Im Jahr 2025 ermordeten Ärzte mehr als Hunderttausend Menschen vor ihrer Geburt. Statistisch gesehen sind das 300 Babys am Tag. Interessieren tut das niemanden – es sind ja auch alle mit der Vermenschlichung eines Wals in der Ostsee beschäftigt.
von Sandro Serafin
Am Dienstag schaut ganz Deutschland auf Wal „Timmy“: Wird es den Helfern gelingen, ihn von der Sandbank in der Ostsee zu retten? Die Bild-Zeitung berichtet in ihrem Liveticker über alle Details: „Timmy bekommt frische Tücher“, lesen wir um 8:07 Uhr. „Timmy hat Bindehautentzündung“, heißt es um 9:18 Uhr. „Timmy bewegt Fluke“, steht da um 10:36 Uhr. Herzerwärmend.
Und während die Republik also alles in Bewegung setzt, um einem Wal das Leben zu retten, werden an diesem Tag in Deutschland statistisch gesehen wieder 300 ungeborene Kinder aktiv getötet. Die Zahl ergibt sich, wenn man die am Dienstag veröffentlichte Statistik für das vergangene Jahr auf einen Tag herunterbricht: 106.000 vorgeburtliche Kindstötungen hat das Statistische Bundesamt nämlich 2025 registriert.
Das öffentliche Interesse daran? Null. Kein Liveticker. Wenig Berichterstattung. Kein Mitfühlen. Und schon gar kein Aufschrei. Im Gegenteil: Beträchtliche Teile der Politik sind drauf und dran, Abtreibungen noch weiter zu normalisieren. Die Grünen etwa machen derzeit mit der Forderung auf sich aufmerksam, Kliniken zur Durchführung von Abtreibungen zu zwingen. Viele Politiker und Lobbyisten arbeiten zudem schon lange daran, vorgeburtliche Kindstötungen zu legalisieren, also aus dem Strafgesetzbuch zu entfernen.
Die Ego-Gesellschaft ist schuld
Gleichzeitig diskutiert Deutschland über das Rentenproblem, beschwert sich über den Fachkräftemangel – und niemand kommt auf die Idee, einen Zusammenhang mit der Tatsache herzustellen, dass wir jährlich 100.000 Kinder daran hindern, überhaupt auf die Welt zu kommen. Dabei liegt diese Verbindung auf der Hand. Statt dessen lautet die als alternativlos ausgegebene Lösung: Migration, Migration, Migration.
Ist also mal wieder die Politik, sind sinistre Abtreibungslobbyisten an allem schuld? Auch, aber nicht allein. Dass in Deutschland Abtreibungen längst als normal gelten, ist in erster Linie Resultat einer Gesellschaft des „Ich, Ich, Ich“ und des absoluten Relativismus. Einer Gesellschaft, in der jeder sein eigener Gesetzgeber ist und in der als verrückt gilt, wer darauf pocht, dass es natürliche – gar göttliche – Gesetze gibt, die sich der Änderungsmacht des Einzelnen entziehen.
Jüngst hörte ich jemanden sagen, es sei Ausweis einer zivilisierten Gesellschaft, wenn es auch Interesse am Tierwohl gibt. Das mag an und für sich stimmen. Nur: Wenn man sich gleichzeitig das dröhnende Schweigen über das hunderttausendfache Abtreibungsunrecht ansieht, dann wird das Interesse an Wal „Timmy“ schnell jeder zivilisatorischen Note entkleidet. Dann bleibt nur noch eines: eine himmelschreiende Dekadenz.

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