Dass deutsche Medien bis zum Erbrechen den Schuldkult zelebrieren, ist hinlänglich bekannt. Doch was sich “Spiegel” und “Zeit” nun leisten, hat eine neue, nie da gewesene Qualität. Die abgehalfterten Pressehäuser haben tatsächlich die Mitgliedskartei der NSDAP aufbereitet und online gestellt. Die Kartei könne man nun durchsuchen – und sich ein „persönliches Dossier“ über die eigene „Nazi-Familie“ erstellen.
„Je länger das Dritte Reich tot ist, umso stärker wird der Widerstand gegen Hitler und die Seinen“. Dieses Diktum des 1999 verstorbenen Journalisten Johannes Gross bewahrheitet sich mit jedem Tag in diesem verrückten gottverlassenen Land mehr. Die Linke hat Deutschland in eine permanente Nazi-Hysterie versetzt, vergleicht alles und jeden, der nicht mit der Migrations-, Klima- und sogar Corona-Politik übereinstimmt, mit den Nazis und dämonisiert die AfD als Wiedergängerin der NSDAP, während sie selbst im offenen Judenhass schwelgt. Zum eigenen Machterhalt hat sie sich in den Wahn hineingesteigert, das Vierte Reich stehe vor der Tür und ihre historische Aufgabe sei es, dieses zu verhindern. Wo die (Ur-)Großeltern versagt haben, will man nun erfolgreich sein. Dass sie damit nicht nur die Verbrechen des NS-Regimes auf unerträgliche Weise bagatellisiert, sondern sich auch selbst Nazi-Methoden bedient, um Andersdenkende mundtot zu machen, ist ihr schon gar nicht mehr bewusst.
Damit auch zwischen den Generationen kein Frieden einkehrt, selbst wenn es sich um bereits verstorbene Verwandte handelt, bieten die linken Bollwerke „Spiegel“ und „Zeit“ nun die Möglichkeit, online das Archiv der NSDAP zu durchforsten. „Finden Sie hier heraus, was Ihre Familie unter Hitler getan hat“, lädt der „Spiegel“ ein. Man habe „Millionen Mitgliedskarten der NSDAP aufbereitet“. Die Kartei könne man nun durchsuchen – „und sich ein persönliches Dossier erstellen“. Die „Zeit“ fragt ihre Leser gar in halb naiver, halb inquisitorischer Manier: „Waren Ihr Vater, Ihre Großmutter oder Ihr Ur-Opa in der NSDAP?“ Bis vor Kurzem, so die linken Erziehungsmedien habe sich das nur über eine Anfrage beim Bundesarchiv klären lassen oder aktuell auf der Seite des US‑Nationalarchivs, das seine Mikrofilmkopien der NSDAP‑Mitgliederkartei online gestellt habe; dort seien einzelne Personen jedoch kaum zu finden, klagen “Zeit” und “Spiegel” – und die Seite selbst sei unter dem Ansturm, den die Nachricht von der Veröffentlichung ausgelöst habe, wiederholt nicht erreichbar gewesen. Deshalb habe man „den kompletten Datensatz gesichert, erstmals umfassend aufbereitet und statistisch ausgewertet“.
Moderne Antwort auf den NS-Ariernachweis
Was hier arglos offeriert wird, ist quasi eine Art moderne Antwort auf den einstigen “Ariernachweis” im Dritten Reich, mit dem die unbedenkliche “reine” Abstammung von möglichst vier “germanischen”, nichtslawischen und erstrecht nicht jüdischen Großelternteilen nachgewiesen werden musste – bloß nach heute umgekehrten erwünschten genealogischen Persil-Kriterien (“meine Eltern/Großeltern/Urgroßeltern waren auch schon im Widerstand!”) und mit digitaler Rechercheassistenz. Nachdem man zunächst „nur“ rund 4,5 Millionen Karteikarten aus der Nazi-Zeit direkt durchsuchbar habe machen können, seien nach einer Aktualisierung „weitere 8,2 Millionen Dokumente recherchierbar nach Namen und Geburtsort einzelner Personen“, führt der “Spiegel” aus. Weiter heißt es: „Wenn Sie über die Suchmaschine auf Verwandte, vielleicht auch Freunde der Familie, frühere Lehrer oder Kollegen Ihrer Großeltern gestoßen sind, ist die Recherche nicht abgeschlossen. Denn der Geburts- und Wohnort, der Beruf, vor allem aber das Datum des Parteieintritts werden oft erst im historischen Kontext aussagekräftig“. Deshalb habe man Karteikarten nicht nur durchsuchbar gemacht, sondern die Zentralkartei statistisch ausgewertet – basierend auf einer Datenmenge, die in diesem Umfang bisher nicht analysierbar gewesen sei. Wenn man Familienmitglieder in der Mitgliederkartei entdeckt habe und mehr erfahren wolle, wird empfohlen, einen Blick ins Familienarchiv zu werfen. „Finden sich noch hinterlassene Unterlagen, Aufzeichnungen und Briefe, aus denen hervorgeht, wie jemand gedacht hat, worüber er informiert war, wo er sich aufgehalten hat?“. Weitere Anhaltspunkte könnten Entnazifizierungsakten aus der Nachkriegszeit geben. Hier sei allerdings ein „quellenkritischer Blick” geboten, da sich “….die einstigen ‚Parteigenossen‘ vor den Spruchkammern oft mit allen Mitteln zu entlasten versuchten“. Generalisiertes Misstrauen ist für die „Zeit“ offenbar erste Pflicht für Nachkommen.
