Meinung

Ein Jahr Kanzler-Sturzflug

Ein Jahr Kanzler-Sturzflug
Kanzler-Darsteller Friedrich im Merz im Sturzflug.

Ein Jahr Kanzler-Sturzflug: Das Land kaputt gespart. Die Wirtschaft an die Wand gefahren. Sämtliche Wahlversprechen gebrochen. Friedrich Merz entpuppt sich immer mehr als Hybrid, der das Schlechteste seiner Vorgänger in sich vereint. Inzwischen hat er sich so gekonnt zwischen alle Stühle gesetzt, dass er wohl selbst als Frühstücksdirektor kaum noch irgendwo unterkäme. Die Regierungsbilanz ist katastrophal.

von Rocco Burggraf

Im großen Rathaus zu Berlin trägt man völlig unbeirrt schwer verkäuflichen Wind- und Solarstrom wie Luft und Licht in Säcken umher und erklärt der staunenden Welt auch mitten in der größten Energiekrise der Nachkriegsgeschichte noch unverdrossen, dies sei jetzt die Zukunft. Angesichts der an den deutschen Abzapfsäulen aufgerufenen Preise und der genialen Idee der Politdarsteller, den gebeutelten Arbeitgebern die gefällige Lösung des Problems ans Herz zu legen, war es allerdings schon zu ahnen: Auch dem überaus devoten Michel gehen irgendwann die ausgestreckten Regierungsgriffel in der eigenen Geldbörse und die vielen lustigen Aufführungen mal auf die Eier. Für die Schildbürger-Koalition ist jetzt wohl erst mal Schluss mit lustig. 

Die dahingehenden Zeichen sind jedenfalls kaum noch zu übersehen. Im Kabinett herrscht Klimakrise. Drohende Megainflation, die kaum noch gedeckte Kriegslüsternheit und die weltweit spürbare Herabstufung der deutschen Kleindarsteller auf diplomatischem Parkett bilden ein toxisches Gemisch. Dank der Orientierung gebenden Brandmauer schießt nun die Ein-Parteien-Opposition durch die Decke. Und schon bekommt der gelernte Ostdeutsche im Staatsfunk die ersten „Aber-ich-liebe-doch-alle-Menschen-Momente“ zu sehen. Mit der Abschiebung des öffentlich-rechtlichen Nazikeulenschwingers Restle nach Nairobi („neue Herausforderung!“) fing es an. Dann stotterten sich BasBuyx, Brosius und Blome durch ihre Rückzugsgefechte. Inzwischen jammert ganz oben schon der Kanzler im zentralen linken Kampfblatt, dass seine dreisten Wahlbetrügereien und der listige Umbau des Grundgesetzes zu einer Art Hausordnung des Brandmauerkollektivs jetzt doch sehr viel weniger nachsichtig bewertet werden als die fiskalische Volksverarsche, die sich seine Vorgänger noch leisten konnten. 

Auf intellektuellen Grund gelaufene Regierungssäuglinge

Sogar der rote Kardinal Klingbeil stimmt ein: Er selbst könne für das 20 Jahre währende „Kaputtsparen“ (unter fast durchgängiger Führung seiner Genossen) nun wirklich nichts. Unwissentlich macht der bisher freizügig verteilende Kassenwart damit natürlich deutlich, dass er so anstrengende Sachen wie Wirtschaft, Steuerreformen oder Haushaltsdisziplin bisher nicht wirklich auf dem Zettel hatte. Klar, die implizite Staatsverschuldung von derzeit drei Billionen war für ihn eher der bescheidene Anfang der großen sozialdemokratischen Schuldensause. Eine Orgie, die nun – verdammte Axt – plötzlich eine Mehrheit im Land offensichtlich nicht mehr widerstandslos zu bezahlen bereit ist. Seine Splitterpartei, die Grünen und die zur Gänze gesichert kommunistischen Linken geben deshalb schon mal vorsorglich bekannt, sich ihre politischen Wunden künftig lieber gegenseitig und dann in moderierten Exklusiv-Blasen lecken zu wollen. In einer digitalen Klarnamen-Welt der endgültigen Wahrheiten, der Faktenchecks und regelmäßig durchgeführten Desinfektionen. Fernab des zornigen Pöbels jedenfalls, der in den schrecklichen sozialen Netzwerken und vor allem im Nachrichtendienst X nun die Deutungshoheit übernommen hat. 

Man kann davon ausgehen, dass Merz liebend gern dazukäme. Zum Eierlecken. Aber der „Außenkanzler“ hat sich inzwischen als Außenseiter so gekonnt zwischen alle Stühle gesetzt, dass er wohl selbst als Frühstücksdirektor kaum noch irgendwo unterkäme. Inzwischen schwant es sogar den ersten stoischen Tagesschaurentnern, dass da im Staate Deutschland etwas ganz gewaltig schiefläuft. Die endgültig auf intellektuellen Grund gelaufenen Regierungssäuglinge von Berlin kannst du jedenfalls nur noch auf eine Barge laden und nach möglichst langer Fahrt irgendwo mit Peilsendern aussetzen. Vor dem Einsetzen der Sintflut wäre eine solche Arche auch nichts anderes als ein Gebot der Menschlichkeit. Und wahrscheinlich wäre eine hierzu ins Leben gerufene Crowdfunding-Aktion auch die erfolgreichste aller Zeiten.

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