Wäre man ernsthaft an Tierschutz interessiert, hätte man den seit Tagen durch die deutsche Ostsee irrenden Buckelwal schon nach dem ersten Stranden durch einen Jäger von seinen Qualen erlöst und der Natur überlassen. Stattdessen missbrauchen Medien das arme Tier wochenlang, um flächendeckend von den wirklichen Problemen in Deutschland abzulenken.
Seit Tagen wird intensiv über das Schicksal des Buckelwales berichtet, der sich in der Ostsee verirrt hat und versucht, wieder in den Atlantik zu gelangen, dabei aber immer wieder strandet. Politiker, Greenpeace, Meeresbiologen und alle möglichen anderen Leute und Organisationen schalten sich in die Rettungsaktion ein, die Medien greifen das Thema in endloser Breite auf, der “Norddeutsche Rundfunk” und „Bild“ informieren in speziellen Live-Tickern permanent über das “dramatische Geschehen” in der Ostsee. So schloss „Bild“ seinen gestrigen Ticker am späten Abend mit der Meldung, dass Till Backhaus, der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, die Umweltschutzorganisationen Greenpeace und Sea Shepherd sowie das Deutsche Meeresmuseum und ITAW eine „traurige Prognose“ abgegeben hätten: Für den nach kurzer Befreiung vor Timmendorfer Strand erneut gestrandeten, daher „Timmy“ getauften Wal werde es nicht einfach sein, den “Weg nach Hause” – in den Atlantik – zu finden. „Die Liegeposition des Wals ist ungünstig, da das Wasser in der Umgebung sehr flach ist und daran wird sich bis morgen nur wenig ändern. Dazu ist die Bucht sehr verwinkelt. Die Gesamtprognose für das Tier ist nicht gut“, so die offizielle Mitteilung. Dennoch wolle man die Hoffnung nicht aufgeben. „Kämpfen, Timmy!“, appellieren Tierschützer, Schaulustige und Boulevard im Gleichtakt. „Wie geht es dem armen Timmy wirklich? Das soll am Mittwochmorgen herausgefunden werden. Ein Team soll den Zustand des angeschlagenen Wals überprüfen. Wir drücken die Daumen, dass Timmy den Umständen entsprechend fit ist!“, und: „Backhaus schließt Euthanasie aktuell aus“, lauteten allein gestern nur einige der Schlagzeilen. Backhaus verkündete: „Für mich stirbt die Hoffnung zuletzt und ich kämpfe für das Leben von Tieren und auch Menschen bis zur letzten Sekunde.“
So geht das seit Tagen. Neben der zwar nachvollziehbaren, aber doch leicht hysterischen und infantilen Vermenschlichung eines Meeressäugerns geht es bei der Berichterstattung um das Tier, das quasi pars pro toto für den Überlebenskampf einer Spezies in einer vom Menschen schuldhaft zerstörten Umwelt steht, noch um etwas anderes: Um Projektion. Denn man muss kein Tiefenpsychologie sein um zu










