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Libanon: So schön war Beirut

So schön war Beirut
Die libanesische Hauptstadt Beirut.

Der Libanon galt mal als die Schweiz des Nahen Ostens. Im Jahr 2011 beschrieb die Reporter-Legende Manuel Ochsenreiter das Nachtleben in Beirut und besuchte dafür auch die Hisbollah-Viertel. Angesichts der gegenwärtigen Zerstörung der libanesischen Hauptstadt durch israelische Bomben und Raketen wollen wir an die einst pulsierende Metropole erinnern.

von Manuel Ochsenreiter

Beirut braucht uns. Die libanesische Hauptstadt, die Perle der Zedernrepublik ist in Gefahr. Nein, nicht Bombenbauer und Milizen bedrohen es in diesen Tagen, sondern eine spezielle Sorte Tourismus. Dem Hamburger Nachrichtenmagazin Der Spiegel kann der post-moderne Wandel der einst so schönen, stolzen Levante-Stadt in ein rosa Eldorado gar nicht schnell genug gehen. Im letzten Jahr gab es daher jede Menge Partytipps unter der Überschrift «Willkommen in Arabiens schwuler Party-Metropole!»

Und gleichzeitig beginnen die saudischen Snobs aus der Wüste, eine Kneipe nach der anderen in Beirut ihren noblen Bedürfnissen anzupassen. Während sie zu Hause in Riad brav gen Mekka beten, lassen sie in Beirut zu literweise Luxuswodka in sogenannten Supernightclubs und Nobelbars, die allerorten aus dem Boden schießen, die Sau raus – Allah schaut dabei hoffentlich weg.

Daher: Beirut braucht uns. Unbedingt. Besucher, die die Stadt so zu nehmen wissen, wie sie ist: bunt, chaotisch, im besten Sinne multikulturell – aber ohne Claudia Roth! von quietsch-reaktionär bis faustgeballt-revolutionär. Hauptsache: Widerstand! Und die schönsten Orte der Stadt stehen nicht unbedingt in jedem dahergelaufenen Reiseführer. Doch die Leser von COMPACT wissen in Zukunft mehr, anbei also die aufregendsten Tipps für ein verlängertes Beirut-Wochenende, bei dem man garantiert dem westlich-schwülen Ringelpiez und Rolex-tragenden Wüstensöhnen entwischt.

St. George’s Yacht Club & Marina: Die Traditionslocation existiert seit 1930. Heute ist der Club so etwas, wie das letzte gallische Dorf von Asterix und Obelix. Denn er leistet Widerstand gegen das Mammutbauunternehmen Solidere der Präsidentenfamilie, des Hariri-Clans, welches seit seiner Gründung Mitte der 1990er Jahre Downtown-Beirut in eine Zuckerbäcker-Luxus-Stadt für die oberen Zehntausend ausbaut. Das Hariri-Unternehmen will seit langem auch St. George’s nebst Traditionshotel aufkaufen und umbauen – doch der Eigentümer leistet erbitterten Widerstand. An den Häuserwänden hängen daher gigantische «Stop Solidere»-Plakate, die Angestellten des Clubs tragen T-Shirts mit der Parole.