Das ZDF will Facebook, Instagram und Co. Konkurrenz machen. Doch das wird Millionen kosten. Was die neue Social-Media-Offensive aus Mainz über den angeblichen Reformwillen der Öffentlich-Rechtlichen aussagt.
Am 21. März brachte das ZDF einen Beitrag anlässlich des 20jährigen Bestehens des Kurznachrichtendienstes Twitter, welcher seit der Übernahme von Elon Musk X heißt. Die Plattform stünde mittlerweile für eine vergiftete Debattenkultur, so Moderator Mitri Sirin. Die Erzählung dieses Beitrags soll dem Zuschauer nahebringen, dass das soziale Netzwerk früher für unvergessliche Posts stand, wie etwa jener von Barack Obama aus dem Jahr 2013 nach dessen erneutem Sieg im Präsidentschaftsrennen: „Vier weitere Jahre.“ Darunter ein Bild mit seiner Gattin. Doch der Nachrichtendienst habe sich verändert, so die Stimme aus dem Off, weil „Hassnachrichten“ zunehmen würden. Der Umstand, dass fragwürdige Kommentare auf jeder Plattform zu finden sind, wird dabei ausgespart und suggeriert, dies sei ein exklusives Problem von X.
Als Protagonist kommt der Medienunternehmer und -Analyst Michael Umlandt zu Wort. Seine Qualifikation: Er hat das ZDF einst auf Twitter geholt und danach zwischen 2014 und 2016 auch selbst für die Plattform gearbeitet. Als er den Konzern verließ, habe er aber „sogar seinen eigenen Account gelöscht“, kommentiert der Beitrag. Musk erwarb die Plattform im Oktober 2022, also deutlich später. Umlandt erklärt, dass Elon Musk schuld daran sei, dass man nicht mehr auf der Plattform sein wolle. Dort herrsche inzwischen ein „Anschreien gegen Windmühlen“. Leider teilt das ZDF nicht mit, dass Umlandt eine Firma gemeinsam mit der ZDF-Frontfrau Dunja Hayali betreibt und für die Satiresendung „Die Anstalt“ arbeitet.
Öffentlich-rechtlicher Kleinkrieg gegen X
Das ZDF lässt keine Gelegenheit aus, um gegen Elon Musks Plattform zu schießen. Und zwar aus gutem Grund, schließlich arbeitet der Sender seit einigen Jahren an einer eigenen Kommunikationsplattform. Dies passiert relativ geräuschlos hinter den Kulissen, was zahlreiche Fragen aufwirft. Seit 2023 läuft die Entwicklung einer öffentlich-rechtlichen Alternative mit dem Titel „Public Spaces Incubator“. Das Vorhaben startete offiziell als Forschungsprojekt. Dazu schloss sich das ZDF zunächst mit den öffentlich-rechtlichen Anstalten SRG aus der Schweiz, CBC aus Kanada und RTBF aus Belgien zusammen. Später kamen die ARD und ABC aus Australien mit an Bord.











