Medien

„Mannheimer Morgen“ druckt geschwärztes AfD-Interview

"Mannheimer Morgen" druckt geschwärztes Interview mit AfD-Abgeordneten
So sieht das Ergebnis aus, wenn ein AfDler vom – allen Politikern zugestandene – Recht auf Autorisierung eines Interviews vor Veröffentlichung Gebrauch macht.

Schwärzen, anprangern, bloßstellen! Weil AfD-Politiker Heinrich Koch Teile seines Interviews nicht zur Veröffentlichung freigibt, verwandelt der „Mannheimer Morgen“ das Gespräch kurzerhand in eine bizarre Schwarzbalken-Inszenierung.

von Alexander Schwarz

Diese selbstgleichgeschalteten Medienmitläufer merken absolut gar nichts mehr: Der „Mannheimer Morgen“ (MM) hat ein Interview mit dem AfD-Bundestagsabgeordneten Heinrich Koch zum Vorwand genommen, um als weiteres Mainstream-Medium wieder Breitseiten gegen die AfD zu feuern. Das Interview, das im Rahmen von Kochs Funktion als AfD-Fraktionsvorsitzender des Mannheimer Gemeinderats geführt wurde, erschien in weiten Teilen geschwärzt. „Nein, da ist uns nicht die Druckerschwärze ausgelaufen. Und das ist auch kein Pixel-Fehler in der App. Nur der Versuch eines AfD‑Politikers, die Pressefreiheit zu beschneiden“, textet MM-Chefredakteurin Miriam Scharlibbe dazu.

Ein Hohn sondergleichen: Tatsächlich handelt es sich um eine bizarre Umkehr der Tatsachen. Denn jeder Interviewte hat bei Zeitungsinterviews das Recht zur Autorisierung, das heißt: anders als bei Live-Interviews etwa in Online-, Radio- oder Fernsehinterviews hat er vor Veröffentlichung die Möglichkeit, die Endfassung zu autorisieren und vor Freigabe entsprechende Kürzungen vornehmen. Journalisten haben dieses Recht zu respektieren, das selbst bei Bild- und Toninterviews, die aufgezeichnet werden, besteht. Es wird vor allem dann angewandt, wenn nicht das gesprochene Wort gilt, sondern von der Redaktion ein Transkript oder eine Art ausformulierte Interviewfassung aus einem Dialog erstellt wird. So war es auch im Fall von Koch.

Klimaideologie und Sippenhaft

Erkennbar hatte das Mannheimer Lokalblatt aber im Sinn, Koch möglichst schlecht dastehen zu lassen. Bei Scharlibbe klingt das so: Aus dem zweistündigen Gespräch sei ein schriftliches Interview entstanden, das Koch im Zuge der Autorisierung um zwei Drittel habe kürzen wollen. Antworten, die seine Ämterfülle auf Bundes- und Regionalebene betreffen, und seine Ausführungen zum Klimawandel und den Rekordtemperaturen des Sommers, fehlten nach der Kürzung zum großen Teil. Koch habe sich auch geweigert, sich zu einem WhatsApp-Status seiner als Stadträtin arbeitenden Ehefrau Silke Koch zu äußern, in dem diese Bilder von muslimischen Frauen in Burkinis mit „Dreck“ beschriftet hatte – eine Frage, die korrekterweise dann an Kochs Frau und nicht an ihn zu richten gewesen wäre, wenn man nicht die gegen AfDler übliche Sippenhaft zugrundelegt  „Sogar die Fragen unseres Redakteurs wollte Koch ändern“, empörte sich Scharlibbe. Die Autorisierung von Interviews sei hierzulande zwar üblich, stelle aber „keine Einladung zum Eingriff in die journalistische Freiheit“ dar.

