Eine 30-köpfige Gruppe Salon-Bolschewisten, darunter der in die Jahre gekommene Gregor Gysi und die völlig in der Versenkung verschwundene SPD-Lachnummer Andrea Ypsilanti, wollen den Westend Verlag canceln. Grund ist das dort erschiene Buch „Links – Deutsch / Deutsch – Links“, indem das linke Establishment an den Pranger gestellt wird.
Nun traf es also auch den Westend Verlag: In einem Offenen Brief wandten sich kürzlich mehr als 30 seiner Autoren von selbigem ab und kündigten an, dort künftig keines ihrer Bücher mehr veröffentlichen zu wollen. Der Stein des Anstoßes: Der bei Westend erschienene Band „Links – Deutsch / Deutsch – Links“ der maßgeblichen Macher des konservativen Nachrichtenportals “Nius”, Julian Reichelt und Pauline Voss. Beide wollen mit ihrem Buch nach eigener Darstellung entlarven, „wie das linke Establishment Sprache instrumentalisiert, um Debatten zu prägen und Diskurse zu beherrschen“. Henryk M. Broder, Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, Birgit Kelle, Wolfgang Kubicki, Joachim Steinhöfel, Norbert Bolz und Harald Martenstein haben Beiträge dazu beigesteuert. Damit, so die Unterzeichner des Offenen Briefes mit unverhohlenem Entsetzen, habe der Westend Verlag sein Portfolio „bis hin zur extremen Rechten erweitert, die Tag für Tag große Teile des demokratischen Spektrums verunglimpft“ und überdies „Positionen der AfD“ nahestehe. “Nius” als integraler Bestandteil der „extremen Rechten“? Das ist freilich eine neue und zutiefst absurde Lesart. Jedenfalls, so die Autoren, wolle man in einer solchen „ideologischen Nachbarschaft“ fortan seine eigenen Werke nicht mehr verlegt sehen, so heißt es – um „rechten Kulturkämpferinnen und -kämpfern keine Plattform“ zu bieten.
Unter den Unterzeichnern finden sich, was aufschlussreich ist, zumeist Autoren, die schon jahrelang nichts mehr bei Westend publiziert haben, wie etwa den doch sehr in die Jahre gekommenen ehemaligen Linken-Chef Gregor Gysi, die völlig in der Versenkung verschwundene einstige SPD-Gouvernante und Lachnummer Andrea Ypsi(„lügi“)lanti sowie einen ganzen Schwarm kaum bekannter „taz-Autor_Innen“, wenn man von der notorisch aufdringlichen Ulrike Herrmann einmal absieht. Das war es aber dann auch schon. Starker Tobak für einen Verlag, von dem man bisher doch eigentlich annahm, dass er sich dezidiert links verortet habe!
“Große Worte mit wenig Grundierung”
Doch schien dies zuletzt ohnehin nur noch auf den ersten, flüchtigen Blick der Fall zu sein, denn bereits zuvor gab es aus der linken Ecke öfter Kritik an der Haltung einiger Westend-Titel zur deutschen Coronapolitik oder zum Ukraine-Krieg. Die Flaggschiffe des BSW, Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine, veröffentlichten dort ebenso wie die nonkonforme Journalistin Gabriele Krone-Schmalz. Doch ganz unschuldig an dem tiefroten Shitstorm ist Westend auch nicht, hieß es auf der Webseite des Verlages doch einst, man verstehe sich „ausdrücklich als Plattform für kritische, linke Perspektiven auf gesellschaftliche Entwicklungen“ – erst kürzlich setzte man jedoch hinzu: „ohne ideologische Geschlossenheit“.
Für Westend-Geschäftsführer Markus Karsten sind die ganzen Vorwürfe „große Worte mit wenig Grundierung“, wie er erklärt bekundet: “Unser Eindruck hat sich zuletzt sehr verstärkt, dass eine selbstgerechte, sich als ,links‘ bezeichnende Pseudolinke sich Mächtigen andient, statt sich für die Schwächsten und Schutzlosesten einzusetzen. Das erwähnte Buch befasst sich mit Sprachvereinnahmung. Ich kann daran erst einmal nichts Rechtsextremes erkennen“, so Karsten gegenüber der „Berliner Zeitung“. Dem Verlag sei ja auch vorgeworfen worden, dass er auf die Aufforderung der Briefunterzeichner zu einem klärenden Gespräch mit keinem Wort eingegangen sei; Diese angebliche Dialogverweigerung wird von Westend vehement bestritten; die Türen des Verlags hätten jedoch auch den Kritikern stets offen gestanden. Jedenfalls wende man sich nun an die Öffentlichkeit.
Zementierung des linken Legitimitätsmonopols
Nun bekommt also auch der im Grunde ziemlich harmlose Neu-Isenburger Verlag den „Hass der Reptilien“ zu spüren, wie der konservative Publizist Günter Zehm den Kontaktschuld-Moralfuror einmal sehr treffend nannte. Den völlig unreflektierten „Kampf gegen rechts“ muss der Verlag nun ebenso aushalten wie „wir Rechten“ schon seit vielen Jahren: die „Junge Freiheit“, die AfD, die mit der Chiffre “Schnellroda“ umrissenen Kreise, freie und alternative Medien wie auch Ansage! und auch etliche Organisationen, die die zweifelhafte Ehre besitzen, in den jährlichen Berichten des Verfassungsschutzes Erwähnung zu finden. In nahezu achtzig Jahren hat die Linke es geschafft, den Deutschen zu suggerieren, dass „rechts“ begriffsidentisch mit “rechtsextrem” sei und wenn schon nicht verbrecherisch, dann doch zumindest hochgradig anrüchig sei. Seit Erstarken der AfD wird der Begriff ohnehin per se mit „Faschismus“ gleichgesetzt darf entsprechend gebrandmarkt werden – obwohl es sich dabei seit jeher um eine intellektuelle Zumutung handelte.

Die Folge: Was früher noch „die Mitte“ war, ist heute eben rechts und bereits „rechtsextrem“. Durch eine über die Jahrzehnte betriebene konsequente linke Gehirnwäsche wurden diese Begrifflichkeiten völlig verwischt und „rechts“ oder gar „national“ als Synonyme für eine antidemokratische und menschenfeindliche Gesinnung diffamiert, was der Zementierung des linken Legitimitätsmonopols zur Ausschaltung jedweder Opposition dienen soll. Fast hat man sich an all diese bizarren Narrative schon gewöhnt; alles und jedes, was nicht in den sorgfältig abgesteckten Claim und Meinungskonsens des saturierten linken politisch-medialen Establishments passt, darf mittels dieser Zuschreibungskategorie verdächtigt, denunziert und daher auch verfolgt, verurteilt und sogar körperlich angegriffen werden. Dabei ist eigentlich selbsterklärend, dass es dort, wo es eine politische Linke gibt, auch eine Rechte geben muss. Der Westend Verlag ist lediglich das vorerst jüngste Opfer dieses Meinungsterrors – und die gegen ihn gerichtete Boykottaktion der Autoren insofern eine klare Bestätigung der Thesen von Reichelt und Voss. Eigentlich (fast) alles richtig gemacht, Westend! Buch „Links – Deutsch / Deutsch – Links“ jetzt hier bestellen!

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