Meinung

Nazis, überall Nazis! Die bizarre linke Sehnsucht nach Weimar

Nazis, überall Nazis! Die bizarre linke Sehnsucht nach Weimar
Potsdam: Demonstranten auf dem Altem Markt

Das AfD-Geheimtreffen „nur acht Kilometer“ vom Ort der Wannseekonferenz entfernt und rechtsradikale Bauern. Nazis, überall Nazis. Und selbst Margot Friedländer verdreht man für die eigene Agenda. Dahinter steckt eine linke Obsession und moralische Berauschung, die vor allem eins ist: Peinlich!

von Max Mannhart

Hitler verkauft immer. Nach der Devise arbeitete der Spiegel Jahrzehnte; wann immer sich eine Themenlücke auftat, so wurde sie mit einem Hitler-Cover gefüllt. Noch 2010 und 2011 waren die beiden jeweils zweit meistverkauften Spiegel-Hefte des Jahres solche, mit Hitler auf dem Titelblatt. Bis heute leben ganze Fernsehsender von Dauerwiederholungen von Dokumentationen wie „Hitlers geheime Superwaffen“ oder „Atlantikschlacht – der totale U-Boot-Krieg“.

Die allgemeine deutsche Obsession mit Hitler führt in der Normalbevölkerung im besten Fall zu einer tieferen Auseinandersetzung mit den Schrecken des Nationalsozialismus, im schlechtesten Fall zum Lesen von Landserheften. Doch die politische Linke hat längst ihr ganz eigenes Ventil gefunden: den Kampf gegen Rechts.  Im enthüllenden Artikel zum angeblichen Remigrations-Deportations-„Geheimtreffen“ bei Correctiv heißt es:

 „Womöglich ist es auch Zufall, dass die Organisatoren gerade diese Villa für ihr konspiratives Treffen gewählt haben: Knapp acht Kilometer entfernt von dem Hotel steht das Haus der Wannseekonferenz, auf der die Nazis die systematische Vernichtung der Juden koordinierten.“ 

Auch die Tagesschau wiederholt den Hinweis auf die Distanz zum Haus der Wannseekonferenz. Acht Kilometer – man könnte auch sagen: 2 Stunden und 31 Minuten zu Fuß oder eine Stunde und sechs Minuten mit der Bahn. Nicht unbedingt sonderlich nah. Aber es muss ja irgendwie passen – „womöglich ist es auch Zufall“ schreibt Correctiv. Man hält es also wirklich für möglich, dass man den Ort an der Wannseekonferenz orientierte.

Die Wannseekonferenz – alles Zufall?

Der bei näherer Betrachtung völlig inhaltsleere Vergleich offenbart aber vor allem, den katastrophalen Stand der „Erinnerungskultur“. Offenbar ist es für große Teile der politischen Öffentlichkeit wesensbestimmendes und einzig erinnerliches Merkmal der Wannseekonferenz, dass sie an einem See stattgefunden hat. Jeder, der sich einmal die erschreckend detailreich vorhandenen Protokolle der gerade einmal 90 Minuten langen Konferenz angeschaut hat, dem können derartige Vergleiche eigentlich kaum so leicht über die Lippen gehen.

Der beklemmende Bürokratismus, mit dem höchste Staatsbeamte die Details des Holocausts besprochen haben, die unheimliche Akribie, mit der letzte Details, wie etwa die „verschiedenen Arten der Lösungsmöglichkeiten“ für „Vierteljuden“ besprochen wurden und schließlich die europaweiten Statistiken und Zahlen zur Massendeportationen, die ein junger Stabsoffizier namens Adolf Eichmann zum allgemeinen Lob der Runde vorgetragen hat. Die Konferenz behandelte die millionenfache Deportation und Ermordung von Juden, als ginge es um Absatzzahlen von Maschinenschrauben.

Größter Streitpunkt war die Frage, die Juden welcher Gebiete denn zuerst einer „Sonderhandlung“ zugeführt werden sollten. Das „Generalgouvernement“ (besetzte Gebiete in Polen) bat darum, dass doch die Juden hier zuerst „evakuiert“ werden sollen. Schließlich war es ausgerechnet Wilhelm Stuckart, Co-Autor der Nürnberger Rassengesetze, der in der Debatte der noch gemäßigste unter den Massenmördern war. Nach Kaffee und Kuchen reiste Reinhard Heydrich zufrieden ab.

Man fragt sich schon, wie man auf die Idee kommen kann, diese unbeschreiblichen Szenen mit ein paar ganz überwiegend über keine politische Macht verfügenden Akteuren zu vergleichen, die jetzt tagelang über eine politische Wende taggeträumt haben. Und – nach allem, was man weiß – ganz am Rande einmal über das Thema „Remigration“ gesprochen haben, wo es dann auch um die Ausbürgerung von kriminell gewordenen Doppelstaatlern ging. Teilnehmer erinnern sich anders.

Allerdings diskutierte auch die SPD noch zuletzt über die Ausbürgerung antisemitischer Doppelstaatler. Die wenigen Sätze, die Correctiv zitiert, sind gleichsam eklig und teils menschenverachtend, aber auch in der politischen Landschaft völlig irrelevant. Dafür, dass Correctiv gleich das ganze Hotel verwanzt hat, ist die Geschichte insgesamt einfach dünn.

Die Verbindung zur Wannseekonferenz ist vermutlich vor allem reinem Größenwahn geschuldet. Man denkt, man habe gerade den Megageheimplan der neuen Rechten aufgedeckt, von historischer Relevanz. Dabei verbreiten Identitäre Aktivisten wie Martin Sellner exakt diese Pläne seit Jahren auf YouTube. Aber für diesen journalistischen Größenwahn habe ich noch kollegiales Verständnis. Sich als Correctiv allerdings massiv vom Staat finanzieren zu lassen, um damit dann mit geheimdienstartigen Methoden Stimmung gegen eine Oppositionspartei zu machen, das überschreitet dann doch eindeutig die Grenzen des Berufsethos.

Die PR-Schleuder macht auch vor Margot Friedländer nicht halt

Doch die Empörungsspirale drehte sich nach der Enthüllung immer schneller, schließlich schaltet sich Bundeskanzler Olaf Scholz ein. Tausende demonstrieren an zahlreichen Orten in Deutschland, SPD und Grüne gemeinsam mit linksradikalen, teilweise anti-israelischen und holocaustverharmlosenden Gruppen. Aber das ist egal.

Und dann der Höhepunkt. Im Zuge der „Wannseekonferenz 2.0“-Debatte geht plötzlich ein Zitat der Holocaustüberlebenden Margot Friedländer tausendfach durchs Netz. Auf einem Zitatbild des WDR steht: „So hat es damals auch angef