Ausnahmezustand in der spanischen Exklave Ceuta! Migranten aus Marokko haben die Grenze übers Meer durchbrochen und stürmen aktuell die Hafenstadt. Jetzt rufen die Behörden vor Ort sogar das Militär um Hilfe, um die Situation unter Kontrolle zu bringen.
Seit einigen Tagen verzeichnet das Aufnahmezentrum für Flüchtlinge in Ceuta einen wahren Ansturm von Flüchtlingen. Hunderte Migranten sind von marokkanischem Boden aus schwimmend auf das spanische Gebiet gelangt. Sie schlafen nun zu Hunderten vor dem Auffanglager Centro de Estancia Temporal de Inmigrantes (CETI) in der spanischen Stadt. Hier sind die Kapazitäten erschöpft.
Siguen desplazándose miles de marroquíes hacía la frontera de Ceuta. pic.twitter.com/rrFYSUfSaT
— David Santos (@davidsantosvlog) July 30, 2026
Die Stadtverwaltung des spanischen Ceuta spricht von einer extrem ernsten Situation. Sie fordert von der Zentralregierung in Madrid zusätzliche Kapazitäten, den Ausruf einer Nationalen Notlage und schnellere Weiterleitungen auf das Festland.
Illegale Migranten nach Ceuta sind kein neues Phänomen. Schwimmversuche vom Festland aus gibt es jedes Jahr. Der aktuelle Ansturm geht jedoch weit über das Übliche hinaus. Die örtlichen Behörden sprechen von einer echten Krise und vergleichen die Intensität mit dem Ausnahmeereignis vom Mai 2021, als in wenigen Tagen über 10.000 Menschen nach Ceuta gelangten. Diese Krise soll laut Lokalzeitungen übertroffen worden sein. In der spanischen Zeitung „El Faro de Ceuta“ spricht man mittlerweile von einer „Invasion“.
Neues Urteil verhindert sofortige Zurückweisungen
Was den aktuellen Ansturm befördert haben kann, ist ein aktuelles Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs vom 8. Juli 2026. Dieser hat die Chancen auf Aufnahme der Migranten offenbar deutlich verbessert. Sofortige Zurückweisungen („devoluciones en caliente“) sind bei Personen, die schwimmend ankommen, danach nicht mehr zulässig. Betroffene haben Anspruch auf ein ordentliches Verfahren. Das unterscheidet sie von jenen, die die Landzäune überwinden.
Die spanische Exklave Ceuta
Ceuta grenzt direkt an Marokko und ist durch hohe Doppelzäune, Überwachungstechnik und Patrouillen stark gesichert. Die massive Sperranlage, die die Europäische Union vom marokkanischen Staatsgebiet trennt, reicht mittlerweile bis ins Meer hinein und ist mit modernster Überwachungstechnik ausgestattet. Doch die illegalen Migranten finden immer neue Wege, um nach Europa zu gelangen.
Fast 90 Prozent der illegalen Migranten schwimmen einfach um den Zaun herum. Dies erfolgt von den marokkanischen Stränden umliegender marokkanischer Ortschaften aus. Wer spanischen Boden betritt, befindet sich auf EU-Gebiet. Die Landgrenze mit ihren Zäunen ist schwerer zu überwinden, weshalb viele den gefährlichen Seeweg wählen.
Ziel der Migranten aus Afrika ist in der Regel nicht Ceuta selbst. Die kleine Exklave ist vielmehr das Einstiegstor in die Europäische Union. Einmal EU-Boden betreten beantragen Migranten Asyl und zielen damit auf Weiterreise auf das spanische Festland und weiter nach Europa. Unbegleitete Minderjährige rechnen zudem mit einem besonderen Schutzstatus, der Rückführungen erschwert.
Zugespitzte Lage
NIUS-Reporter Marc Sierzputowski hielt sich für seine Dokumentation „Ceuta: Das Einfallstor für Migration, die die Politik nicht stoppen will“ noch vor Kurzem vor Ort auf. Sierzputowski berichtet: „Im Aufnahmelager war bereits im Juni alles voller Flüchtlinge, die dort auch für längere Zeit leben.” Man konnte dies bereits von außen erkennen.












