In Russland spielt sich gerade der wohl größte kunsthistorische Kriminalfall des Jahrhunderts ab! Es geht um 1.000 Kunstwerke, darunter 200 Gemälde, Skulpturen, Grafiken und Ikonen mit einem angeblichen Gesamtwert von 2 Milliarden US-Dollar. Im Mittelpunkt der Ereignisse steht Wladimir Putin – wenn auch unfreiwillig. Doch was genau hat der russische Präsident mit diesem spektakulären Kunst-Krimi zu tun?
von Günther Strauß
Der kunsthistorische Krimi um eine der meistgehypten privaten Kunstsammlungen Russlands nähert sich seinem Höhepunkt. Die Mythen um diese Sammlung entstanden bereits in den 60er-Jahren im Bohème-Milieu Moskaus. Nun stellt sich heraus, dass sogar die Echtheit der Exponate ein Mythos ist.
Die Sammlung wurde von einem Ehepaar zusammengetragen, das seit den 1960er-Jahren in der russischen Künstlerbohème bekannt war – dem berühmten nonkonformistischen Maler Eli Beljutin und seiner Frau, der Kunsthistorikerin Nina Molewa. In zahlreichen Interviews, Dokumentarfilmen und Büchern berichteten sie über die Entstehung ihrer Sammlung. Die geheimnisvolle Aura rund um sie wurde geschickt inszeniert. Nach Angaben des Ehepaares waren an der Entstehung der Sammlung der Großvater des Künstlers – der Maler der kaiserlichen Theater Iwan Grinew – sowie sein Urgroßvater italienisch-polnischer Herkunft Paolo Belucci beteiligt.
Nach Beljutins Tod verfasste Molewa ein Testament, das auf den “Präsidenten Russlands” lautete – und auch diese Tatsache sorgte sofort für Aufsehen. Es wurden astronomische Summen genannt, die die Sammlung wert sein könnte. Die Zeitungen waren voll von Schlagzeilen wie “Kunstsammlung im Wert von zwei Milliarden Dollar an Wladimir Putin vererbt”.
Nach dem Tod Molewas wiesen Juristen darauf hin, dass die Formulierung “die Sammlung dem Staat in Person seines Präsidenten zu übertragen” äußerst fehlerhaft sei. Daher wurde das Testament Gegenstand gerichtlicher Verfahren, die Sammlung wurde als “erbloses VermÃ










