Gesundheit

Das Gutmensch-Virus

Das Gutmensch-Virus
Fast jeder Zweite direkt oder indirekt von Depressionen betroffen.

Depressionen und andere psychische Erkrankungen sind auf dem Vormarsch. Könnte es sein, dass politischer Druck die Menschen seelisch verkrüppelt?

von Marc Moitami

Diagnose Depression: Jüngere Menschen sind verwundbarer geworden» – solche und ähnliche Schlagzeilen häufen sich in den Medien. Experten rätseln über den Grund. Die Nachfrage nach Psychotherapeuten und Psychopharmaka wächst.

Woher kommt diese Entwicklung? Mein Ansatz ist nicht individualpsychologisch, sondern umfassender. Bleiben wir bei der statistisch messbaren Anfälligkeit vor allem jüngerer Menschen. Hat man sich eigentlich je Gedanken darüber gemacht, dass sich die in unserem Erziehungs- und Schulwesen vorherrschenden Werte der politisch Korrekten, der Gutmenschen, wie Geschlechtergleichmacherei, Feminismus, ein nicht enden wollendes Kriegsschuldbewusstsein, damit einhergehende ständige Selbstgeißelung, Selbsthass bis hin zur Selbstzerfleischung, auf die psychische Gesundheit eines jeden Einzelnen auswirken könnten? Wie fühlt man sich als Junge, dessen natürlicher Drang ihn in der Pause im Kindergarten oder in der Grundschule gern raufen, toben, auf Bäume klettern lassen würde, wenn man von der weiblichen Aufsicht dazu angehalten wird, lieber das Kommunizieren mit den Mädchen zu üben? Wie fühlt man sich als Heranwachsender, dem suggeriert wird, dass Männer und Frauen in Fähigkeiten und im Wesen eigentlich völlig identisch, in der Vergangenheit aber von den gesellschaftlichen Rollenzuteilungen lediglich verschieden gemacht worden seien, wenn man gleichzeitig tagtäglich sieht und fühlt, dass die Geschlechter grundverschieden sind? Wie fühlt man sich als junger Mann, der in der Schule zornig oder wütend wird, weil er sich aus irgendeinem Grunde ungerecht behandelt fühlt, wenn dieser Zorn seitens der Erzieher aber nicht erwünscht ist, da man schließlich kein Macho, Chauvi, Rechtsradikaler und am Ende Nazi werden soll (Adolf hat ja schließlich auch oft wütende Reden gehalten)? Und wie fühlt man sich, wenn man zusätzlich sieht, dass Mädchen und junge Frauen ihre Wut, ihren Zorn ausleben dürfen, weil die Gesellschaft ihr «Gefühle zeigen» oder «temperamentvoll sein» schätzt?

Und umgekehrt: Wie fühlt man sich als Frau, der von klein auf suggeriert wird, sie könne die Karriereleiter hinauf klettern wie ein Mann, habe Power ohne Ende, wenn man dann mit Mitte 40 feststellt, dass man sich diesen Traum eigentlich anders vorgestellt hat und nun kinderlos, wurzellos, verwelkt und einsam dasteht und kein Mann einen mehr will? Oder wie fühlt man sich als Frau, der verkauft wird, sie könne den Spagat zwischen Kind und Arbeit locker schaffen, dabei gar noch frei und unabhängig sein sowie das Leben in vollen Zügen genießen, wenn man müde, erschöpft und ermattet nach Hause kommt – unfähig, dem Kind die nötige Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken, ihrem Kind, das sich nach einem mutterlosen Kita-Tag gerade nach ihrem Trost, ihrer mütterlichen Zuneigung und ihrer Zuwendung sehnt?

Und weiter: Wie fühlt man sich als junger Mensch, dem von klein auf suggeriert und beigebracht wird, dass seine Väter und Mütter, zumindest aber die Großväter und Groß-mütter, ein Volk der grauenvollsten, gemeinsten, bösesten, ja die bösesten Täter der Menschheitsgeschichte überhaupt w