkte verdächtig. So habe Love ihm zunächst gesagt, ihr Mann befinde sich möglicherweise in einem Hotel, während sie gleichzeitig andere Personen anwies, nach ihm im Haus am Lake Washington zu suchen.

Tatsächlich wirft das Verhalten der Ehefrau, die selbst ein Drogenproblem hatte, viele Fragen auf. Laut einem Beitrag der Neuen Osnabrücker Zeitung, die die letzten Wochen im Leben des Rockstars rekonstruiert hat, behauptete Love mehrmals, dass ihr Gatte suizidgefährdet sei, was Freunde und Kollegen Cobains nicht bestätigen konnten. Es kam häufig zu Streit zwischen den Eheleuten, bei seinem Kumpel Dylan Carlson besorgte sich Cobain das Remington-Gewehr. Er bräuchte etwas, um sich selbst zu verteidigen, so die Begründung. Nach Grants Recherchen habe der Nirvana-Frontmann kurz vor seinem Tod über eine Scheidung nachgedacht. Damit wäre Love ein Vermögen durch die Lappen gegangen. Sie wurde nach dem Tod ihres Mannes Verwalterin seines Nachlasses inklusive der Verwertungsrechte seiner Musik, die auf 245 Millionen Dollar geschätzt werden.
Eine der spektakulärsten Aussagen stammt aus Kurt & Courtney. In der Doku behauptet Eldon Hoke, Sänger der Punkrock-Band The Mentors, jemand habe ihm 50.000 Dollar angeboten, um Cobain zu töten. Der Auftrag dazu sei direkt von Love gekommen. Er habe das Angebot jedoch abgelehnt. Kurz nach den Dreharbeiten, im April 1997, wurde er im kalifornischen Riverside von einem Zug erfasst und starb – offiziell ein Unfall.
Grunge-Ikonen
Von Sänger und Gitarrist Kurt Cobain sowie Bassist Krist Novoselic 1987 in Aberdeen im US-Bundesstaat Washington gegründet, entwickelten sich Nirvana zu einer der einflussreichsten Bands der Rockgeschichte. Mit wechselnden Schlagzeugern – ab 1990 schließlich Dave Grohl – fand die Gruppe ihre klassische Besetzung. Als Pioniere des Grunge verband die Combo rohe Punk-Energie mit eingängigen Melodien und prägte den Sound einer ganzen Generation. Ihr Durchbruch gelang 1991 mit dem Album Nevermind, dessen Single «Smells Like Teen Spirit» weltweit zum Symbol der Jugendkultur wurde. Nevermind verkaufte sich über 30 Millionen Mal und verdrängte arrivierte Pop-Größen von den Spitzen der Charts. Auch das Nachfolgealbum In Utero (1993) erreichte Platz eins in mehreren Ländern. Insgesamt setzten Nirvana über 75 Millionen Tonträger ab. Trotz des kurzen Bestehens – das Ende kam 1994 nach Cobains Tod – bleibt Nirvanas Einfluss enorm. Die Band machte alternative Sounds massentauglich und gilt bis heute als Ikone der Neunzigerjahre.
Eine noch dunklere Theorie dreht sich um Jeffrey Epstein. Tatsächlich tauchte Courtney Love im «Little Black Book», dem Adressbuch des Sexualstraftäters, mit ihrer früheren Anschrift in Beverly Hills und mehreren Telefonnummern auf. In den unlängst veröffentlichten Epstein-Akten findet sich sogar Bild, das die Musikerin mit Ex-Prinz Andrew zeigt. Der soll Love nach «Partys mit Mädchen» gefragt haben. Es gibt auch eine Aussage ihres Vaters Hank Harrison von 2020, der andeutet, dass seine Tochter für dubiose Kreise tätig sei. Kam Cobain dahinter – und musste deshalb sterben? Von der Polizei in Seattle wird man keine Antwort erwarten dürfen – denn die lehnt es trotz der neuen Erkenntnisse von Burnett und seinen Kollegen ab, die Ermittlungen wieder aufzunehmen.

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