Dass Koch um Streichung einzelner Antworten bat, mag der Chefredakteurin zwar nicht passen – aber sie muss es dennoch akzeptieren. Koch hätte das Interview auch komplett zurückziehen können. Interessant wäre es zu wissen, wie vielen nachträglichen Änderungen das Blatt bei anderen, genehmeren Politikern bereitwillig zugestimmt hat. Fraglos hätte der MM Kürzungen bei jedem anderen Interviewpartner irgendeiner anderen Partei anstandslos akzeptiert. Doch hier, bei der Schwefelpartei AfD, witterte man erkennbar  die Gelegenheit, die angebliche Ablehnung der Meinungsfreiheit ausgerechnet durch die AfD (selten so gelacht!) “sichtbar“ zu machen, indem die gekürzten Passagen schwarz abgedruckt wurden.

Wer spielt hier unfair?

Es handelt sich um einen einzigartigen Vorgang, der immerhin den unbeabsichtigten Effekt hat, dass jedem Leser sogleich die absolute Ungleichbehandlung dieser Partei auch maximal voreingenommene “Journalisten“ ins Auge fällt. „Kaum eine Partei schimpft so sehr über freie Medien und Journalismus, wie die AfD. Sie will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen, schließt Journalisten von Veranstaltungen aus und schreckt auch nicht davor zurück, Reporter zu beschimpfen. Begründet wird dies gerne mit einem angeblich unfairen Umgang der Medien mit AfD-Politikern“, rotiert Scharlibbe weiter – ohne zu realisieren, dass sie selbst hier gerade den ultimativen Beweis für die Richtigkeit dieser AfD-These erbringt. An Kochs Vorgehen, moserte sie weiter, lasse sich erkennen, dass es „vielen AfDlern nicht um Fairness“ gehe, auch nicht darum, „Fragen zu beantworten oder Raum für andere politische Ansichten zu haben. Denn immer, wenn Journalisten genau diesen Raum öffnen, werden darin geltende Spielregeln mit Füßen getreten“. Fairness lässt jedoch vor allem der MM selbst missen.

Wenn man den genauen Hergang und Kochs tatsächliche Änderungswünsche auch nicht kennt, legt schon allein Scharlibbes aggressive Tirade mit ihren Unterstellungen und Falschbehauptungen den Verdacht nahe, dass es sich auch bei dem “Gespräch“ mit Koch in Wahrheit wieder um ein Verhör eines AfD-Politikers durch maximal voreingenommene linke Überzeugungsaktivisten in der Larve von Journalisten gehandelt haben muss, bei dem der Delinquent mit Suggestivfragen traktiert wurde, um ihn in ein möglichst schlechtes Licht zu rücken.

Die AfD benennt reale journalistische Defizite

Ein unvoreingenommener Faktencheck hätte Scharlibbe ihre Vorurteile selbst aufzeigen können: Zunächst einmal schimpft die AfD in keiner Weise über „freie Medien“ (abgesehen davon, dass unter diesem Begriff die unabhängigen, nicht systemkonformen Medien verstanden werden, zu denen die AfD sehr gute Beziehungen pflegt und deren ständige Diskriminierung und Bekämpfung durch den Linksstaat sie anprangert!). Stattdessen identifiziert sie die ideologisch einseitigen Mainstream-Medien, die eine klare Anti-AfD-Agenda verfolgen, richtigerweise als Misstand. Und die AfD-Forderung nach Abschaffung des grotesk parteiischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks wird übrigens von Millionen frustrierten Zwangsgebührenzahlern geteilt und ist eine legitime politische Forderung.

Es ist zu befürchten, dass sich diese maliziöse Grundhaltung des „Mannheimer Morgen“ gegenüber der AfD auch in der Interviewführung mit Koch niederschlug und man dessen – vermutlich mehr als begründete – Streichungen nun als willkommenen Vorwand nutzt, um genau das über die Partei zu schreiben, was man ohnehin im Sinn hatte. Ohne Kochs Version der Ereignisse bleibt jedenfalls der Eindruck, dass hier wieder einmal ein tendenziell linkes Provinzmedium mit Riesengetöse einen Skandal konstruiert hat, um die Haltungsduftnoten zu setzen und sich wichtig zu machen.

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