Im Amtssitz des Bundespräsidenten eröffnet diese Woche eine Ausstellung, die unter anderem eine Sexpuppe in expliziter Pose zeigt. Die Künstlerin will damit eine bestimmte Botschaft vermitteln. In Wahrheit repräsentiert das „Kunstwerk“ jedoch etwas ganz anderes.
Frank-Walter Steinmeier zieht aus: Weil das Schloss Bellevue grundlegend saniert wird, verlässt der Bundespräsident für mehrere Jahre seinen Amtssitz – in dem er gar nicht wohnt – und wird in einem eigens errichteten Neubau untergebracht. Ausgeräumt ist das Schloss bereits weitgehend. Bevor die Sanierungsarbeiten endgültig beginnen, hat sich Steinmeier aber noch eine Kunstausstellung ins Haus geholt.
— DER SPIEGEL (@derspiegel) June 9, 2026
Die ist vom 13. bis zum 28. Juni für die Öffentlichkeit zu sehen und präsentiert neben allerlei Unverfänglichem auch Skandalöses. In direkter Sichtachse zum bisherigen Büro Steinmeiers, so berichtet der Spiegel, wurde eine Installation der deutschen Künstlerin Alexandra Bircken errichtet. Sie trägt den Namen „Trolley I mit Eva“. Es handelt sich um den Bronzeabguss des Torsos einer japanischen Sexpuppe.
Einen wunden Punkt trifft die Künstlerinw
Die Puppe liegt mit der Brust auf dem Boden und hat ihre Beine gespreizt, sodass der Beobachter geradezu gezwungen wird, von hinten direkt in ihre Vagina zu blicken. Angebracht ist das ganze an einer Metallkonstruktion, an der zudem ein Büschel Haare hängt; dazu gibt es noch einen aufgeschnittenen Motorradanzug.
Die Installation war bereits in verschiedenen Ausstellungen zu sehen. Aber was bitte soll das? „Alexandra Birckens Eva reflektiert den ‘male gaze‘, der Frauenkörper zum Objekt macht, und zeigt, wie sie in einer globalisierten, patriarchalen Welt geformt und verfügbar gemacht werden“, erfahren wir im Pressedossier der „Akademie der Künste“, die für die Ausstellung verantwortlich zeichnet.
Nun trifft die Künstlerin damit durchaus einen wunden Punkt: Sexpuppen, Pornographie, Prostitution – immer wieder machen Männer, und das nicht zu knapp, Frauen zum bloßen Objekt eigener Lüste und Begierden, deren Sklaven sie dabei zugleich sind. Nur ist das Thema dahinter nicht in erster Linie ein feministisches.
Steinmeier hat damit offenbar kein Problem
Das eigentliche Problem besteht in der Allgegenwart des Sexuellen – und in der Nichtbeherrschung der eigenen Triebe durch den Menschen (nicht nur den Mann). Das anzuprangern und die Sexualität auf ihre eigene, intime und sich dem Ehepartner und dem Leben hingebende Bestimmung zurückzuführen, darum geht es dem Milieu, das „Kunstwerke“ wie „Eva“ produziert, freilich genau nicht.
Dort gilt die demonstrative Zurschaustellung der Sexualität schließlich gerade als unbedingt notwendig. Es ist denn auch kein geringerer als der Bundespräsident persönlich, der schon mal öffentlich Unterstützung für den Berliner Christopher Street Day äußert – eine Veranstaltung, bei der halb-, teils sogar vollständig nackte Menschen durch die Hauptstadt ziehen und ihre Sexualität inklusive Fetische verherrlichen.
Kein Wunder also, dass Steinmeier offenbar kein Problem damit hat, dass mitten im Amtssitz des höchsten Repräsentanten des deutschen Volkes nun ein Frauentorso platziert ist, der seine Beine spreizt. So repräsentiert dieses „Kunstwerk“, das sich als kritische Auseinandersetzung mit „patriarchaler“ Sexualität begreift, am Ende viel besser die sexuelle Schamlosigkeit, Dekadenz und Würdelosigkeit, die dieses Land erobert hat.

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