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Weil er schwarz ist: Gericht in Kanada mildert Mordurteil ab

Weil er schwarz ist: Gericht in Kanada mildert Mordurteil ab
Der verurteilte Mörder, Everton Javaun Downey: Laut dem Gericht in Kanada sei er „frühzeitig“ der Gewalt ausgesetzt worden.

Ein schwarzer Mann versetzt seiner Freundin mehr als ein Dutzend Todesstöße – doch das Gericht sieht in seiner ethnischen Herkunft einen „mildernden Umstand“. Ein Gutachten gab hierfür den Ausschlag.

von Günther Strauß

Ein Gericht in Kanada hat ein milderes Urteil gegen einen Mörder aufgrund seiner schwarzen Hautfarbe gefällt. Der Mann mit dem Namen Everton Javaun Downey, der nach dem Messermord an seiner Freundin eine lebenslange Freiheitsstrafe erhalten hatte, darf bereits nach zwölf Jahren bedingt aus der Haft entlassen werden, berichtete die Tageszeitung National Post am Donnerstag. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor eine Wartezeit von 15 Jahren gefordert.

Im Dezember 2021 hatte Downey auf seine damalige Freundin, Melissa Blimkie, 15mal auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums eingestochen. Das zuständige Oberste Gericht der Provinz British Columbia betonte in seinem Urteil, der 35jährige verfüge über ein „umfangreiches“ Vorstrafenregister. Allerdings sei dieses durch die „mildernden Umstände seiner Verhältnisse teils ausgeglichen“, hieß es in der Entscheidung vom Februar, aus der die National Post zitiert.

Auch „systemischer Rassismus“ habe eine Rolle gespielt

Laut Gericht sei Downey nach seinem Umzug nach British Columbia von einer „deutlich kleineren schwarzen Bevölkerung“ als bisher umgeben gewesen. Dort habe er „Rassismus“ auf „ihm bisher unbegegnete Weise“ erfahren. Die „kulturellen Normen“ der dortigen Schwarzen hätten zudem zum Gefühl von „Entfremdung und Isolation“ geführt.

Das Oberste Gericht sah weitere mildernde Umstände darin, dass Downey „früh“ der Gewalt ausgesetzt worden sei, in „chronischer Unsicherheit und Armut“ gelebt und unter „nicht behandelten Symptomen psychischer Störungen“ gelitten habe. Auch „systemischer Rassismus gegen Schwarze“ habe eine Rolle in seiner Entwicklung gespielt. Zudem habe der 35jährige den Mord an Blimkie eingeräumt und „Reue gezeigt“.

Kanadas „Rassismus“-Gutachten spalten die Politik

Den Ausschlag für die Entscheidung gab ein „Gutachten zum Einfluss der Ethnie und Kultur“ (IRCA), das seit 2014 von kanadischen Gerichten in Auftrag gegeben werden darf. 2021 erließ das Kabinett des damaligen Premierministers Justin Trudeau, dass solche Atteste von der Bundesregierung subventioniert werden dürfen. Bereits seit 1999 besteht ein vergleichbares Gutachtensystem für Personen, die den anerkannten Indianerstämmen angehören.

Nicht alle Provinzen Kanadas greifen auf IRCA-Zuschüsse zurück. Im vergangenen September hatte die Regierung von Québec auf die Inanspruchnahme verzichtet, da sie die Definition des „systemischen Rassismus“ ablehnt. „Ich bin mir nicht sicher, ob das der richtige Weg für uns ist, um Rassismus zu bekämpfen“, hatte der für „Rassismusbekämpfung“ zuständige Provinzminister Christopher Skeete noch im August gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Sender CBC betont. 

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