Eine migrantische Jugendbande missbraucht in Fürstenwalde in Brandenburg zwei Mädchen – und darf nach kurzer Pause, als wäre nichts gewesen, wieder mit den Opfern in die Schule. Rechtliche Konsequenzen? Keine! Die zugewanderten Täter fallen seit langem auf, doch Staat und Behörden schauen weg.
Die langgezogene graubraune Platte ist ein Sechsgeschosser. Die Fensterscheiben zerschlagen. Vor einem Eingang Sperrmüll. An den Mauern Graffiti mit „Gaza“ und „Free Palestine“-Parolen. Daneben klebt auf einer Tür ein Schild: „Wowi Fürstenwalde. Da lebe ich gerne.“ Nein. Hier, in Fürstenwalde Nord, lebt niemand gerne. Im Treppenhaus ist das Licht kaputt – es ist stockdunkel. Stufen lassen sich nur erahnen. Im ersten Stock wohnt eine Familie aus Syrien.
Wie viele da genau wohnen, wissen die beiden alten deutschen Mieter aus den Stockwerken drüber nicht so genau. Fünf Leute oder sechs? Einer von ihnen ist M. (Name der Redaktion bekannt), 14 Jahre alt. Der Syrer geht in die siebte Klasse. Gegen ihn und sieben weitere namentlich bekannte Jungs in ähnlichem Alter ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder). Der Vorwurf: sexueller Missbrauch. In Fürstenwalde gibt es seit dem 8. April kein anderes Thema mehr.
„M., nicht da“, stammelt ein älterer Mann in Jogginghose, der an der offenen Wohnungstür des Sechsgeschossers steht. Er öffnet vom Flur aus eine Zimmertür. Sagt etwas Unverständliches. In einem Bett liegt eine Frau. Sie spricht ebenfalls kein Deutsch. Die Gardinen sind zu. An der Wand hängt eine Palästinenserflagge. Auch sie sagt, dass M. in der Schule sei. Derweil drückt der ältere Mann eine weitere Zimmertür zu. Von innen sind Klopfgeräusche zu hören und die Klinke wird nach unten gedrückt.
„Es ist jedenfalls totaler Wahnsinn, was hier abgeht“
Nun öffnet sich eine weitere Zimmertür. Ein Mann im Feinripp-Unterhemd steht im Rahmen: „Ich will schlafen. Gehen Sie. Ich komme gerade von der Nachtschicht bei Tesla.“ Alle scheinen ganz genau zu verstehen, warum hier Fremde an ihrer Tür klingeln. Es wäre auch lebensfremd zu glauben, dass Polizisten Kinder oder Jugendliche als Beschuldigte vernehmen, ohne Wissen der Eltern. Nein, hier in Fürstenwalde-Nord herrscht unter arabischen Bewohnern ein Schweigegebot. Da ziehen sie sich dann gerne mal auf angebliche Sprachdefizite zurück.
Auch ein drittes Elternteil, ein Vater, scheint zuerst an der Gegensprechanlage kein Wort Deutsch zu verstehen. Dann sagt er: „Ich habe keine Zeit.“ Doch dann besinnt er sich und sagt: „Ich weiß über die Vorwürfe Bescheid, aber ich akzeptiere das alles nicht.“ Ein anderer Vater behauptet am Telefon, mit Kollegen zusammen zu sitzen. „Rufen Sie später noch mal an.“ Es folgt plötzlich eine WhatsApp. „Sie haben mich angerufen. Ich habe Sie leider nicht gut verstanden. Bitte schreiben Sie mir, was Sie möchten.“ Die Antwort hat er gelesen – doch eine Reaktion bleibt aus.

