„ID-based Ticketing“ heißt das von der Kreditkartenfirma Mastercard entwickelte System, das die Nahverkehr Schwerin GmbH in ihren Straßenbahnen testet, gefördert vom Bundesdigitalministerium. Die Behauptung, das Bezahlen damit sei anonym stimmt nicht. Mastercard und die US-Dienste bekommen Bewegungsprofile frei Haus.
von Norbert Haering
Was die Bundesregierung in Wahrheit von der digitalen Souveränität hält, die sie laut Koalitionsvertrag anstrebt, und was sie von Entscheidungsfreiheit der Bürger hält, sieht man am Projekt IDA in Schwerin, das sie fördert.
In Schwerin wird ID-based Ticketing erprobt, aus unerfindlichen Gründen mit IDA abgekürzt. Erläuterungen gibt es in Medienberichten und von der Schwerin Nahverkehr GmbH. Von den Entwicklern, Mastercard und ICA Traffic GmbH konnte ich keine Informationen zu dem System finden. Wenn ich die eher vagen Erläuterungen aus Schwerin richtig deute, funktioniert das System so: man hält seine kontaktlose Bezahlkarte oder sein Smartphone (wohl mit aktiver Bezahl-App) an das Lesefeld eines kleinen Fahrscheinautomaten in der Straßenbahn. Dieses errechnet aus der Kartennummer oder einer nicht näher bezeichneten Identifikationsnummer des Smartphones eine Token-ID und speichert diese in einer nicht näher bezeichneten Cloud. Über ein nicht näher bezeichnetes Mastercard-Bezahlsystem wird der Fahrpreis vom Konto des Fahrgastes abgebucht.
Kontrolleure haben Lesegeräte, die feststellen können, ob die gespeicherte Token-ID mit der dazu gespeicherten Fahrberechtigung von der vorgezeigten Karte oder dem vorgezeigten Smartphone stammt. Damit die Leute das System nutzen, gibt es 50 Cent Rabatt auf den Fahrpreis.
Die Werbefigur, eine Füchsin namens IDA, „fährt smart“, heißt der Slogan. Damit weiß man schon, wie bei allem, was smart heißt, dass es um Überwachung geht. Wenn die Erprobung erfolgreich verläuft, soll laut Pressemitteilung das „vollständig bargeld- und papierlose Fahrkartensystem“ ab 2027 die bisherigen Fahrkartenautomaten komplett ablösen. Dann soll also getreu der „Digital-only“-Maxime der Bundesregierung vollständiger Digitalzwang im Schweriner Nahverkehr und darüber hinaus herrschen. Was einem an dem System gefällt und was nicht, kann man Nahverkehr Schwerin per kurzem Fragebogen auf einer Netzseite mitteilen.
Das Bezahlen mit IDA sei anonym, heißt es auf der Netzseite des Projekts. Das stimmt ziemlich sicher nicht. Nur für den Zahlungsempfänger bleibt der Zahler anonym. Mastercard als Abwickler hat alle Informationen und speichert sie in der Cloud. Wenn sich das System in Deutschland durchsetzt, bekommt Mastercard von allen Nutzern ein Bewegungsprofil. Es ist keine Information zu finden, wie lange die Daten gespeichert werden. Daten, die Mastercard hat, können auch die US-Regierung und deren Geheimdienste abgreifen – und tun das auch nach allem, was man weiß.
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