Die lustvoll-selbstquälerische Nazi-Jagd ist nun endlich für jedermann möglich. Die Frage, warum so etwas 90 Jahre nach dem Ende des braunen Schreckens wichtig sein soll und wieso der woke Rigorismus der “Aufarbeitung” durch Vegangenheitskorrektur, der im öffentlichen Maßstab zu rituellen Cancel- und Ablasshandlungen führt, nun auch im privaten Rahmen so wichtig sein soll, lässt nur eine schlüssige Antwort zu – und die liegt nicht in der Erleichterung der persönlichen Familienforschung aus historischem Interesse mit neutralem, kritisch und zugleich einfühlenden Verständnis für Verfehlungen der eigenen Vorfahren – sondern in dem perfiden Versuch, die Spaltung in der Gesellschaft weiter zu vertiefen und die Selbstgerechtigkeit der zeitgenössischen “antifaschistischen” Moralkaste zu bestärken, die Scham und Bestürzung über die “Abgründe” der eigenen Vorväter empfinden soll, um noch engagierter gegen die vermeintlichen heutigen politischen Nazi-Wiedergänger eintreten zu können. Die immer groteskere Halbbildung über die wahren Schrecken des Dritten Reichs und die Verführungen, in die die Menschen damals ganz ähnlich wie auch heute wieder tappten, durch haltlose NSDAP-AfD-Vergleiche und inflationären Gebrauch der Faschismus-Keule wird nun auch noch durch die Implementierung des Schuldkults in Familienalben, Kisten auf dem Dachgeschoss oder Familientagebüchern verschärft: Inhaltlich und geschichtlich wissen die Deutschen immer weniger über das, was damals wirklich passiert ist und welche Vorgeschichte zum Verhängnis von Diktatur und Krieg führte – doch dafür sollen sie wissen, wer die Guten und die Bösen sind und wen sie zu tadeln, abzustrafen oder zu hassen haben, selbst in der eigenen Familie und gerne auch posthum.
Alles Helden
Und natürlich schwingt auch die neue Lust am Ausschnüffeln und Denunzieren mit, zu der hier ausdrücklich ertüchtigt wird: Man soll die NSDAP-Kartei ja nämlich nicht nur nach eigenen Familienmitgliedern durchforsten, sondern am besten auch gleich noch nach denen von Freunden, Bekannten, Nachbarn, Lehrern und wer einem sonst noch so einfällt. Man will sich gar nicht vorstellen, wie viele übereifrige Vergangenheitsbewältiger diese Gelegenheit weidlich ausnutzen werden, um ihrem gesamten Umfeld dessen eventuelle Nazi-Vergangenheit um die Ohren zu schlagen. Ob jemand aus Überzeugung, Opportunismus oder unter Zwang der NSDAP beigetreten ist, lässt sich aus dem Archiv nicht ablesen, ebenso wenig, ob sich jemand Verbrechen schuldig gemacht hat und auch, dass es für die meisten Mitläufer des Regimes damals (zumindest ab einem gewissen Zeitpunkt) keine Möglichkeit des selbst passiven Widerstands mehr gab, ohne sich in Lebensgefahr zu bringen. Dies den meisten Hobby-Durchforstern überhaupt nicht klar und schert sich wohl auch nicht weiter; Hauptsache, sie fühlen sich als “zivilcouragierte“ Widerstandskämpfer, die besser und klüger sind als ihre Vorväter.
Doch die Moral-Brahmanen bei der “Zeit” wissen natürlich genau, wie das damals war, samt Implikation, wie vorbildlich sie selbst sich natürlich damals verhalten hätten: „Grundsätzlich gilt: Niemand musste in die NSDAP eintreten, auch wenn dies nach 1945 immer wieder behauptet wurde. Und niemand konnte Mitglied gegen seinen Willen oder ohne sein Wissen werden“. Im Klartext: Alles Vorsatz- und Überzeugungstäter – und wären die eigenen Vorfahren damals schon so heldenmutig, antifaschistisch und moralisch gefestigt gewesen wie die heutigen “Spiegel”- und “Zeit”- Leser (und natürlich, gedanklich mitgemeint: die Gegen-Rechts- und Zivilgesellschafts-Antifa-Deutschen!), dann hätte es den Aufstieg Hitlers nicht gegeben. Diese Selbstgerechtigkeit ist nicht nur bizarr, die auch maximal abstoßend; doch sie passt so ganz zu einem verlogenen linken Zeitgeist, in dem Meinung mehr zählt als Wissen und die richtige Haltung mehr als echte humane Orientierung und Empathie. Der vergiftete “Service” von „Spiegel“ und „Zeit“ ist kein Beitrag zu geschichtlicher Forschung, sondern soll einem permanenten Scherbengericht gegen die in der Gegenwart herbeiphantasierte rechtsextreme Gefahr als Munition dienen, indem man die Fahndung nach Tätern im Nahbereich zum Volkssport macht.

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