Der pathologisch geführte Kampf linksradikaler Irrlichter gegen uns Deutsche treibt absurde Blüten. Immer mehr Speisen und Getränke werden bestimmten Lagern zugeordnet und als Kulturkriegswaffen gegen den politischen Gegner eingesetzt.
von Thomas Hartung
Anfang Mai löste ein harmloses Gärgetränk aus Tee und einem Pilz, der aussieht „wie ein alter Brillenputzschwamm“, unerwartete Reaktionen aus. Helene Hegemann beschreibt in der “Süddeutschen Zeitung”, wie Gespräche über Kombucha – dieses fermentierte Trendgetränk, das Darm-, Seelen- und Weltrettung versprechen soll – bei ihr eine ähnliche innere Anspannung auslösen wie bei einem AfD-Sympathisanten das Wort „Windrad“. Gemeint sei eine Mischung aus Skepsis gegenüber wissenschaftlich fragwürdigen Heilsversprechen und Abneigung gegen die Symbolik der Selbstoptimierung, die reale Machtstrukturen und Abstiegsängste verdrängt. Hegemann nennt es „Symbolverschiebung“: Man hasst ein neutrales Objekt, um Gemeinschaft zu stiften.
Genau diese Mechanik beherrscht seit Jahren den Umgang mit Lebensmitteln im Kontext der AfD. Was als harmloser Konsum oder unternehmerische Freiheit beginnt, wird zum Politikum, sobald es mit der Partei in Berührung kommt. Zwei Kategorien stechen hervor: die Vorwürfe persönlicher Heuchelei und die systematische Ächtung ganzer Marken. Beide sagen weniger über die AfD aus als über eine Linke, die den Geschmack des Alltags ideologisch kolonialisiert hat.
Döner als Integrationssymbol
Die erste Kategorie lebt von der skandalisierten „Hypokrisie“. Der Verzehr „fremder“ Speisen, vor allem solcher mit migrantischer Konnotation, wird als Widerspruch zur Forderung nach deutscher Leitkultur gebrandmarkt. Der Klassiker bleibt der Döner: Als Beatrix von Storch 2016 in Brüssel vor einem Kebap-Stand fotografiert wurde oder Alice Weidel in alten Profilen ihre Vorliebe für Döner bekundete („Dönerbude Istanbul geschlossen“ als schlimmstes Studienerlebnis), brach ein mediales Gewitter los. „Schnitzel predigen, Döner essen“ – die Formel war simpel und wirksam. Dabei ignorierten die Empörten, dass Angela Merkel ihren Döner regelmäßig „wie die Türken“ aß (nämlich ohne Soße) und dass der Döner seit den 1970er Jahren ein integraler Bestandteil der West-Berliner und später auch bundesdeutschen Imbisskultur war: ein Produkt freiwilliger Unternehmerinitiative, kein Symbol des Islam.
Beatrix von Storch brachte es auf den Punkt: „Ich hab nichts gegen Döner, sondern gegen Scharia.“ Der Konsum zeigt genau das, was die AfD meint: Integration ohne Zwang und ohne Parallelgesellschaft. Der Vorwurf der Heuchelei entpuppt sich als Projektion. Es ist die Linke, die aus einem Imbiss ein identitätspolitisches Schlachtfeld macht – und dann empört tut, wenn AfD-Politiker ihn einfach nur genießen.
LED-Trucks gegen Landliebe
Weitaus systematischer und wirtschaftlich folgenreicher ist die zweite Kategorie: Die Ächtung ganzer Marken durch bloße personelle Nähe. Der Fall Theo Müller und seiner Molkerei-Produkte (Müllermilch, Weihenstephan, Landliebe) steht exemplarisch dafür. Der Unternehmer pflegt freundschaftliche Kontakte zu Alice Weidel, lädt sie ein und äußert sich offen zu politischen Möglichkeiten. Die Reaktion folgte auf dem Fuße: Linksextreme “Campact”-Aktivisten klebten Millionen Sticker („Alles AfD oder was?“) auf die Packungen, fuhren mit LED-Trucks durchs Land und riefen zum Boykott auf. Gerichte bestätigten, dass die Bezeichnung als AfD-Unterstützer zulässig sei. Ein traditionsreiches, regional verwurzeltes deutsches Produkt – Milch als Symbol bäuerlicher Kultur seit Jahrhunderten – wurde plötzlich „AfD-verseucht“.
Hier wird der Kulturkrieg zur ökonomischen Waffe; ein Unternehmer, der seine Meinung frei äußert, gefährdet seine Marke. Die Botschaft ist eindeutig: Abweichung von der linken Linie hat Konsequenzen. Traditionelle deutsche Produkte werden skandalisiert, während die eigenen Moden – ob fermentierter Teepilz oder andere Wellness-Symbole – Narrenfreiheit genießen. Die Ironie ist kaum zu überbieten. Kombucha, wissenschaftlich überschätzt und Symbol einer privilegierten, nach innen gerichteten Selbstoptimierung, bleibt indes unangetastet. Niemand klebt Sticker auf Bio-Läden, niemand boykottiert die Fermentations-Industrie. Gleichzeitig wird Milch zum Politikum, weil ein Unternehmer nicht linientreu ist.
Skandalisierung trifft immer die Falschen
Hegemanns Text aus dem progressiven Milieu selbst entlarvt unfreiwillig diese Doppelmoral: Die Skandalisierung ist nie neutral. Sie trifft immer die falsche Seite. Wenn aber politische Entscheidungen in solche Bilder übersetzt werden, verliert die Politik ihren Gegenstand. An die Stelle von Argumenten treten Assoziationen. An die Stelle von Programmen treten Milieus. Und an die Stelle von Debatten tritt Distinktion. Politik wird zur Frage des Geschmacks. Die Wahlentscheidung wird nicht mehr als rationaler Akt verstanden, sondern als Ausdruck eines Lebensstils. Oder, schlimmer noch, als Geschmacksverirrung. Das mag im Feuilleton funktionieren; in der Demokratie ist es fatal.
Am Ende geht es um die Souveränität des Geschmacks in einer entfremdeten Gesellschaft. Die AfD steht für eine Leitkultur, in der der Bürger selbst entscheidet, was er isst und trinkt – Döner aus Berliner Tradition, Milch von bayerischen Weiden oder, warum nicht?, auch mal Kombucha – ohne ideologischen Segen oder Bannfluch. Es ist die kulturkämpferische Gegenseite, die den Geschmack verstaatlichen und politisieren will: Boykott als Disziplinierung, Skandal als tägliches Ritual, ja als Disziplinierungsinstrument. Solange diese Asymmetrie besteht, bleibt jede Packung Milch, jeder Döner-Stand und jedes Gärgetränk ein Politikum. Und jeder, der sich dagegen wehrt, darf sich ein bisschen wie ein AfD-Anhänger fühlen – einerlei ob er es tatsächlich ist. Das schadet sicher nicht der AfD.

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