Der 8. April war ein Mittwoch. Einer der letzten Osterferientage in Brandenburg. Abends im Stadtpark beim Springbrunnen treffen zwei Mädchen, sie sind ungefähr 14 Jahre alt, auf eine Gruppe von mindestens acht Jungen. „Ich habe gehört, dass sie dort am Brunnen saßen und getrunken haben sollen“, sagt ein junger Mann. Er sitzt unweit des Springbrunnens im Stadtpark auf einer Bank. „Dann seien die Typen gekommen und haben die Mädchen ausgezogen.“
Ob es zu sexuellen Handlungen gekommen ist und wie weit die gingen, ist zurzeit Gegenstand der Ermittlungen. „Dann soll jedenfalls ein Mann wohl vorbeigekommen sein und dazwischengegangen sein.“ Ob dieser Mann dann die Polizei alarmierte, ist unklar. „Es ist jedenfalls totaler Wahnsinn, was hier abgeht. Gegen die Typen ermittelt die Polizei, und die sind abends hier in der Stadt unterwegs und spielen Fußball. Die treten immer in einer Gruppe auf und machen sich breit. Die fallen schon öfter hier auf. Die sollen auch mit einem geklauten Auto einen Unfall gebaut haben.“
In Fürstenwalde kennt fast jeder jeden
Mindestens fünf der mutmaßlichen Täter und beide Opfer sollen auf dieselbe Schule gehen: Es ist die Juri-Gagarin-Oberschule in der August-Bebel-Straße. Nachdem die Tat bekannt geworden war, schloss der Direktor zunächst die fünf Jungen vom Schulalltag aus. Doch diese Maßnahme wurde inzwischen beendet. „So müssen die Mädchen ihren Peinigern jetzt täglich in der Schule wieder begegnen“, empört sich ein ungenannt bleiben wollender Fürstenwalder. „Wir sagen nichts“, so die Schulsekretärin. „Und der Direktor ist gar nicht im Büro, sondern irgendwo im Haus unterwegs. Bitte wenden Sie sich an das Schulamt in Frankfurt (Oder).“

Kontakt zwischen mutmaßlichen Tätern und Opfern bietet nicht nur die Schule. Fürstenwalde hat 32.000 Einwohner. Hier kennt fast jeder jeden, und sei es über drei Ecken. Mindestens ein Opfer sieht einen der Schulkameraden, gegen die die Polizei ermittelt, täglich. Es wohnt vis-à-vis von dessen Wohnung. D. (Name der Redaktion bekannt), 15 Jahre alt, geht in die 9. Klasse. Er sei noch in der Schule, sagt auch seine Mutter. „Die Situation ist natürlich sehr unangenehm“, meint die Mutter. „Die Polizei war vor Ort, alle wurden befragt. Ich gehe davon aus, dass es zu einem Gerichtsverfahren kommen wird.“
Dann schildert sie den Tathergang, wie ihr Sohn ihn ihr erzählte: „Das war abends. Mein Sohn war mit zwei Freunden im Zentrum unterwegs. Dann haben andere Freunde angerufen und gefragt, wo sie sind. Die sagten: ‘Wir sind im Park, kommt zu uns.’ Also sind sie dorthin gegangen. Dort waren eine größere Gruppe Jugendlicher und zwei Mädchen. Eines der Mädchen war sehr stark betrunken.“ Ihr Sohn habe dann erzählt, dass eines der Mädchen „selbst mit den Jungs etwas anfangen“ wollte. Dann schränkt die Mutter ein: „Zumindest wird das so dargestellt.“
Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen
Was genau passiert ist, könne sie nicht sagen. Eines der Mädchen sei wohl mit verschiedenen Jungs weggegangen, aber ihr Sohn habe nicht gesehen, was dort passiert sei. „Nach einiger Zeit sind mein Sohn und die Freunde, mit denen er ursprünglich unterwegs war, wieder gegangen.“ Wer die Polizei alarmierte, wisse die Mutter nicht. „Niemand sagt, wer das war. Mein Sohn weiß es auch nicht, und von der Polizei haben wir bisher keine klaren Informationen bekommen.“ Die Frau ist noch immer vom Tatvorwurf gegen ihren Sohn, aber auch von seinem Verhalten geschockt.
„Ich bin Mutter, natürlich sehe ich das auch aus der Perspektive meines Sohnes. Aber ich habe ihm immer gesagt, dass er eingreifen soll, wenn er so etwas sieht. Seine Schwestern waren auch geschockt, weil er normalerweise Mädchen schützt. Er meinte, das Mädchen habe das selbst gewollt und sei freiwillig mit den Jungs mitgegangen. Aber ich habe ihm gesagt: Du hast doch gesehen, in welchem Zustand sie war. Du hättest eingreifen müssen. Ich sage ihm immer: Wenn du etwas nicht verhindern kannst, dann geh wenigstens weg oder hol Hilfe.“ Doch ihr Sohn holte keine Hilfe, griff nicht ein. Es scheint fast ein Trost für die Mutter, dass „keine Gewalt im Spiel war. Es gab wohl keine Schläge oder Zwang.“ Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) sagt, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien.

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