Christian Ulmen ist nach jetzigem Kenntnisstand unschuldig. Trotzdem wird in der medialen Berichterstattung das Gegenteil behauptet. Schuld daran ist eine auf Verdachtsberichterstattung basierende politische Kampagne. Erinnerungen an Correctiv und Potsdam werden wach.
von André Hintz
Nach jetzigem Kenntnisstand hat der Schauspieler und Moderator Christian Ulmen in seiner Ehe mit Collien Fernandes keine sexualisierten Deepfakes seiner damaligen Ehefrau verschickt. „Zum einen gibt es Menschen, die Deepnudes von mir online gestellt haben, zum anderen gibt es die pornografischen Videos, die der Täter unter meiner Identität verschickt hat. Hierüber haben uns Männer informiert, die die Echtheit dieses Profils anzweifelten”, sagte Fernandes auf Nachfrage gegenüber Nius.
Doch in der aktuellen Berichterstattung wird das Gegenteil behauptet – und das ist politisch von erheblicher Bedeutung. Der Fall wird derzeit von Politikern und Aktivisten aufgegriffen, um den Ruf nach einer schärferen Regulierung des Internets zu verstärken, insbesondere im Hinblick auf Deepfakes. Bundesjustizministerin Hubig hat bereits angekündigt, ein entsprechendes Gesetz voranzutreiben.
Fernandes schilderte im Rahmen einer Spiegel-Story, dass Ulmen in ihrem Namen über Jahre hinweg Fake-Profile im Internet betrieben haben soll. Über diese Profile soll er sexuelle Chats geführt und pornografisches Material verschickt haben. Die Aufnahmen sollen demnach Frauen zeigen, die Fernandes lediglich „täuschend ähnlich sehen”. Dass Ulmen im Rahmen dessen Deepfakes versendet haben soll, wird jedoch nicht behauptet.
Die Verknüpfung beider Themen wird allerdings bereits im Teaser der Spiegel-Geschichte angedeutet. Dort heißt es: „Schauspielerin Collien Fernandes kämpft gegen Onlinemissbrauch: Sie sucht seit Jahren diejenigen, die Fake-Pornografie von ihr verschicken. Nun hat sie Anzeige gegen ihren Ex-Mann erstattet, den Moderator Christian Ulmen.” Da im weiteren Textverlauf von im Internet kursierenden Deepfake-Pornos die Rede ist, die Fernandes zeigen sollen, wird der Eindruck erweckt, es handle sich um dasselbe Phänomen.
Zahlreiche Medien sind auf die Verdachtsberichterstattung des Spiegel hereingefallen und gingen davon aus, dass Ulmen tatsächlich die Verbreitung von Deepfakes vorgeworfen wird. Ulmen „soll jahrelang im Internet Fake-Profile seiner Frau erstellt und Deepfake-Pornos verbreitet haben”, schrieb die Tagesschau einen Tag nach der Veröffentlichung.
„Die Moderatorin Collien Fernandes wirft in dem Bericht ihrem Ex-Mann Christian Ulmen vor, unter anderem für Deepfakes von ihr und deren Verbreitung verantwortlich zu sein”, heißt es beim WDR. Laut der Zeit soll Ulmen „über Jahre hinweg Deepfake-Pornos und Fake-Profile” von Fernandes erstellt haben. Auch die Taz geht davon aus, dass Ulmen die Verbreitung von „gefälschten intimen Aufnahmen” vorgeworfen wird. Weitere Medien stellen den Sachverhalt ähnlich dar.
Nur dem aufmerksamsten Leser dürfte bei der ersten Lektüre des Textes trotz des plakativen Framings aufgefallen sein, dass es sich tatsächlich um unterschiedliche Sachverhalte handelt. Der manipulative Charakter dieser Berichterstattung, die suggeriert, dass Ulmen Deepfakes versendet haben soll, erinnert stark an die Methode Correctiv. Das Rechercheportal legte in seiner Berichterstattung zum angeblichen „Geheimtreffen von Potsdam“ Ende 2023 nahe, dass die anwesenden Personen die millionenfache Ausbürgerung und Ausweisung deutscher Staatsbürger geplant hätten.
Damals ließen sich große Teile der Medienlandschaft durch die Formulierungen von Correctiv aufs Glatteis führen und griffen die angedeuteten Sachverhalte als Tatsachenbehauptung auf. In der Folge kam es zu einer Reihe von Gerichtsverfahren, infolge derer mehrere Medien ihre Berichterstattung korrigieren mussten. Vergangene Woche kassierte das Landgericht Berlin II schließlich sogar die zentrale Aussage der Correctiv-Recherche und bewertete sie ebenfalls als unzulässige Tatsachenbehauptung.
Ähnlich wie die derzeitige Aufregung um den Fall Ulmen-Fernandes schlug damals auch die Correctiv-Recherche hohe Wellen. Und wie schon damals verselbständigte sich die mediale Rezeption rasch gegenüber dem tatsächlich Berichteten. Eine nicht unerhebliche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die NGO HateAid.
HateAid und Fernandes arbeiten bereits seit einer Kampagne gegen Deepfakes aus dem Jahr 2023 zusammen. Die Geschäftsführerin von HateAid, Anna-Lena von Hodenberg, erklärte bereits einen Tag nach Veröffentlichung der Spiegel-Geschichte in einem Interview mit dem RTL-Nachtjournal, sie sei bereits seit Monaten in die Angelegenheit eingeweiht gewesen. Wie eine Recherche von Apollo News offenlegte, hat HateAid dem Bundesjustizministerium im Februar einen Vorschlag für einen Gesetzentwurf vorgelegt, wonach „nicht einvernehmliche sexualisierende Deepfakes“ unter Strafe gestellt werden sollen.
Wenig überraschend stellte HateAid die gegen Ulmen erhobenen Vorwürfe in einem anschließenden Instagram-Post in einen Zusammenhang mit einem gefälschten Sexvideo, das unter der Überschrift „Abwichschallenge“ veröffentlicht worden war. Vor dem Hintergrund ihrer politischen Agenda liegt es nahe, dass die NGO ein erhebliches Interesse an einer medialen Verknüpfung der Affäre Ulmen-Fernandes mit Deepfake-Material hat.

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