Deutschland

Die Bauern, die Großkonzerne und die Gentechnik

Die Bauern, die Großkonzerne und die Gentechnik
Warum müssen Landwirte in Deutschland um Ihre wirtschaftliche Existenz fürchten?

Der Protest der Bauern macht die Landwirtschaft zum Thema. Dazu gehört ein Bereich, über den viel Meinung, aber wenig Wissen verbreitet wird: Die Gentechnik – Sie treibt die Übernahme kleiner Betriebe durch Konzerne weiter an.

von Johannes Eisleben

Bauern fürchten zu Recht um ihre wirtschaftliche Existenz. Warum ist das so? In Deutschland ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe von 904.000 im Jahr 1975 um 75 Prozent auf 256.000 im Jahr 2022 zurückgegangen, während die Größe der verbleibenden Betriebe und deren Produktion stetig zunehmen. Dies ist ein Prozess der Oligopolisierung, bei der immer weniger Großbetriebe immer höhere Marktanteile bekommen und immer mehr Kleinbauern verkaufen und dann in Rente gehen oder Angestellte von Agrarkonzernen werden.

Was ist der Grund für diese Entwicklung? Es sind folgende Faktoren: Steigende Kapitalintensität durch technische Innovation, oligopolistische Lieferantenstrukturen, oligoposonistische Nachfragestrukturen, Energie- und Düngerkosten sowie, seit etwa 20 Jahren, staatliche Verteuerung der landwirtschaftlichen Produktion durch immer komplexere Regulatorik und neuerdings durch Zusatzbesteuerung. Die Bauern wehren sich derzeit vor allem gegen die beiden letzteren Faktoren.

Doch langfristig ist die gestiegene Kapitalintensität durch technische Innovationen der stärkste Treiber, der vor allem auch zu der Oligopolbildung seitens der Lieferanten (Agrarkonzerne wie Bayer) geführt hat. Wie wird in der Landwirtschaft mit Innovation verdient? Schauen wir uns das Beispiel Gentechnik an, das zwar in Europa kaum eine Rolle spielt, weltweit aber für die Nutzpflanzenproduktion essenziell geworden ist.

Gentechnik in der Landwirtschaft: Technologie

Die gentechnische Veränderung von Tieren wurde in den 1970er Jahren durch die Technologie der transgenen Genom-Manipulation ermöglicht, und 1981 wurde die erste transgene Maus geschaffen, die künstliche genetische Veränderungen an ihre Nachkommen weitergab. Die erste gentechnisch veränderte Pflanze wurde 1982 geschaffen, eine gegen Antibiotika resistente Tabakpflanze. Diese mehr als 40 Jahre alten transgenen Technologien arbeiteten mit der zufälligen Integration von genetischem Material in das Genom des zu modifizierenden Organismus. Dies ist ein schwerwiegender Nachteil, da die Einfügung der neuen DNA an einer zufälligen Stelle im Genom zu unerwünschten Auswirkungen der Manipulation führen kann.

In den 1980er Jahren entwickelten Oliver Smithies und Mario Capecchi die Technologie der gezielten Mutagenese  durch homologe Rekombination in embryonalen Stammzellen der Maus, die zu einer Revolution der Gentechnologie bei Säugetieren (vor allem Mäusen) führte. Es wurde möglich, die Funktion einer genetischen Sequenz, in vielen Fällen eines genomischen Locus, der für ein Gen kodiert, im Mausembryo zu verändern oder zu stören, und die daraus resultierenden Mäuse mit Hilfe der klassischen Mendelschen Genetik zu züchten, um Tiere zu schaffen, bei denen beide Kopien (Allele) des Gens in der beabsichtigten Weise verändert sind. Diese Technologie revolutionierte die funktionale Genforschung in der Biologie und ermöglichte die gezielte Veränderung von genetisch kodierten Merkmalen. Die Technologie hat jedoch einen Nachteil: Sie erfordert die Kultivierung und Injektion von embryonalen Stammzellen in frühe Embryonen (Blastozysten), was vor allem bei Mäusen etabliert wurde, und sie hinterlässt Spuren der genetischen Manipulation im Genom des diploiden Organismus.

Die Erfindung dieser Genom-Editierung mit Systemen wie CRISPR/Cas in den 2010er Jahren hat die ortsgerichtete Mutagenese für alle Arten ermöglicht und hinterlässt außer den beabsichtigten Veränderungen keine Spuren in den Genomsequenzen. CRISPR/Cas oder ähnliche Gene-Editing-Technologien wie Zink-Finger-Nukleasen oder Transkriptionsaktivator-ähnliche Effektornukleasen schneiden das Genom und fügen das gewünschte DNA-Stück ein oder verändern ein Nukleotid – und zwar an einer bestimm